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Demonschool

Taktik-Horror zwischen Stundenplan und Höllentor.

Demonschool wirkt auf den ersten Blick wie eine schräge Mischung aus Persona, Tactics Ogre und italienischem Giallo-Horror – und genau das versucht es auch zu sein. Seid ihr bereit für den etwas anderen Stundenplan?

Übernatürlicher Schulunterricht

Als Studentin Faye landest du auf einer seltsamen Insel-Uni, an der sich neben überforderten Dozenten und schrägen Kommilitonen auch Dämonen herumtreiben, die lieber die Realität auffressen würden, als sich in die Vorlesung zu setzen. Das ist schon mal eine spannende Ausgangslage.

Der Ton ist bewusst überdreht: Gangsterbanden regieren Teile der Insel, Lehrer instrumentalisieren ihre Schüler, Mitschüler verschwinden spurlos, und ihr stolpert mit deinem bunt zusammengewürfelten Trupp durch eine „Killing School Life“-Geschichte, die gleichermaßen absurd, blutig und irgendwie sympathisch ist.

Taktik als Plansequenz

Das Herzstück von Demonschool ist sein rundenbasiertes Kampfsystem, das eher wie das Durchplanen einer Choreografie funktioniert als wie klassisches „Figur reinziehen, Taste drücken“. Es ist etwas schwer zu erklären, aber ich versuche es mal.

Jede Schlacht läuft in zwei Phasen ab: Zuerst plant ihr auf einem kompakten Grid die Aktionen eurer vierköpfigen Gruppe komplett durch, schiebt sie über das Feld, legt Angriffe fest, positioniert Pushs und Kombos. Dann drückt ihr auf „Play“ – und seht in einer gemeinsamen Bewegung, wie der ganze Ablauf sich in einer einzigen Sequenz auflöst, bevor die Dämonen ihren Gegenzug haben. Coole Idee.

Ein Leckerbissen für Taktiker

Das klingt abstrakt, fühlt sich aber schnell fantastisch an. Positionierung ist alles: Ein Schlag treibt einen Feind in den Wirkbereich eines Verbündeten, ein Tritt schubst Gegner in Abgründe oder Fallen, Stuns und Knockbacks erzeugen Dominoeffekte, mit denen ihr halbe Dämonenarmeen in einer sauberen Kette abräumen könnt.

Besonders gelungen: Während der Planungsphase könnt ihr jederzeit zurückspulen, Routings ändern und ausprobieren, bis sich alles „richtig“ anfühlt – das Spiel bestraft Experimentierfreude nicht, sondern lädt regelrecht dazu ein.

Alles im Blick

Die Schlachtfelder bleiben bewusst klein und übersichtlich, was die Züge schnell und fokussiert hält. Die Kehrseite: Im späteren Spielverlauf habt ihr buchstäblich Hunderte Gefechte gesehen. Soll heißen, dass sich Standardkämpfe irgendwann wiederholen, wenn das Spiel euch nicht gerade einen Boss oder neue Gegnermechaniken vorwirft.

Wer Kämpfe als knifflige Rätsel liebt, bleibt trotzdem lange motiviert, wer mehr Abwechslung bei Missionszielen erwartet, könnte zum Ende hin etwas Taktik-Müdigkeit spüren.

Stundenplan, Freundschaften und Leerlauf

Zwischen den Kämpfen lebt Demonschool vom Schulalltag: Ihr plant eure Woche mit einem Kalender, belegt Vorlesungen, hängt mit Freunden ab, geht Nebenquests nach und nehmt an Mini-Spielen teil.

Diese Social-Zeit ist nicht nur Dekoration – Beziehungen schalten neue Fähigkeiten, passive Boni oder Skills frei, die ihr in der Taktik nutzen könnt, etwa stärkere Kombos mit Figuren, die gut miteinander klar kommen, oder zusätzliche Support-Fähigkeiten.

Stilistisch funktioniert das großartig: Die Dialoge sind meist pointiert, der Humor mal trocken, mal herrlich drüber, und die Figuren wirken bewusst karikaturesk, ohne komplett zu Pappaufstellern zu verkommen.

Gleichzeitig erreicht das Worldbuilding im Vergleich zu seinen offensichtlichen Vorbildern – Persona, Devil Summoner & Co. – nicht ganz die gleiche Tiefe: Beziehungen bleiben eher leichtgewichtig, Entscheidungen sind selten wirklich einschneidend, und der Schulalltag ist mehr Bühne als vollwertiges Lebenssim-System.

Giallo-Horror im Pixelkostüm

Optisch ist Demonschool ein Highlight. Necrosoft setzt auf hochstilisierten 2D/3D-Mix: grobe, ausdrucksstarke Sprites vor pseudo-isometrischen Szenen, harte Farbakzente, viel Lila, Neon und Schatten, dazu Kamerawinkel, die deutlich vom italienischen Horror- und Exploitationkino der 70er inspiriert sind.

In Menüs, Dialogen und Kämpfen bleibt der Stil konsequent, was dem Spiel ein sehr klares visuelles Profil gibt – man erkennt einen Demonschool-Screenshot auf den ersten Blick.

Fazit: Taktik-Perle mit Stil und Ecken

Demonschool ist ein ausgesprochen eigenwilliges Taktik-RPG, das sich seine Einflüsse – Persona, Devil Summoner, klassische SRPGs – deutlich anschaut, dann aber mutig eigene Wege geht. Das Plan-und-Play-Kampfsystem gehört zu den spannendsten taktischen Ideen der letzten Jahre, vor allem, weil es Kämpfe wie kleine, überschaubare Logikrätsel wirken lässt, ohne in Zahlentabellen zu ersticken. Die Präsentation ist fantastisch stilvoll, der Soundtrack trägt viel zur Atmosphäre bei, und die schräge Schulhorror-Premisse sorgt für einen Ton, den man so nicht oft sieht. Demgegenüber steht die Story: Wer in erster Linie wegen narrativer Tiefe kommt, sollte Erwartungen etwas drosseln. Wer aber Lust auf ein taktisches Spiel mit viel Charakter, ungewöhnlichem Stil und einem Kampfsystem hat, das ständig kleine „Aha!“-Momente produziert, findet in Demonschool ein sehr empfehlenswertes Semester in der Dämonenfakultät.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch 
Webseite: necrosoftgames.com/demonschool