Mit Culdcept Begins bekommt ihr den ersten komplett neuen Serieneintrag seit einer Dekade. Genau diese lange Pause macht das Comeback auf Nintendo Switch und Switch 2 zu einem spannenden Testfall. Seid ihr bereit für eine Runde Karten und Action?
Ein Serien-Neustart nach zehn Jahren
Nach fast zehnjähriger Funkstille kehrt Culdcept mit einem eigenständigen Prequel zurück, das direkt vor dem allerersten Sega-Saturn-Titel von 1997 ansetzt. In der Rolle von Kamur, einem jungen Studenten der Royal Cept Academy, steigt ihr zum sogenannten Cepter auf. Dabei verstrickt ihr euch in einen Konflikt um das mächtige "Book of Creation". Das ist erzählerisch kein Meisterwerk, wächst aber überraschend, je weiter man vorankommt.
Herausgegeben wird der Titel von Neos Corporation und Daewon Media, unter Aufsicht der Serienveteranen von Omiya Soft, die einst am Original beteiligt waren. Das sorgt für ein glaubwürdiges Gefühl von Kontinuität, auch wenn sich das Spiel optisch komplett neu präsentiert.
Monopoly trifft Magic: The Gathering
Das Spielprinzip muss sich diesen Vergleich gefallen lassen: eine Mischung aus Monopoly und Magic: The Gathering. Ja, das klingt merkwürdig, ich weiß. Aber lasst mich erklären: Auf einem Spielbrett bewegt ihr euch würfelnd voran, erobert elementar aufgeladene Landflächen und müsst rechtzeitig zum Startpunkt zurückkehren, um euren angesammelten "Total Magic Value" zu sichern. Landet ihr dabei auf gegnerischem Terrain, gibt es keine einfache Mietzahlung, sondern ein taktisches Kartenduell zwischen euren jeweiligen 40-Karten-Decks.
Diese Kartenduelle sind der eigentliche Clou. Über 400 einzigartige Karten, dazu Waffen- und Rüstungsgegenstände sowie Elementarvorteile, sorgen für eine erstaunlich tiefe taktische Ebene, die stark an klassische Sammelkartenspiele erinnert. Genau diese Kombination aus Würfelglück und Kartenstrategie macht den besonderen Reiz der Serie aus, den bislang kaum ein anderes Spiel wirklich kopiert hat.
Zugänglichkeit versus Serientiefe
Reden wir noch über die Balance zwischen Einsteigerfreundlichkeit und der traditionellen Komplexität der Serie. Das Tutorial und der Story-Modus sind ein gelungener Einstiegspunkt für komplette Neulinge. Der Deckbau und das Spielsystem sind trotzdem fordernd und die alte Serientiefe ist dadurch keineswegs verschwunden.
Genau dieser Punkt dürfte für viele entscheidend sein. Wer unvorbereitet einsteigt, kann von der ersten Partie an überrumpelt werden, während erfahrene Strategiefans genau dies als Teil des Reizes empfinden.
Präsentation und Multiplayer
Optisch hat sich Culdcept Begins spürbar weiterentwickelt. Handgemalte Hintergründe, ein komplett überarbeitetes Design und neu gestaltete Kartenillustrationen unter der Leitung von Charakterdesigner Satoshi Matsuura geben der Rückkehr einen edlen, modernen Anstrich. Das wirkt frisch, ohne die Wurzeln der Serie zu verleugnen, und passt gut zum ruhigen, fast meditativen Fantasy-Setting der Geschichte.
Beim Mehrspielermodus gibt es viel Licht und ein bisschen Schatten. Online-Matches, Custom-Lobbies, lokales GameShare für bis zu vier Spieler auf der Switch 2 sowie Maus-Support fallen durchweg positiv auf. Kritisch dagegen ist, dass wichtige Multiplayer-Funktionen erst nach den ersten Story-Kapiteln freigeschaltet werden, was den Einstieg für ungeduldige Spieler unnötig verzögert.
Fazit
Culdcept Begins ist ein mutiges Comeback nach zehnjähriger Pause, das die ungewöhnliche Genre-Mischung der Serie modern verpackt, ohne ihre Ecken komplett glattzubügeln. Wer Lust auf eine seltene Kombination aus Brettspiel-Nervenkitzel und Kartenstrategie hat, findet hier ein durchdachtes, liebevoll gestaltetes Paket.
Wer allerdings maximale Zugänglichkeit ohne jede Einstiegshürde erwartet, sollte sich auf eine gewisse Lernkurve einstellen. Insgesamt zeigt der Titel aber, dass die alte Culdcept-Formel auch 2026 noch überraschend frisch wirken kann, wenn man ihr genug Sorgfalt und Respekt entgegenbringt.
Erhältlich für: PC, Switch
Webseite: store.steampowered.com/app/3322630/Culdcept_BEGINS