Eine Legende kehrt zurück: Die Commandos-Reihe hat sich seit ihrem Debüt 1998 mit Behind Enemy Lines einen festen Platz im Herzen vieler Taktik-Fans erobert. Die Mischung aus anspruchsvollen Echtzeit-Strategie-Elementen und kniffligem Schleichen in einer packenden Weltkriegs-Atmosphäre war damals wegweisend und hat bis heute Kultstatus.
Nach mehreren Fortsetzungen und einer langen Pause bringt Commandos: Origins die Serie zurück. Entwickelt von Kalypso Media, verspricht der Titel eine Rückkehr zu den Ursprüngen der Reihe – sowohl gameplaytechnisch als auch thematisch. Doch gelingt es dem Spiel, den Geist der Klassiker einzufangen und gleichzeitig moderne Standards zu erfüllen?
Der Ursprung der Spezialeinheit
Wie der Name vermuten lässt, beleuchtet Commandos: Origins die Ursprünge der berühmten Spezialeinheit, deren Mitglieder über Jahre hinweg feindliche Linien infiltriert und scheinbar unmögliche Missionen gemeistert haben. Ihr erlebt die ersten Abenteuer der Gruppe und erfahrt, wie sich die ikonischen Charaktere wie der Green Beret, der Scharfschütze und der Spion zum Team zusammenfinden. Ich musste immer wieder schmunzeln und tauchte oftmals in meine Jugend ein.
Die Story entfaltet sich in einem klassisch episodischen Format, bei dem jede Mission ein eigenes Szenario bietet, das in den Kontext des Zweiten Weltkriegs eingebettet ist. Von der Rettung wichtiger Verbündeter bis hin zur Sabotage von feindlichen Basen – die Aufgaben sind abwechslungsreich und fühlen sich thematisch authentisch an. Zwischensequenzen und Dialoge zwischen den Charakteren fügen den Missionen eine emotionale Komponente hinzu und geben den einzelnen Figuren mehr Persönlichkeit, als man es aus früheren Spielen gewohnt ist.
Klassische Taktik mit modernen Anpassungen
Die Entwickler versprechen die Essenz des klassischen Commandos-Gameplays – und sie liefern auch. Das taktische Schleichen, Planen und Ausführen von Missionen steht erneut im Mittelpunkt. Jeder Charakter verfügt über einzigartige Fähigkeiten, die in Kombination den Schlüssel zum Erfolg bilden. Der Green Beret kann Gegner lautlos ausschalten, der Scharfschütze sorgt aus der Distanz für Präzision, und der Spion kann sich unter feindlichen Soldaten bewegen, um wichtige Informationen zu erhalten. Soweit ich mich erinnere, hatte ich damals ein ähnliches Gefühl, wie ich das erste Spiel der Reihe anging. Einfach herrlich.
Die Missionen sind meisterhaft gestaltet und bieten eine Vielzahl von Herausforderungen. Ob ihr euch durch feindliche Lager schleicht, strategische Stellungen infiltriert oder geheime Dokumente stehlt – jede Mission erfordert sorgfältige Planung und präzise Ausführung. Dafür hat Kalypso aber auch schöne Komfortfunktionen eingebaut, die das Planen leichter machen. So könnt ihr einen Marker auf ein Gebiet setzen und direkt sehen, ob ein Feind diesen Punkt einsieht oder nicht. Das hilft enorm.
Apropos Feinde: Diese reagieren dynamisch und patrouillieren nach festgelegten Mustern, was Geduld und Timing verlangt. Es gibt keinen Raum für Fehler, und das Gefühl, eine perfekt geplante Mission abzuschließen, ist genauso befriedigend wie in den Klassikern.
