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Darts VR2: Bullseye

Virtuelle Dartscheibe fürs Wohnzimmer.

Stell dir den Ally Pally vor: Scheinwerfer, Einlaufmusik, klebriger Hallenboden, irgendwo grölt jemand nach einer 180, und du stehst an der Linie, obwohl du in Wirklichkeit nur mit Headset im Wohnzimmer herumfuchtelst.

Genau aus diesem schönen kleinen Größenwahn zieht Darts VR2: Bullseye seinen Reiz. Ihr bekommt hier ein VR-Dartspiel, das den Kneipensport mal als ernsthafte Simulation, mal als Partyspiel und mal als leicht verwirrten Zombie-Jahrmarkt inszenieren will.

Zwischen Pub und Pro-Tour

Der Kern des Spiels ist erfreulich bodenständig. Darts VR2: Bullseye will das „realistischste“ VR-Darts-Erlebnis sein, inklusive 16-Spieler-Esports-Modus, Liga-Struktur, Voice-Support und klassischen Varianten wie 501 und Around the World. Das klingt erst einmal wie eine sehr mutige Antwort auf die Frage, ob ein ganzes Spiel über Darts wirklich tragen kann. Überraschenderweise lautet die Antwort oft: ja, meistens schon.

Denn beim Wurfgefühl haben die Entwickler ihre Hausaufgaben gemacht. Die überarbeitete Physik, das nachvollziehbare Gewicht der Pfeile und die Tatsache, dass Handgelenk, Abwurfwinkel und Timing tatsächlich eine Rolle spielen, hat mich leicht beeindruckt. Wenn ein Triple-20 sauber sitzt, fühlt sich das nicht wie ein Script, sondern wie ein verdienter kleiner Triumph an.

Wenn der Wurf sitzt

Controller- und Headset-Vibrationen verstärken Abwurf und Treffer, während klare Darstellung, dunkle OLED-Schwarzwerte und gut sichtbare Effekte die Konzentration auf die Scheibe angenehm unterstützen. Das ist keine grafische Wunderkammer, aber genau diese funktionale Klarheit passt zu einem Spiel, in dem ein Millimeter links plötzlich den Unterschied zwischen Jubel und gepflegtem Gemecker ausmacht.

Auch die klassischen Modi sind ordentlich umgesetzt. 501, Around the World und weitere Standardvarianten bedienen die Puristen, und die KI-Schwierigkeit steigt nachvollziehbar an, ohne euch gleich mit Profi-Finishes aus dem virtuellen Pub zu werfen. Wer einfach nur seriös Darts spielen möchte, bekommt also tatsächlich eine brauchbare Grundlage.

Dann kommen Rhythmus, Party und Zombies

Richtig eigen wird Darts VR2: Bullseye aber dort, wo es plötzlich beschließt, kein reines Darts-Spiel mehr sein zu wollen. Around the World und Killstreak werden teilweise als Rhythmusspiel neu interpretiert - sehr cool. Es gibt Party-Features ohne große Hürden beim Einsteigen, Zombie-Wellen zum Wegpfeffern und insgesamt eine deutliche Lust daran, aus dem Sportgerät ein kleines Arcade-Baukastensystem zu machen.

Das funktioniert mal besser, mal deutlich schräger. Killstreak würde ich als Highlight nennen, weil der Modus Präzision, Druck und audiovisuelle Eskalation klug verbindet. Dieser Modus macht aus Darts plötzlich etwas, das fast wie ein Highscore-Attentat auf eure Nerven wirkt. Der Zombie-Modus hingegen ist zwar witzig als Idee, wirkt aber eher altbacken und leidet darunter, dass die sonst überzeugende Wurfphysik auf große Distanz weniger gut harmoniert. Anders gesagt: Mit Zombies auf Dinge werfen ist lustig, aber nicht automatisch gutes Gamedesign.

Das Problem mit der Identität

Genau hier sitzt auch die größte Schwäche des Spiels. Darts VR2: Bullseye möchte gleichzeitig seriöse Darts-Sim, Esports-Plattform, Partyraum, Rhythmusspiel und Undead-Kirmes sein — und diese fünf Persönlichkeiten vertragen sich nicht immer perfekt. Das Spiel ist zwar abwechslungsreich, aber nicht immer geschlossen.

Hinzu kommen kleinere technische und spielerische Reibungen. Trotz stark verbesserter Physik gibt es gelegentlichen Inkonsistenzen bei Flugbahn, Tracking oder Latenz. Besonders wenn es hektisch oder online kompetitiv wird. Außerdem kann die Navigation in Menüs und Mehrspielerbereichen eleganter sein.

Fazit

Darts VR2: Bullseye ist ein unterhaltsames, ungewöhnlich vollständiges VR-Dartspiel, das im Kern ein gutes Wurfgefühl und solide Sportmechanik liefert. Drumherum experimentiert es aber mit teils herrlich absurden Ideen wild herum. Nicht jeder dieser Einfälle trifft ins Bullseye, doch gerade die Mischung aus ernst gemeinter Simulation und leichtem Kneipenwahnsinn macht den Reiz des Spiels aus.

Für mich ist das kein perfekter VR-Sporttitel, aber ein ziemlich sympathischer. Wenn ihr nur kurz im Ally Pally stehen, eine 180 träumen und danach noch Zombies mit Pfeilen bewerfen wollt, seid ihr hier erstaunlich gut aufgehoben.

Erhältlich für: PS VR2, Meta Quest, Steam VR 
Webseite: dartsvr2.com