Auf der Gamescom wurde ich bereits mit Vorfreude infiziert: Als mir ein Mitglied der Flight School Studio "Creature in the Well" vorstellte, sprang der Funke direkt über. Das Kuriose: Hier trifft Hack'n Saly auf Flipper – eine Mischung, die auf den ersten Blick merkwürdig anmutet, aber überraschend gut funktioniert. Und das Erstaunlichste: "Creature in the Well" wurde gerade einmal von zwei Leuten programmiert. Respekt vor dieser Leistung!
Alles nur ein Traum?
Als wiedererwachter Roboter, auch "der Ingenieur" genannt, flüchtet ihr schnurstracks vor einem Sandsturm in den sicheren Schutz eines kolossalen Berges. Dort, im Gerippe des Massives, ist eine gigantische Maschine eingebaut, die allerdings ihre besten Zeiten hinter sich hat.
Doch als Ingenieur kennt ihr euch natürlich hervorragend mit elektrischen Schaltkreisen und Energieverteilung aus. Allerdings lauert in der Dunkelheit des Berges auch eine immens große Kreatur, die sich über euer Kommen nicht sonderlich zu freuen scheint …
Das ist die grobe Ausgangssituation, in der ihr euch zu Beginn des Spiels befindet. klingt schon mal spannend. Noch spannender wird es, wenn ihr eure erste Waffe erhaltet: Ein in der Gegend liegendes Eisenrohr steckt ihr kurzerhand ein und lauf in den ersten Raum. Dort wartet eine kleine Energiekugel, die ihr durch Schläge in der Gegend umherbugsiert.
Prallt diese auf einen Schaltkreis odere andere Strukturen, dann wird dort Energie übertragen, die auf eurem Konto landet. Mit der gewonnenen Energie könnt ihr anschließend Tore öffnen und in die nächsten Räume gelanden. Klingt jetzt etwas abstrakt, geht aber schnell ins Blut über.
Timing und Präzision ist alles
Schon bald bekommt ihr als Zweitwaffe ein Schwert, mit dem ihr die Energiekerne aufladet, bevor ihr sie in eine gewünschte Richtung abschießt. Spätestens jetzt solltet ihr die Verbindung von Hack'n Slay und Flipper sehen. Das Konzept geht ziemlich gut auf: Jeder Raum stellt euch nämlich vor eine andere Herausforderung.
Mal müsst ihr einfach alle Schaltkreise treffen, mal gilt es Türme auszuschalten und ein anderes Mal müsst ihr möglichst schnell sein oder die Kugeln in einem bestimmten Winkel durch die Gegend bugsieren. Das ist nicht nur ziemlich unterhaltsam und innovativ, sondern wird schnell zur herausfordernden Mission. Spätestens ab dem zweiten Haupt-Dungeon braucht ihr ganz schönes Koordinationsvermögen, um die einzelnen Räume zu meistern.
Am Ende eines jeden Dungeons bekämpft ihr immer das riesige Monster – allerdings nicht direkt, sondern über Umwege. Dazu müsst ihr beispielsweise in bestimmter Reihenfolge Schaltkreise aktivieren oder Hindernisse aus dem Weg räumen bis euch das Vieh wieder in Ruhe lässt. Apropos in ruhe: Sterben könnt ihr übrigens nicht – also nicht so ganz.
Sobald ihr keine Energie mehr habt – sei es durch Treffer von Türmen oder Fallen – schnappt euch das Monster und schmeißt euch aus dem Berg. Von da tappt ihr einfach wieder zum Eingang, badet im lebensenergie spendenden Pool und tretet wieder in den Level, aus dem ihr gerade geflogen seid. Die bis dahin gemeisterten Räume sind dabei nicht verloren – also keine Panik. Ihr müsst lediglich etwas Wegstrecke hinter euch bringen. Passt also.
Versteckspiel
Um den Ablauf nicht ganz so monoton zu gestalten, könnt ihr immer wieder Geheimräume entdecken, in denen sich nützliche Items verbergen. So kam ich zum Beispiel zu einer schicken Doppelklinge, mit der ich die Flugbahn meiner Energiekugel in der Vorschau sehen kann – sehr praktisch, wenn man punktgenau etwas treffen soll.
Optisch macht "Creature in the Well" einen netten Eindruck – zumal nur zwei Programmierer an dem Spiel gewerkelt haben. Ein kleines Detail: Jedes Mal, wenn ihr das Spiel neu startet, erhalten die Level einen neuen Farbcode, der die einzelnen Räume in ein anderes Licht taucht. Apropos Räume: Jeder Raum ist nicht etwa zufallsgeneriert - obwohl die Macher darüber nachgedacht haben. Hier stecken handgemachte Rätsel und Dungeons drin, was ich sehr sympathisch finde.
Fazit
"Creature in the Well" ist ein Ausnahme-Titel, der mit erfrischenden Ideen aufwartet. Im Leben wäre ich nie auf die Idee gekommen Hack'n Slay und Flipper zu vermischen. Doch es funktioniert erstaunlich gut, wie das Flight School Studio beweist.
Gegen Ende des Spiels geht dem Konzept zwar etwas die Puste aus, aber das ist gut zu verkraften, wenn man bedenkt, dass hier nur zwei Personen dran gearbeitet haben. Für mich ist "Creature in the Well" dadurch ein kleiner Geheimtipp, zu dem ich immer wieder gerne zurückkomme.
Erhältlich für: Xbox One, PC
Website: creatureinthewell.com