Es ist immer wieder überraschend, welche Genres sich vermischen lassen. Bei Cult of the Lamb von Massive Monster und Publisher Devolver Digital hat sich wohl Hades mit Animal Crossing zusammengetan. Hier treffen prozedural generierte Dungeon-Fights auf eine locker-leichte Wirtschaftssimulation. Klingt spannend? Ist es auch. Also los geht's!
Was zum Lamm …?
Beim Blick auf die ersten Trailer zu Cult of the Lamb hatte ich keine Ahnung, um was es hier eigentlich geht. Nach mehreren Stunden im Spiel weiß ich es nun. Ihr schlüpft in die Rolle eines Opferlamms. Nicht irgendein Opferlamm, nein. Ihr seid das letzte eurer Art. Nun schreitet ihr fest verschnürt auf den Platz, an dem euer Henker bereits das blutige Beil bereithält. Und schwupps, saust die Klinge auf euren Hals. Doch anstelle des Endes erwartet euch eine Zwischenwelt. Ein göttliches Wesen hat euch auserwählt. Ihr sollt auf die Erde zurückkehren und Rache ausüben. Nur so kann dieses Wesen seine Ketten sprengen und ist wieder frei.
Also kommt ihr wieder auf die Erde und bekommt übernatürliche Unterstützung. Ab sofort seid ihr kein Opferlamm mehr, sondern ein schwertschwingender Krieger, dem man besser nicht zu nahekommt. Damit eure Kraft erhalten bleibt, braucht es andere, die an euch glauben. Daher müsst ihr eine Glaubensgemeinschaft bzw. einen Kult aufbauen. Nur so werdet ihr mächtig genug, um Rache an den vier Wesen zu üben, die diese Welt beherrschen.
Der Glaube ist alles
Damit das gelingt, braucht ihr Unterstützer. Und wie bekommt ihr Unterstützer? Indem ihr sie aus finsteren Dungeons befreit. Damit wären wir beim ersten von zwei Grundpfeilern, die Cult of the Lamb auszeichnen. Das Abtauchen in zufallsgenerierte Dungeons gehört zu eurem täglichen Brot als Kultanführer. Dabei orientiert sich Cult of the Lamb an Spielen wie Binding of Isaac oder Moonlighter. In kleinen Räumen warten einige Gegner auf euch, die ihr besiegen müsst, um weiterzukommen. Je erfolgreicher ihr seid, desto mehr Münzen und Gegenstände bekommt ihr. Die Münzen sind eine gute Überleitung zum zweiten Grundpfeiler, einem Mini-Wirtschaftssystem á la Animal Crossing.
Mit Münzen und Untertanen könnt ihr also euren Kult aufbauen. Zunächst einmal braucht ihr Steine und Holz, damit ihr Dinge bauen könnt. Praktisch, dass ihr eure Untertanen anweisen könnt, was sie für euch sammeln sollen. Alternativ dürft ihr natürlich auch selbst Hand anlegen. Anschließend lassen sich die ersten Einrichtungen bauen. Eine Kochstelle, Zelte oder später auch eine Kapelle, die der Mittelpunkt eures Kultes sein wird.
Mit Münzen könnt ihr bessere Gebäude erschaffen. Um diese freizuschalten, braucht es Glaube. Wie bekommt man Glaube? Lasst eure Anhänger:innen für euch beten. Je mehr und länger gebetet wird, desto mehr Glaubenspunkte erhaltet ihr. Damit schaltet ihr in einem Wirtschaftsbaum nach und nach mächtigere Gebäude frei. Aber keine Sorge: Sonderlich überfordert werdet ihr hierdurch nicht. Es macht aber dennoch Laune.
Zuckerbrot und Schwert
Kommen wir zu den Besonderheiten von Cult of the Lamb. Immer wenn ihr genügend Energie getankt habt oder bereit seid für mehr Action, geht es ab in einen Dungeon. Es gibt vier verschiedene Themengebiete, die jeweils einen der vier bösen Götter beheimaten. Ihr könnt aber nicht frei wählen und müsst einen Gott nach dem anderen aus dem Weg räumen. Jeder Trip in dessen Reich macht euch stärker und stärker. Denn mit gefundenen Materialien dürft ihr euch in euerer Basis neue Ausrüstungsgegenstände daraus basteln. Das motiviert ungemein.
Es gibt aber noch einen anderen Weg, wie eure Werte gesteigert werden können. Dazu müsst ihr Untertanen opfern. Besonders praktisch ist das, wenn sie sowieso gerade für Unruhe im Camp sorgen. Allerdings hat eine Opferung auch Auswirkungen. Denn jeder Untertan hat zwei Attribute, die bei einer Opferung freigesetzt werden.
Meist sind dies negative Dinge, wie weniger Glaube, weniger Gehorsam usw. Aber es können sich auch positive Dinge daraus entwickeln. Jede Opferung ist also etwas Besonderes. Das fiel mir auf, als ich Tsytsy, einen sehr liebgewonnenen Untertan, opfern musste. Es fiel mir sichtlich schwer, das Kerlchen ins Jenseits zu schicken. Aber das Lamm und der Kult verlangen es so.
2D-Sprites
Grafisch ist Cult of the Lamb übrigens sehr nett, aber auch gewöhnungsbedürftig anzuschauen. Der Comic-Look mit der flachen isometrischen Perspektive hat seinen Charme. Dass die Figuren eigentlich nur 2D-Bilder sind, fällt gar nicht mal so sehr ins Gewicht. Mir persönlich fehlte bei der flachen Draufsicht ab und an die Übersicht in den Dungeons. Eine etwas erhöhte Sicht wäre mir lieber gewesen. Allerdings würde das den Grafikstil mit seinen 2D-Figuren zerstören – also kann ich die Entscheidung gut verstehen. Ansonsten passt ja alles soweit.
Fazit
Cult of the Lamb ist eine gelungene Mischung zweier Genres: Hier trifft ein zufallsgenerierter Dungeon-Crawler auf ein Mini-Wirtschaftssystem. Sehr charmant kommen dabei die Story und die Grafik herüber. Abwechslungsreich und motivierend. Allerdings ist das alles nicht ganz ohne Makel: Die flache isometrische Perspektive ist Geschmackssache. Auch der relativ gleiche Ablauf in den Dungeons könnte manche Spieler:innen nerven – aber erst zu Ende des Spielchens. Bis dahin ist Cult of the Lamb herrlich düster und steckt voller spannender Ideen. Ich will mehr von solchen Indie-Perlen sehen. Danke an Massive Monster und Devolver Digital.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Website: cultofthelamb.com