Es kommt selten vor, dass mir ein Intro bei einem Jump&Run so sehr im Gedächtnis bleibt wie es bei Cookie Cutter der Fall war. Das Metroidvania aus dem Hause XXCC hat aber noch mehr zu bieten. Genre-Freunde sollte unbedingt weiterlesen.
Klingt doch gut, oder?
Was haltet ihr vom ewigen Leben – nicht nur für euch, sondern für alle, die ihr kennt und liebt? Genau das verspricht Infonet, eine dubiose Firma im einer neo-futuristischen Zukunftsvision. Den menschlichen Körper können sie zwar nicht am Leben halten, dafür aber den Geist der Menschen. Dieser wird in Roboter namens Denzils übertragen und schwups – fertig ist die Dystopie. Dass diese Gesellschaft nicht wirklich erstrebenswert ist, merkt auch Cherry sehr schnell.
Wer ist Cherry? Auch ein Denzil, aber ein sehr besonderer. Sie lebt in einer Liaison mit ihrer Erschafferin. Doch das Paar wird äußert brutal voneinander getrennt und Cherry als Haufen Einzelteile zurückgelassen. Von nun an gibt es nur noch einen Sinn in Cherrys Leben: Rache!
Emotionale Achterbahnfahrt
Bereits die ersten Minuten zeigen, wohin die grafische Reise geht. Cookie Cutter ist wunderschön handgezeichnet und gleichzeitig sehr blutig und brutal. Allein wenn Cherry in den ersten Momenten ihren geschundenen Körper - oder was davon übrig ist - über den Boden robbt, bekomme ich eine Gänsehaut. Irgendwie geht einem das sehr nah.
Das Spiel selbst beginnt dann ebenfalls brutal: Schnell wird klar, dass das Metroidvania kein Zuckerschlecken ist. Schon vom dritten Gegner bekomme ich ordentlich Lack. Fast könnte man von einem Souls-Like sprechen, doch ganz so hart ist Cookie Cutter dann auch wieder nicht. Allerdings macht der Schwierigkeitsgrad den Einstieg schon ziemlich herausfordernd. Wechseln könnt ihr ihn leider nicht. Also schluckt diese Pille – es lohnt sich.
Alte Stärken in neuem Glanz
Grundsätzlich erfindet Cookie Cutter das Metroidvania nicht neu. Aber die Präsentation macht das Werk dennoch zu etwas Besonderem. Obwohl es sich um eine Dystopie handelt, kommt der Titel ganz schön bunt rüber. Außerdem gefällt mir der Humor und das Charakter-Design. Ein Beispiel gefällig? Cherry ist eine taffe Roboter-Lady, die gut austeilen kann. An ihrer Seite ist ihre treue Begleiterin Regina, die ihr immer wieder Hinweise gibt und die Situationen erklärt. Ziemlich schnell fiel mir auf, dass es immer wieder unter Cherrys Rock rot blinkt, wenn Regina redet. Und ein genauer Blick auf Reginas Form zauberte mir dann ein Grinsen aufs Gesicht. Nun hatte ich eine Idee, wer und wo Regina war und warum sie so heißt. Sehr schön.
Cherry selbst kann zu Beginn nur mit ihrer Faust austeilen. Gegnern zieht sie dadurch Lebens- und Energie-Punkte ab. Die Energie kann sie später für allerlei Aktionen nutzen. Stellt es euch als eine Art Mana-Punkte vor. Mit der Energie kann sie beispielsweise eine Riesenfaust aktivieren, mit einer E-Gitarre Köpfe einschlagen oder ihre eigenen Lebenspunkte generieren. Ein System, das schnell ins Blut übergeht.
Motivierende Suchtspirale
Ganz klassisch erlernt ihr nach und nach neue Fähigkeiten mit Cherry. Dazu kommen neue Angriffsvarianten oder Bewegungen wie Teleportation. Dadurch öffnet sich die Karte immer mehr für euch. In gewisser Weise lässt euch Cookie Cutter sogar eine kleine Wahl, wohin es als nächstes gehen soll. Doch letzten Endes landet ihr meist bei einem dicken Boss, der einiges an Geschick verlangt. Oder ihr kommt in einen Raum, der sich schließt und einige Gegner erscheinen lässt. So oder so: ihr solltet etwas Frustresistenz mitbringen – oder einfach gut am Controller sein.
Die normalen Gegner stellen bald keine große Gefahr mehr dar – sofern sie alleine sind. In Gruppen kann es schnell chaotisch werden. Dann hauen euch auch scheinbar ungefährliche Mobs schnell über den Haufen. Ein anderes Kaliber sind die Bosse: Hier sind schnelle Reaktionen gefragt. Aber mit etwas Übung schafft ihr auch die dicksten Brocken. Und das fühlt sich echt gut an.
Mach mich besser!
Für einen individuellen Touch sorgen kleine Upgrades, die ihr Cherry verpassen könnt. Dadurch hält sie mehr aus, schlägt härter zu oder bekommt schneller Energie. Ganz nach eurem Geschmack. Wie gesagt: Das ist alles nichts Neues, aber fügt sich am Ende ziemlich gut zusammen. Für die rund 20 Stunden Gameplay unterhält euch dieses System allemal.
Ein paar kleinere Design-Schwächen sind mir dann aber auch aufgefallen. Zunächst wäre da die Kamera, die schnell mal zu nah aufs Geschehen zoomt und dadurch den Überblick vermissen lässt. Dann sind da noch die Schnellreise-Stationen, von denen es meiner Meinung nach ruhig mehr geben könnte. Insbesondere vor Boss-Kämpfen gab es sehr wenige. Also musste ich nach einer Niederlage wieder eine halbe Ewigkeit laufen. Aber all das sind nur Kleinigkeiten und trüben keineswegs den Gesamt-Spaß. Zeit für ein Fazit.
Fazit
Cookie Cutter ist ein harter Brocken, brutal und gleichzeitig auch unterhaltsam. Wenn ihr auf Metroidvanias steht, solltet ihr Cherry und ihrer blutigen Rache-Story eine Chance geben. Satte 20 Stunden werdet ihr bestens unterhalten, sofern ihr den anspruchsvollen Einstieg überstanden habt. Denn sobald ihr im Flow seid, überzeugt Cookie Cutter mit brachialer Action und punktgenauer Steuerung. Für mich ist das Spiel daher der gelungene Abschluss eines tollen Spiele-Jahres.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: rogueco.com/games/cookie-cutter