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Curse Round

Verdammt zum Spaß?

Wer glaubt, Roguelikes hätten schon alle Kniffe ausgespielt, wird von Curse Round spätestens nach der ersten Runde eines Besseren belehrt. Dieses Spiel aus dem Hause Tentacles Interactive ist wild, monochrom, zutiefst bestrafend und dabei überraschend charmant.

Schon im Hauptmenü begrüßt euch eine stilvolle Schwarz-Weiß-Optik mit minimalistischer 1-Bit-Pixelkunst – der erste Eindruck könnte auch von einem frühen Game Boy-Titel stammen. Doch beim Start offenbart sich schnell: Curse Round ist eine hochmoderne, clevere Hommage an das Bullet-Hell-Genre, die toxisches Glück mit spürbarem Frust kombiniert.

Fluch über Fluch

Statt euch mit klassischen Upgrades oder zufälligen Power-ups zu belohnen, dreht Curse Round das Roguelike-Prinzip frech um. Nach jedem Level seid ihr gezwungen, euch für einen von über 60 Cursed Cards zu entscheiden – und keine davon ist nett. Mal lauft ihr nur noch in Zeitlupe, mal reduzieren sich eure Lebenspunkte, mal werden Gegner schneller, klonen sich oder wachsen auf Bildschirmausfüllende Riesengröße an.

Mit jeder neuen „Runde“ (Room) wird das Überleben schwerer, nie leichter, und so wächst das eigene Scheitern zum spaßig-heroischen Dauer-Thema des Spiels. Auch wenn es fies klingt, empfand ich es als erfrischend – aber gemein ist es schon.

Leicht zu lernen, schwer zu meistern

Das Gameplay selbst funktioniert klassisch und präzise: Ihr steuert eure winzige Figur durch Wellen von Gegnern, weicht mit superschnellem Dash, pixelgenauem Bewegen und kurzem Schuss-Takt unzähligen Projektilen und Gegnerhorden aus. 30 unterschiedliche Gegnertypen und fünf fiese Endbosse trommeln mit immer neuen Mustern auf euch ein – besonders im späteren Verlauf klaffen die Flüche so sehr übereinander, dass ihr fast im Kugelhagel verschwindet.

Ein Durchlauf dauert selten länger als 20 Minuten, oft ist aber nach wenigen Minuten Schluss – und genau das macht süchtig: Noch einmal versuchen, noch einen neuen Fluch überleben, noch ein bisschen besser werden. Mich hat das interessanterweise echt motivieren können.

Stimmung und Wiederspielwert

Was Curse Round von ähnlichen Indies wie „The Binding of Isaac“ oder „Enter the Gungeon“ abhebt, ist die besondere Mischung aus minimalistischer Optik und maximal fieser Replayability. Kein Lauf gleicht dem anderen, weil die Reihenfolge und Kombination der Fluchkarten für absurde Kettenreaktionen sorgt.

Mal kann man kaum schießen, mal frisst man quasi permanent doppelten Schaden, plötzlich verlangsamt sich alles – und immer kommt ein neuer Twist dazu. Die Steuerung bleibt dabei stets fair: Dash und Schuss sind präzise, Treffer wirken ehrlich; selten fühlt sich das eigene Scheitern „unverdient“ an.

Untermalt wird die Action von einem passenden, leichten Low-Fi-Beats-Soundtrack, der die hektische Kugelbahn ausbalanciert und Retro-Herzen genauso anspricht wie moderne Indie-Fans. Die Gegnersprites sind erstaunlich individuell animiert, trotz der einfachen Farbpalette transportiert jede Kreatur ihren eigenen Charakter, von gruseligen Fratzen bis zu skurrilen Monsterkugeln.

Zwischen Suchtfaktor und Frust-Momenten

Curse Round richtet sich mit seinem gnadenlosen Schwierigkeitsgrad und der Umkehr des „Belohnungsprinzips“ vor allem an Leute, die das Lernen durch Scheitern zelebrieren. Einsteiger könnten sich, trotz der simplen Optik, rasch überfordert fühlen – besonders, da die Kombi aus Flüchen schnell in ein explosives Chaos abrutscht und man manchmal nach fünf Minuten wild fluchend vor dem Bildschirm sitzt. Aber gerade hier liegt das Erfolgsgeheimnis: Wer dranbleibt, erlebt einen richtig spannenden Roguelike-Loop.

Der Preis für diese gameplaytechnische Klarheit ist die fehlende Storytiefe. Narrative bleibt Nebensache, hier geht es vor allem um Reflexe, Improvisation, Schadensbegrenzung – und die ewige Frage: Welcher Fluch bringt mich diesmal am wenigsten um?

Fazit: Zum Verzweifeln schön

Curse Round ist ein teuflisch cleveres Kleinod, das den Roguelike-Himmel mit dunklen Gewitterwolken versieht – und dabei jede Menge Spaß, Adrenalin und nervenzerfetzenden Kugelrausch liefert. Wer keine Angst vor Frust und ständig steigendem Schwierigkeitsgrad hat, bekommt eine perfekte Portion Fluch zum Mitnehmen – und einen der amüsantesten Gründe, immer wieder in die nächste Höllenrunde zu starten.

Erhältlich für: Xbox, PS, Switch, PC 
Webseite: store.steampowered.com/app/3073820/Curse_Rounds