Wenn unser Alltag an zu spießigen Paketdiensten zu scheitern droht, kommt ein Spiel wie Deliver At All Costs gerade recht – denn hier sind Chaos, Quatsch und totale Zerstörung keine Fehler, sondern Programm.
Das neue Action-Adventure von Far Out Games (vertrieben von Konami) entführt Spieler als abgehalfterten Kurier Winston Green ins Jahr 1959. Die Mission: Alles liefern, egal wie – und wirklich ALLES in Schutt und Asche legen, wenn's sein muss. Klingt spaßig? Ist es auch!
Von „We Deliver“ zum Ausnahmezustand
Die Geschichte spielt in drei offen begehbaren Städten an der US-Westküste: St. Monique (Inselparadies), Shellington Falls (verschlafenes Outback-Städtchen) und das riesige New Reed. Eingerahmt wird das Paketchaos von einer absurden Mischung aus Atomparanoia, Rock ’n’ Roll und Pastellkulissen. Man übernimmt als Winston Green, Ex-Ingenieur der Atomenergiekommission, einen Job bei „We Deliver“ – einem chaotischen Kurierunternehmen
Was als schräge Arbeitsplatzkomödie beginnt, eskaliert bald in eine Sci-Fi-Story mit Firmenkonsipration, Zeitreisen und dem ein oder anderen Alien-Energieobjekt. So abgedreht die Story ist, sie bleibt gelegentlich fragmentarisch und gibt dem Spiel mehr Flair als echten erzählerischen Tiefgang. Aber das macht aus meiner Sicht auch nichts.
Der Zerstörungsexpress rollt
Die Grundidee ist einfach: Pakete liefern, egal was kommt. In der Praxis heißt das, mit Winstons legendärem Pickup die Städte zu durchqueren – und dabei alles, wirklich alles, zu Schutt und Asche zu fahren. Praktisch jede Wand, jeder Zaun, jedes Geschäft und oft auch ganze Häuser lassen sich wie Kartenhäuser niederwalzen. Das Zerstörungsmodell erinnert an kleine Open-World-Experimente à la GTA oder Crackdown und belohnt Puristen wie Chaoten gleichermaßen: Die Städte wirken wie ein riesiger Spielplatz, deren Umgebung sich fast vollständig plätten lässt.
Ganz nach dem Motto: Statt gezielt zu liefern, darf auch einmal die Stadt zu Kleinholz verarbeitet werden – zur Belustigung, nicht zur Belohnung. Die Polizei bekommt gern Wind vom Treiben, und wirbelt hinterher; abschütteln lässt sie sich mit absurden Methoden wie einem Sprung in den nächsten Müllcontainer, bis Alltag wieder einkehrt. Ja, hier muss man schon grinsen.
Besondere Würze bringen die skurrilen Lieferungen: Mal liegt ein riesiger Marlin im Heck, mal rollt ein radioaktiv getriebener Seismograph mit, mal muss ein explodierendes Fass oder ein Ballonbouquet heil ans Ziel kommen. Jede Mission bringt neue Gimmicks, teils knackige Hindernisse, und eine Prise Mini-Puzzle mit – Chaos und Kreativität werden belohnt. Dazu lassen sich Fahrzeuge mit gefundenen Gadgets ausrüsten: Vom Kran über Airbags bis zur Nebelhorn-Lufthupe – alles, was das kurierhafte Zerstörerherz begehrt.
Steuerung, Physik & Atmosphäre
Das Spiel präsentiert sich im charmanten 50er-Jahre-Look - was ich sehr charmant finde. Originalgetreu sind nicht nur Musik und Werbung im Radio, auch UI und Sounddesign spiegeln das Jahrzehnt voller Hoffnung und Paranoia treffend wider.
Steuerung und Fahrgefühl sind hingegen etwas schwankend: Der Wagen ist praktisch unzerstörbar, springt wieder auf die Räder, wenn er sich überschlägt, und kann jederzeit mit einem Tastendruck repariert werden. Das ist zwar echt spaßig, nimmt der Action aber auf Dauer die Herausforderung.
Technisch sehr unterhaltsam ist die Physik der Zerstörung: Ob aquatische Speziallieferungen, explodierende Fässer oder Häuser, die mit einem gezielten Ruck zu Staub werden – das Chaos ist meist spektakulär. Schwächen offenbaren sich aber in der „Gewichtslosigkeit“ und dem teilweise geringen Widerstand der Umgebung. Manchmal fühlt es sich an, als fahre man durch Pappmaché und nicht durch eine echte Stadt. Ja, hier will meine Zerstörungswut noch mehr erleben.
Langzeitmotivation
Anfangs macht Deliver At All Costs richtig Laune: Die Kombination aus anarchischer Aktion, totaler Zerstörbarkeit und irrsinnigen Liefermissionen sorgt für viel Gelächter und kurzweiligen Spielspaß. Leider nutzt sich das Spektakel im Verlauf dann etwas ab: Weder wird der Zerstörungswut ein sinnvoller Rahmen gesetzt, noch entwickelt die Story echte Sogkraft. Es gibt wenig Anreiz, besonders kreativ vorzugehen oder levelübergreifend besser zu werden – alles ist auf kurzfristige Belustigung ausgelegt.
Kleine Frustmomente können durch hakelige Steuerung oder besonders chaotische Speziallieferungen auftreten, meist aber bleibt es spaßig statt nervig. Die Welt bietet viel zum Ausprobieren, von zahlreichen Fahrzeugen bis zu versteckten Nebenmissionen, aber irgendwann kennt man alle Schikanen.
Fazit: Pure Zerstörungsfreude trifft 50s-Charme
Deliver At All Costs ist herrlich irre und ein Fest für Fans totaler Zerstörung: Mit ständig neuen, absurden Lieferaufträgen, schrägen Charakteren, wunderbar detaillierten 50er-Jahre-Städten und vor allem einer Physikspielwiese aus Chaos und Krawall hebt das Spiel kurzzeitig die Laune. Wer sich nicht an der etwas beliebigen Storyline und fehlenden Progression stört, bekommt ein unbeschwertes Spaßpaket, bei dem schon das erste Durchbrechen einer Hauswand zum Aha-Erlebnis wird.
Erhältlich für: PS, Xbox, PC
Webseite: konami.com/games/eu/de/products/deliver_at_all_costs