Ich hatte bei Directive 8020 zuerst das Gefühl, dass es mich eher einschläfert als erschreckt. Dann stand ich im Bauch des Raumschiffs, hörte nur noch metallische Wände, leises Atmen und ein paar verdächtig lange Pausen im Funkverkehr — und plötzlich war ich drin in diesem Sci-Fi-Horrortrip. Genau in solchen Momenten zeigt Supermassive Games, warum die Reihe immer noch funktioniert: Das Spiel baut Spannung nicht mit Krawall auf, sondern mit Misstrauen. Das hatte ich schon auf der gamescom bemerkt.
Im All wird’s eng
Die Grundidee ist klassisch, aber stark. Die Cassiopeia fliegt Richtung Tau Ceti f, die Erde liegt auf der Intensivstation, und dann kippt alles durch einen Unfall in einen Albtraum aus Isolation, Notlandung und einer nicht gerade freundlich gesinnten Lebensform. Das erinnert natürlich an Alien und Das Ding aus einer anderen Welt, und ja, diese Einflüsse sind oft offen sichtbar. Trotzdem funktioniert das Setting, weil es Supermassive ziemlich gut schafft, aus bekannten Motiven eine eigene Paranoia-Stimmung zu destillieren.
Ich möchte besonders betonen, dass der Horror hier nicht nur aus Jump Scares im Dunkeln kommt. Viel stärker ist dieses ständige Gefühl, dass ihr niemandem trauen könnt. Genau daraus bezieht Directive 8020 seinen besten Nervenkitzel.
Weniger Film, mehr Spiel
Im Vergleich zu älteren Dark-Pictures-Teilen greift das Spiel stärker selbst ins Gameplay ein. Es gibt mehr Stealth, weniger reine Schaulauf-Passagen und insgesamt einen direkteren Survival-Charakter. Das ist für mich gleichzeitig die mutigste und die umstrittenste Entscheidung.
Mutig, weil das Spiel euch tatsächlich öfter handeln lässt, statt nur zuzusehen. Umstritten, weil die Schleichpassagen nicht immer die Tiefe haben, die sie brauchen. Am Anfang erzeugen sie Spannung, später wirken sie stellenweise eher wie Pflichtprogramm. Ich verstehe beide Seiten: Ja, das bringt mehr Spielgefühl. Aber nein, jede dieser Passagen ist nicht automatisch spannend.
Entscheidungen mit Gewicht
Was ich an Directive 8020 wirklich gelungen finde, ist der Umgang mit Entscheidungen. Supermassive bleibt seiner Formel treu, aber die Wendepunkte und Folgen fühlen sich etwas flüssiger und klarer an als früher. Das hilft dem Spiel enorm, weil die Geschichte dadurch trotz ihrer Sci-Fi-Vertracktheit nicht auseinanderfällt.
Der Clou ist, dass eure Wahl nicht nur den Plot verändert, sondern auch direkt den Zustand der Crew beeinflusst. Das macht das Ganze intensiver, weil Fehler sichtbarer bleiben und kleine Folgen später wieder auftauchen. Ich mag solche Systeme, wenn sie nicht bloß zum Umdrehen von Gesprächsoptionen dienen, sondern echte Nervosität erzeugen. Genau das passiert hier recht oft.
Technik und Ton
Audiovisuell ist das Spiel stark. Die Raumschiffgänge sehen sauber aus, das Monsterdesign ist unangenehm gut und die Gesichter treffen meistens den richtigen Ton zwischen Filmqualität und stiller Bedrohung. Auch der Sound trägt viel zum Erfolg bei, weil das Spiel immer wieder kleine akustische Störungen nutzt, um euch aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Aber auch im All gibt es Schattenseiten. Besonders die deutsche Synchronisation raubt dem Spiel spürbar die Energie. Ich würde deshalb klar zum englischen Original raten, wenn ihr die Atmosphäre so dicht wie möglich erleben wollt. Gerade bei so einem Spiel ist Timing in der Stimme fast so wichtig wie Timing im Gameplay.
Fazit
Directive 8020 ist für mich kein revolutionärer Neuanfang, aber ein sehr gelungener Sci-Fi-Horror-Ausflug, der die Dark-Pictures-Formel sichtbar weiterentwickelt. Ich finde besonders stark, wie gut das Spiel Paranoia, Isolation und das Misstrauen gegenüber der eigenen Crew zusammenführt.
Die Schwächen liegen auf der Hand: Die Stealth-Passagen sind nicht immer spannend genug, und manche Serienfans vermissen die lockereren, eher filmischen Elemente der älteren Teile. Trotzdem bleibt bei mir klar der Eindruck hängen, dass Supermassive hier einen der besten und reifsten Teile der Reihe gebaut hat - auch wenn andere das nicht so sehen.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Webseite: thedarkpictures.com/games/directive-8020