Eins muss ich direkt loswerden: So gespannt war ich schon lange nicht mehr auf ein Spiel. Bethesda und die Arkane Studios haben mich im Vorfeld schon ordentlich angeheizt. Dennoch wollte ich mir von Deathloop noch kein Urteil erlauben. Nun steht der Titel neben der PS5 und dem PC endlich auch für die Xbox in den Regalen. Also machen wir uns auf einen tödlichen Trip gefasst.
Immer wieder und wieder
Irgendwie fühle ich mich in letzter Zeit von der Zeit verfolgt – jedenfalls in Spielen und Filmen. Vor ein paar Wochen schaute ich mir Boss Level an, danach Palm Springs (beide sehr unterhaltsame Streifen) und quälte mich immer und immer wieder durch einen vorstädtischen Alptraum in Twelve Minutes (Nicht falsch verstehen: das Spiel ist super, die Story hart).
Nun also bekomme ich mit Bethesdas Deathloop eine weitere Zeitschleife geliefert, in der ich mich befinde. Da bin ich nun: Noch halb betrunken irgendwo auf einer abgelegenen Insel namens Blackreef. Passenderweise zur Action, die hier gleich abgehen wird, heißt der Hauptakteur Colt. Gleich eins vorweg: Über die Story von Deathloop werde ich so wenig wie möglich erzählen. Denn sie ist es, die hier eindeutig im Vordergrund steht.
Eure Aufgaben: Herausfinden, was hier vor sich geht und wie ihr diese verdammten Visionäre umbringen könnt. Warum? Denn nur durch den Tod der acht Obermotze auf der Insel werdet ihr aus eurer Zeitschleife befreit. Denn sonst beginnt jeder Anlauf wieder genau gleich – zumindest fast.
Euer Leben in Vierteln
Jetzt wird’s scheinbar ein klein wenig kompliziert: Blackreef ist in vier Bezirke und vier Tageszeiten aufgeteilt. Ihr habt also morgens, mittags, abends und nachts in den jeweiligen Bereichen zu untersuchen, um Hinweise über den Aufenthaltsort der Visionäre zu sammeln – genau das müsst ihr nämlich tun, um erfolgreich zu sein. Doch keine Sorge: Deathloop stresst euch nicht mit einer ständig tickenden Uhr.
Ihr könnt selbst entscheiden, wo ihr wann hin möchtet. Was euch allerdings etwas im Nacken liegt, ist der Tod. Solange Colt nämlich alle Herausforderungen meistert, kann er weitermachen. Stirbt er, beginnt der Tag wieder von vorne – allerdings behaltet ihr all euren bis dahin gesammelten Fortschritt, was wirklich motivierend ist. Aus der First-Person-Perspektive durchstreift ihr die Gebiete und lernt mit der Zeit, wann und wo Feinde auftauchen können.
Diese schaltet ihr vorzugsweise leise aus, wenn es irgendwie möglich ist. Denn brachiales Vorgehen wird in Deathloop meist nur mit dem Tod belohnt. Keine Sorge: Das Spiel verkommt damit nicht zur Schleich-Orgie. Es gibt immer noch genügend Schauplätze, an denen es ordentlich kracht. Nur muss es doch nicht an jedem Ort sein.
Die Macht der Wiederholung
In den einzelnen Bezirken bekommt ihr nach und nach Hinweise darauf, wann sich dort einer der Visionäre aufhalten wird. Schafft ihr es einen von ihnen zu töten, könnt ihr euch über merkwürdige Platten freuen, die sie fallen lassen. Diese dienen dazu, eure Fähigkeiten ein gutes Stück aufzumotzen: Mehr Schaden gefällig? Kein Problem. Allerdings dürft ihr immer nur zwei auf einmal von diesen Platten nutzen. Also überlegt gut.
Was mir das Leben oft erschwerte, war Colts etwas zu kleine Lebensleiste: Der Kerl hält kaum ein paar Schüsse aus – wie im echten Leben wahrscheinlich. Dennoch sind offene Feuergefechte keine gute Idee. Ich sag’s gerne wieder. Allerdings macht mich jeder Durchlauf stärker und besser: Jeder Bezirk hält etliche Möglichkeiten bereit, um ihn zu erkunden – das war schon in den Dishonored-Teilen immer eine Stärke des Entwicklerstudios Arkane.
Mir bleibt es überlassen, wann und wo ich auf die Jagd gehe. Damit ihr nicht so ganz alleine unterwegs seid, bekommt ihr per Funkgerät noch etwas Gesellschaft: Juliana weiß euch zu unterhalten. Was es mit ihr auf sich hat? Wird nicht verraten. Amüsant sind die Dialoge aber zwischen den beiden und sorgen für mehr Atmosphäre.
Augenzucker
Grafisch spielt Deathloop auch auf einem sehr hohen Level: Bezirke, Gegner und Animationen sind vom Feinsten – zumal sie feinsäuberlich an die 60er-Jahre angelehnt sind. Auch die Art der Präsentation gefällt mir und erinnert mich stark an verfilmte Comic-Bücher. Kurz gesagt: Erwartet etwas Zucker für die Augen.
Noch mehr Tiefgang bekommt Deathloop übrigens durch die kleinen Gadgets, die Colt mit sich trägt: So kann er beispielsweise Türen oder Ports hacken und so auf die Spielwelt Einfluss nehmen. Damit eröffnen sich erneut jede Menge Möglichkeiten, wie ihr euren Feinden einheizen könnt. Falls ich es noch nicht erwähnt habe: Deathloop ist ein riesiger Sandkasten, der zum Experimentieren einlädt – ein hochexplosiver Sandkasten allerdings.
Fazit
Ich fasse mich kurz: Ihr habt eine PS5 zuhause? Ihr mögt Actionspiele? Dann kauft euch Deathloop. Daran führt fast kein Weg vorbei. Was Bethesda und die Arkane Studios hier abliefern, ist spielerischer Genuss pur. Vom Art-Design über die Story bis hin zum Gameplay greifen hier alle Rädchen perfekt ineinander. Ich liebe diese mörderische Zeitschleife und die immer neu entdeckten Hinweise bei jedem Durchgang. Jetzt muss ich nur noch verinnerlichen, dass der gute Colt auch nur ein Mensch ist und keine bleiernen Bohnen zum Frühstück bevorzugt. Blackreef, ich komme!
Erhältlich für: PC, PS5, Xbox
Website: bethesda.net/en/game/deathloop