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Deathwing: Space Hulk Enhanced Edition

Wäre, wäre, Fahrradkette – viel verschenktes Potenzial hier.

Als Fan des „Warhammer“-Universums hatte ich mich schon mächtig auf „Deathwing: Space Hulk“ gefreut. Den ersten Dämpfer bekam ich verpasst als Entwickler Focus Home Interactive die Xbox One Version cancelte – echt schade. Aber auf der PS4 lässt sich doch sicherlich auch gut metzeln, oder? Als mächtiger Space Marine geht es im 30. Jahrtausend ins All auf ein sogenanntes Space Hulk: Damit sind riesige Wracks im Weltall gemeint, auf denen sich tonnenweise Schrott angehäuft hat, aber auch ein paar wertvolle Relikte.

Dumm nur, dass wir nicht alleine sind auf den monströsen Gebilden. Im Inneren der Kolosse lauern Fanatiker und Tyraniden auf Eindringlinge. Besonders letzt genannte kommen in Horden auf euch zu – da sind glühende Kolben und Finger am Gamepad vorprogrammiert. Klingt jedenfalls nach meinem Geschmack.

Lost in Translation

Gegen ein nettes Tutorial habe ich meist nie etwas. Auch „Deathwing: Space Hulk“ führt mich durch ein kurzes, aber dennoch etwas verwirrendes Tutorial. Ich bekomme sämtliche Spielmechaniken erklärt, aber als es dann ans Tore öffnen bzw. versiegeln geht, komme ich ins Stocken.

Trotz der gezeigten Anweisungen will sich die Tür zum nächsten Abschnitt einfach nicht öffnen. Erst nach minutenlangem Herumprobieren stolpere ich zufällig über die Lösung: Anstatt einen Knopf zu drücken, wie es gesagt wird, muss ich diesen halten – Übersetzungsfehler sind bei solchen Fällen schon ziemlich fies.

Also geht es los auf den ersten Einsatz. In einer schweren Ausrüstung, die jedem Terminator Respekt einflössen würde, stampfe ich in das Metall-Wrack des Space Hulks hinein. An meiner Seite habe ich zwei Computergesteuerte Kameraden, denen ich leichte Befehle erteilen kann. Einer von ihnen ist auf Heilung spezialisiert, der andere auf schwere Waffen. Die Suche nach den Relikten geht los.

And I Would Walk 500 Miles …

Bereits nach fünf Minuten nervt mich schon das quälend langsame Tempo, mit dem wir uns bewegen – ganz zu schweigen von dem grausigen Level-Design, das wie ein Labyrinth aus Metall und Schrott wirkt. Bis ich meinen ersten Wegpunkt erreicht habe, dauert schon ein Weilchen. Wirklich viel passiert ist bis dahin nichts – was aber der Atmosphäre zugute kommt.

Als dann doch plötzlich ein paar Fanatiker auftauchen, sind diese in Windeseile über den Haufen geballert mit meinem schweren Bolter. Einen von ihnen konnte ich sogar im Nahkampf mit meinem Schwert erledigen – na das hat schon mal Laune gemacht. Weiter geht es im Schneckentempo: Übrigens würde eine Schildkröte neben uns sicherlich wie eine vierbeinige Version von Usain Bolt wirken.

Habe ich schon erwähnt, dass das nervt?! Mehr Fanatiker stolpern über die Gänge: Wirklich herausfordernd ist das schon nicht mehr. Erst jetzt fällt mir auch auf, was mir bei den Schusswechseln fehlt: Die Wucht dieser Geschütze ist einfach nicht zu spüren – weder beim Abfeuern, noch bei Treffern am Gegner. Das ändert sich auch bei den anderen zwölf Waffen nicht sonderlich.

Etwas besser wird es bei den Psy-Kräften in Form eines Kettenblitzes, der sich immer mal wieder einsetzen lässt. Damit fegt ihr im Nu durch feindliche Horden durch. Aber bereits beim ersten Aufeinandertreffen mit den von überall hereinstürmenden Tyraniden bin ich schon so abgebrüht, dass sich die Gefechte wie Routine anfühlen – und dabei warten eigentlich noch neun Karten auf mich.

Skills gefällig?

Der Fähigkeitenbaum, wenn man es denn so nennen will, wird auch niemanden hinter dem Ofen hervorlocken: Hier könnt ihr ein paar eurer Fähigkeiten verbessern, aber wirklich weltbewegend ist das nicht. Am eigentlichen Spiel ändert es nämlich wenig: Die Missionen laufen fast alle nach dem gleichen Schema ab – hier wäre eindeutig mehr drin gewesen.

Und dann muss ich zusätzlich immer wieder an meinen KI-Gefährten zweifeln, die zwar generell einen ordentlichen Job machen, doch besonders der Heiler denkt nicht im Traum daran, seine Kameraden zu regenerieren, wenn ich es ihm nicht ausdrücklich befehle.

Im Multiplayer sieht die Sache schon etwas besser aus: Bis zu vier Spieler können hier gleichzeitig auf die Jagd nach Tyraniden und Relikten gehen. Nur leider hat Focus Home Interactive immer noch einige Probleme beim Verbinden der Spielsessions, sodass es öfters zu Abstürzen oder merkwürdigen Glitches kam.

Das wirklich blöde aber ist, dass es in den Mehrspielerpartien keinerlei Fortschritt gibt: Die Marines steigen in den einzelnen Missionen zwar bis zu vier Stufen auf, aber beim nächsten Einsatz ist davon nichts mehr zu spüren. Schade. Auch grafisch bewegt sich das Spiel nur im Mittelmaß und kann nur wenig überzeugen.

Fazit

Mit „Deathwing: Space Hulk“ hat Focus Home Interactive jede Menge Potenzial liegenlassen. Die „Enhanced Edition“ behebt auch einige Probleme des Hauptspiels und kommt sogar mit einer neuen Klasse daher. Allerdings fallen diese Verbesserungen kaum ins Gewicht, da der Rest des Spiels an vielen Ecken zu holprig ist:

Angefangen von der Bewegungsgeschwindigkeit über die fehlende Wucht der Waffen bis hin zum immer gleichen Ablauf der Missionen ist dieser Warhammer-Ableger wirklich nur den Hardcore-Fans zu empfehlen. Ein besseres Gefühl habe ich da beim nächsten Ausflug ins Warhammer-Universum: Mit „Martyr“ könnte die Reihe wieder richtig Fahrt aufnehmen – im August ist es soweit.

Erhältlich für: PS4, PC
Website: spacehulk-deathwing.com