Über das Fehlen der großen Publisher will ich gar nicht lange reden. Die gamescom 2022 war die große Chance für kleinere Publisher, um aus dem Schatten zu treten. Und nicht nur Spiele haben es mir diesmal angetan. Hier eine Liste von fünf spannenden Besuchen auf der gamescom, die mich positiv überrascht haben.
Shadow PC
Es hörte sich etwas mysteriös an, als wir unseren Termin bei Shadow PC hatten. Was genau steckt dahinter? Das französische Team zeigte uns, wie zocken oder arbeiten in Zukunft laufen könnte. Ähnlich wie bei Streaming-Diensten á la Netflix, Disney+ oder Amazon Prime geht ihr hier eine Mitgliedschaft ein. Was ihr dafür bekommt? Einen High-End-PC für jede Gelegenheit. Ihr könnt eure Daten auf jedem Endgerät mit Internetanschluss eingeben und landet dann auf eurem persönlichen Desktop. Ob auf Smartphone, Tablet oder eurem alten PC verfügt ihr dann plötzlich über die Leistung einer High-End-Maschine. Ihr könnt damit arbeiten wie mit jedem anderen Rechner – nur, dass ihr immer die neuste Hardware habt. Wir fanden: Eine ziemlich coole Sache, die auch durch niedrige Latenz bei Spielen sehr überzeugt. Da steckt Zukunft drin.
Modus Games
Spätestens seit dem letzten Besuch auf der gamescom weiß ich, dass ich Modus Games im Blick behalten sollte. Der Publisher und Spieleentwickler hat einige sehr interessante Titel im Aufgebot, die ein breites Spektrum abdecken. Persönlich war mein Highlight die Präsentation von Teslagrad 2: In dem bunten Puzzle-Plattformer seid ihr die Herrscherin über Elektrizität. Mit Geschick, aber auch Grips müsst ihr die Level und Gegner meistern. Ein kleines, cooles Detail: Anstatt zu schwimmen, könnt ihr euch in Teslagrad 2 einfach in einen Funken verwandeln, der über die Oberfläche gleitet – und auch Wasserfälle emporklettert. Neben Teslagrad 2 gab es aber auch familienfreundliche Unterhaltung in Form von Kukoos Lost Pets. Dieser 3D-Plattformer aus Brasilien setzt auf knuffige Figuren und bunte Action. Jedes der Tierchen, das ihr hier spielen könnt, bringt seine eigene Fähigkeit mit. Kann spannend werden. Worauf ich mich aber auch freue: Afterimage. Das wunderschöne, handgemalte 2D-Metroidvania erinnerte mich auf den ersten Blick an die beiden Ori-Spiele. Mit einer tapferen Kriegerin geht ihr hier auf Monsterjagd und verbessert euch Stück für Stück, um neue Winkel dieses Universums freizuschalten – genau mein Ding. Ich kann es kaum erwarten, selbst in Afterimage reinzuspielen.
Daedalic
Eigentlich war mir Daedalic immer als Entwickler von klasse Adventures im Kopf. Bald steht bei dem deutschen Publisher auch eine Umsetzung von Gollum auf dem Plan. Doch ich war zu zwei anderen Präsentationen eingeladen, die ich bei normalem gamescom-Betrieb sicher verpasst hätte. Meinen ersten Termin hatte ich zu Destroyer: The U-Boat Hunter. Wie der Titel schon sagt, müsst ihr hier auf U-Boot-Jagd im Zweiten Weltkrieg gehen. Dabei haben die Entwickler präzise auf Authentizität geachtet. Jedes noch so kleinste Detail, das ihr auf eurem Schlachtschiff findet, gibt es in der Realität. Anfangs war ich überwältigt von der scheinbaren Komplexität. Doch nach 30 Minuten war ich tief drin in der Materie und gefesselt – was ich nie von mir gedacht hätte. Ein Test dazu wird schon bald folgen. Meine zweite Überraschung bekam ich beim Besuch von Potion Tycoon. Hier sollt ihr eine Alchemie-Schmiede in einem Fantasy-Reich zu Ruhm und Ehre führen. Ihr müsst Tränke selbst herstellen und diese auch verkaufen. Die Mischung aus Wirtschaftssimulation, experimentellem Brauen und Humor traf bei mir genau ins Schwarze. Potion Tycoon hat das Potenzial, um mich über Wochen zu unterhalten.
Floodland
Die Welt nach der Klimakatastrophe: Die Meere sind hochgegangen, das meiste Land unter Wasser. So präsentiert uns Ravenscourt den Anfang dieser Survival-Simulation. Die Zivilisation, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Ihr müsst einfach überleben und dabei vielleicht eine neue Sozialordnung herstellen. Dabei beginnt ihr auf einem zufallsgenerierten Eiland, sammelt Ressourcen, geht auf Erkundungstour und baut kleine Gebäude. Je mehr Überlebende sich euch anschließen, desto größere Gebiete könnt ihr besetzen und entsprechend neue Gebäude bauen. Neben der wirklich traumhaften Comic-Grafik sind es die Entscheidungen, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Immer wieder stellt euch Floodland vor harte Entscheidungen, bei denen es kein richtig oder falsch gibt. Ein kleines Beispiel gefällig? Ihr erwischt zwei eurer Kommunenmitglieder beim Streiten um ein Mittagessen. Nun sollt ihr entscheiden, wer es bekommt oder ob beide leer ausgehen. Ich wollte beide bestrafen, was leider zum Tod der zwei geführt hat – das hat mich getroffen. Und es war nur der Anfang eines spannenden Spielkonzepts. Ende des Jahres soll der Release sein.
Goat Simulator 3
Auf die Frage, was eigentlich mit Goat Simulator 2 geschehen ist oder ob ich es irgendwie verpasst hatte, kam von den Entwickler prompt eine Antwort: „Als wir Goat Simulator entwickelt haben, träumten wir von einer Trilogie. Aber wenn man nach sechs Jahren noch keinen zweiten Teil entwickelt hat, lachen die Leute. Also kamen wir direkt mit Teil 3 auf den Markt und haben damit unsere Trilogie.“ Logisch, oder? Genauso verrückt wie die Antwort ist dann auch das finale Ergebnis. In Goat Simulator 3 dürft ihr nun mit bis zu vier Ziegen gleichzeitig die Stadt und das Land unsicher machen. Chaos steht auf der Tageskarte. Ob ihr nun Aufgaben erfüllt oder einfach Zerstörung bringt, ist euch überlassen. Jedenfalls ist es eines der durchgeknalltesten Spiele, die ich auf der gamescom erleben durfte.