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Contra: Rogue Corps

Zwei Sichtweisen, eine Erkenntnis: Der Name dieses Action-Titels ist irreführend.

Wenn ich an „Contra“ denke, fällt unweigerlich auch der Name „Operation C“ oder „Probotector“ vor die Füße. Warum? Weil die „Contra“-Reihe hierzulande anfangs nicht unter „Contra“, sondern eben unter diversen Synonymen erschien.

Der Grund war einfach: In Deutschland wurden die menschlichen Gegner durch Roboter ersetzt und so erhielt das Spiel einen anderen Namen. Verwirrend, aber nachvollziehbar. Nun also schickt Konami Jahrzehnte nach dem ersten Ableger also einen neuen Teil ins Rennen – und der hat mit dem Original nicht einmal den Namen gemeinsam.

Falsche Namensgebung

Wer mit „Contra“ nichts verbindet, kann ohne Ballast in „Rogue Corps“ einsteigen und durchaus seinen Spaß haben. Kenner der Reihe werden jedoch gründlich irritiert sein, wenn sie „Rogue Corps“ anspielen und Anleihen zum Klassiker erwarten. „Contra“ zeichnete sich nämlich ursprünglich durch sein Sidescroll-Bullet-Hell-Gameplay aus, bei dem jeder Treffer tödlich war.

Davon ist fast nichts übrig geblieben in „Rogue Corps“, was – wie gesagt – ja im Grunde nicht schlimm ist, aber schon etwas verwirrend. Kommen wir aber zum eigentlichen Spiel. „Contra: Rogue Corps“ wirft euch in eine düstere Postapokalypse, in der die Menschheit größtenteils Geschichte ist und nur ein paar Helden den Wiederstand leisten.

Diese vier Helden haben mit Menschen nur wenig gemein – bis auf den ersten Charakter, ein Haudrauf-Soldat namens Kaiser. Die anderen drei Recken, eine von einem Dämon besessene Dame, ein kybernetischer Panda und ein Gehirnkäfer – ja, der heißt so – warten auf euch. Im Twinstick-Shooter dürft ihr in die Rolle eines dieser vier Charaktere schlüpfen.

Nach jeder Mission erhaltet ihr Talentpunkte, neue Ausrüstung und Credits, die ihr in die Verbesserung eurer Figuren buttert – alles noch recht verständlich, wenn da nicht die etwas komplizierte Erklärung für das Aufleveln wäre. Ihr könnt die Charaktere jedenfalls bunt durcheinander wechseln nach jeder Mission und jeden Helden genauer ins Visier nehmen, bis ihr euren Favoriten gefunden habt.

Jeder Recke kann nämlich besondere Tricks, mit denen er sich von seinen Kumpanen abhebt. Vielmehr sind es die Waffen und das jeweilige Ultimate, das den Unterschied macht. Testet einfach – macht eine Weile Spaß.

Ballern, bis die Waffen glühen

Allerdings stellt sich schnell Ernüchterung ein, wenn die x-te Mission im selben Design abläuft: Ihr metzelt euch in Rail-Way-Manier durch die Level aus einer Third-Person-Ansicht und schielt dabei immer an den Bildschirmrand. Warum das? Weil all eure Waffen nach ein paar Schuss überhitzen. Klingt nervig? Ist es auch.

Die zwei Waffen, die ihr mitführt, habt ihr also immer im Wechsel in Gebrauch, wenn die eine mal wieder zu heiß wurde. Ich kann den Gedanken dahinter verstehen, dass „Rogue Corps“ mehr taktische Tiefe bekommen sollte, aber die Ausführung ist sehr nervig geworden.

Was mich ebenfalls verwirrte, waren die Momente zwischen den Missionen: dort komme ich in einem nett animierten Hub an, das eine Art Spielmenü darstellt: Ich kann hier meine Charaktere tauschen, die Missionen anwählen, den Online-Modus betreten, die Galerie bewundern oder meine Ausrüstung verbessern.

Letzteres ist derart kompliziert erklärt, dass ich schnell den Überblick und die Lust verloren habe. Im Grunde geht es immer nur um bessere Varianten eurer Waffen – schaut einfach auf die Level-Anzeige für die Waffe und fragt nicht weiter nach: Je höher, desto besser.

Ehrlich gesagt hat „Rogue Corps“ mit „Contra“ nichts mehr gemein: Ihr habt einen Lebensbalken anstatt One-Hit-Wonder zu sein, ihr wandert durch 3D-Areale und bekämpft Zombies – alles in einer Optik, die zwischen nett und grausam hin und her schwankt. Ja, das hier ist kein „Contra“ mehr, sondern eine zweitklassige Action-Unterhaltung für ein paar hirnfreie Abende – mehr aber auch nicht. Irgendwie schade.

Fazit

„Contra: Rogue Corps“ ist vielleicht nicht die Vollkatastrophe, die manch andere Kollegen dem Spiel andichten, aber mit „Contra“ hat dies hier nichts zu tun. Mein Tipp: Vergesst den Namen und kauft euch das Spiel nur, wenn ihr etwas hirnlosen Ballerspaß haben wollt, bei dem ihr nervige Faktoren in Kauf nehmt. Dann könnte das hier euer Spielchen sein. Aber ich habe „Contra“ noch nicht aufgegeben! Komm, Konami – da geht doch noch was?!

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch
Website: konami.com/games/eu/de/products/contra_rc