So geht die Planung gut von der Hand
Die Steuerung wurde modernisiert und ist intuitiver als in früheren Teilen. Hotkeys ermöglichen eine schnelle Auswahl von Fähigkeiten, und das Interface ist übersichtlich gestaltet. Die Möglichkeit, Aktionen zu planen und mit einem einzigen Tastendruck auszuführen, gibt dem Gameplay eine strategische Tiefe und macht das Micromanagement angenehm. Dennoch kann die Steuerung manchmal etwas überladen wirken, besonders für Neulinge, die mit der Serie nicht vertraut sind.
Auch wenn ich insgesamt sehr zufrieden mit der Steuerung per Controller bin, gibt es einen Kritikpunkt. Persönlich hatte ich nämlich anfangs stark mit der Kamersteuerung zu kämpfen. Irgendwie wollte die Kamera nie so richtig, wie ich wollte, weil sie einfach einem leicht anderen Schema folgt, wie ich es gewohnt bin. Sonst kam ich aber sehr gut zurecht.
Grafik: Nostalgie trifft Moderne
Optisch ist Commandos: Origins eine gelungene Mischung aus klassischem Stil und moderner Technik. Die Karten sind detailreich gestaltet und bieten eine Vielzahl von interaktiven Objekten, die ihr zu eurem Vorteil nutzen könnt. Von zerstörbaren Wänden bis hin zu Schatten, die euch Deckung bieten – die Umgebungen tragen stark zur Atmosphäre bei. Je nach Schwierigkeitsgrad - ihr habt drei zur Auswahl - werden mehr oder weniger Hilfen angezeigt.
Die Charaktermodelle sind übrigens echt gut animiert, und die Feinde wirken glaubwürdig, auch wenn die Gesichter bei näherer Betrachtung manchmal etwas steif erscheinen. Aber das stört kaum, da ihr meist eh alles aus der Vogelperspektive beobachtet. Die Farbgebung der Karten bleibt der düsteren, realistischen Tonalität der Serie treu, während die Beleuchtung stimmungsvolle Kontraste schafft.
Anspruchsvoll wie eh und je
Commandos: Origins bleibt seiner Linie treu und bietet ein herausforderndes Spielerlebnis. Die Missionen belohnen Geduld, Timing und das Verständnis der verschiedenen Fähigkeiten eurer Charaktere. Es gibt keine Abkürzungen – jeder Fehler kann zum Scheitern der Mission führen. Dies mag für Veteranen der Reihe eine willkommene Rückkehr sein, könnte jedoch für Neulinge abschreckend wirken.
Aber wie erwähnt: Glücklicherweise gibt es mehrere Schwierigkeitsgrade, die es euch ermöglichen, das Spieltempo und die Komplexität anzupassen. Ein Tutorial hilft dabei, die Grundlagen zu verstehen, auch wenn es etwas oberflächlich bleibt und euch nicht die Tiefe des taktischen Denkens beibringt, die später erforderlich ist. Euer bester Freund ist übrigens das schnelle Speichern. Ich kann es nicht genug betonen: Nutzt dieses Feature ausgiebig!
Fazit: Eine gelungene Rückkehr
Commandos: Origins ist eine würdige Hommage an die Klassiker und bietet alles, was Fans der Reihe erwarten: anspruchsvolle Missionen, taktisches Gameplay und eine authentische Weltkriegsatmosphäre. Die modernisierte Steuerung und die detailreiche Präsentation machen das Spiel zugänglich für eine neue Generation von Spieler:innen, während die komplexen Herausforderungen Veteranen das vertraute Gefühl von Spannung und Belohnung zurückbringen.
Dennoch gibt es kleinere Schwächen, wie eine gelegentlich überladene Steuerung und ein strammer Schwierigkeitsgrad. Für Fans der Serie ist Commandos: Origins aber eine klare Empfehlung – eine Rückkehr zu den Wurzeln, die mit moderner Technik aufpoliert wurde und das Herz jedes Taktik-Fans höherschlagen lässt. Es ist nicht perfekt, aber ein Schritt in die richtige Richtung für eine Marke, die eine solche Rückkehr verdient hat.
Erhältlich für: Xbox, PC, PS
Webseite: commandos-game.com/de-de