Wenn die Hölle nach verbrannten Saiten, dämonischem Bühnennebel und infernalischem Gitarrenfeedback klingt, dann ist man ziemlich genau dort angekommen, wo Devil Jam spielen will.
Das Action-Roguelite von Rogueside wirft uns in eine finstere Unterwelt, lässt uns mit verfluchten Instrumenten, automatischen Angriffen und immer neuen Upgrades gegen Monsterhorden antreten und verbindet diesen Kern mit einer auffällig starken Metal-Ästhetik.
Bekannt, aber doch anders
Schon nach den ersten Minuten wird klar, dass Devil Jam nicht einfach nur ein weiterer Vertreter der inzwischen sehr gut gefüllten Survivors-Schule sein möchte. Natürlich sind die Grundpfeiler vertraut: Gegnerwellen rücken unaufhörlich an, Erfahrungspunkte füllen die Leiste, neue Fähigkeiten verändern den Build und mit jedem Lauf hofft man auf genau die Kombination, die aus einem wackeligen Start einen zerstörerischen Siegeszug macht.
Der Unterschied liegt hier vor allem in der Verpackung — und die hat es durchaus in sich. Was ich damit meine, erkläre ich euch gerne in den kommenden Textabschnitten.
Stil mit Wiedererkennungswert
Die größte Stärke von Devil Jam ist seine Präsentation. Das Spiel setzt auf handgezeichnete Figuren, düstere Schauplätze und eine Bildsprache, die den Höllentrip wie ein dämonisches Albumcover in Bewegung wirken lässt.
Untermalt wird das von einem Soundtrack, der das Geschehen nicht bloß begleitet, sondern regelrecht antreibt, während auch die allgemeine Inszenierung und das Voice-Acting positiv hervorgehoben werden darf.
Kenn ich das irgendwoher?
Gerade dieser Mix aus Stilbewusstsein, Unterwelt-Setting und markanter Figurenzeichnung hat mich stellenweise durchaus an Hades erinnert. Nicht, weil Devil Jam dessen Aufbau einfach kopiert, sondern weil einige Abschnitte und das gesamte Setting eine ähnliche Mischung aus Comic-Eleganz, mythischer Überhöhung und cool inszenierter Höllenreise erzeugen.
Das ist ein Kompliment, auch wenn Supergiants Klassenprimus bei Rhythmus, Dialogschärfe und spielerischer Präzision weiterhin außer Reichweite bleibt.
Mehr als nur Ausweichen
Spielerisch funktioniert Devil Jam im Kern genau so direkt, wie man es sich in diesem Genre wünscht. Die Figur bewegt sich flott über die Karte, Angriffe laufen automatisch ab und der eigentliche Reiz entsteht aus der permanenten Entscheidung, welche Upgrades den Build jetzt am stärksten nach vorne bringen.
Aus dem soliden Fundament ragt vor allem das Inventarsystem heraus: Waffen und Fähigkeiten werden in einem 4x3-Raster angeordnet, wodurch Positionierung und Kombinationen stärker in den Mittelpunkt rücken als bei vielen Genre-Kollegen.
Diese Idee ist mehr als nur ein optischer Gag. Das Grid-System sorgt dafür, dass man seine Ausrüstung nicht einfach nur einsammelt, sondern aktiv zusammenbaut, um Synergien herauszukitzeln und aus zunächst harmlosen Fähigkeiten ein kleines Inferno zu machen.
Genau darin liegt aber auch ein Teil des Problems: Was auf dem Papier clever klingt, wirkt in der Praxis nicht immer gleich elegant, weil manche Kombinationen vom Zufall abhängen und einzelne Läufe dadurch eher eingeschränkt als spannend wirken können.
Zwischen Sog und Leerlauf
Wenn Devil Jam ins Rollen kommt, entfaltet es einen angenehmen Flow. Dann tanzt man förmlich durch Gegnerhorden, stapelt Schadenseffekte übereinander und hat das schöne Gefühl, einen anfangs fragilen Build Schritt für Schritt in eine dämonische Massenvernichtungsmaschine zu verwandeln. Dieser Loop trägt das Spiel zuverlässig über viele Runs hinweg.
Ganz ohne Brüche bleibt das Ganze aber nicht. Die Progression ist nicht immer sauber austariert, manche Bosskämpfe ziehe. spürbar an und die Langzeitmotivation kann früher abflachen, als man es sich von einem starken Roguelite wünscht.
Fazit
Devil Jam ist ein stylischer, selbstbewusster Survivors-like, der sein stärkstes Argument nicht nur im Spielprinzip, sondern vor allem in seiner Atmosphäre findet. Die Metal-Hölle, das markante Art-Design und die gute Grundidee mit dem Grid-Inventar sorgen dafür, dass das Spiel aus der Masse herausragt, selbst wenn es spielerisch nicht jede seiner Ambitionen vollständig einlöst.
Unterm Strich ist das kein Genre-Meilenstein, aber ein bemerkenswert eigenständiger Vertreter, der deutlich mehr Persönlichkeit besitzt als viele seiner direkten Konkurrenten. Wer auf actionreiche Roguelites steht, mit düsterer Ästhetik etwas anfangen kann und sich an einer Prise Hades-Gefühl im Setting nicht stört, sollte Devil Jam im Auge behalten.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: rogueside.com/devil-jam