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Dissidia Final Fantasy NT

Die Japaner lieben Reizüberflutung: Schaut euch dieses Spiel an und lernt – da soll noch jemand behaupten, dass Deutschland ein Schilderwald wäre.

Vor dem Start dieses Spielchens wusste ich nicht so recht, was mich erwarten würde. Eigentlich hatte ich nach den paar Trailern, die ich hierzu gesehen habe, ein nettes Prügelspiel in der Form von „Dragon Ball Xenoverse“ erwartet. Doch als ich unvorbereitet ins erste Match eingetaucht bin, fand ich eine dicke Überraschung vor: Zunächst mal kämpft ihr im Dreier-Team, was für nette Kombinationsmöglichkeiten sorgt. Aber der Spielablauf unterscheidet sich dermaßen von meinen Vorstellungen, dass ich gar nicht so recht weiß, wo ich anfangen soll …

Zahlenspiele für Sadisten

Der erste Eindruck: Vor lauter Zahlen, Balken, Einblendungen und Effekten verliere ich komplett den Überblick. Bin ich etwa zu alt für diese Spiele? Oder ist das „typisch japanisch“? So oder so: Die ersten Partien vergehen, ich unterliege und habe nicht den Hauch einer Idee, warum das so ist. Wildes Drücken auf die Knöpfe hilft schon mal nicht. Es gibt also einiges zu lernen, bevor ich bei „Dissidia“ Land sehe. Zum Glück gibt es ja Tutorials, die mich nach und nach in das komplexe Kampfsystem einführen. Zugegeben: Ich habe mir echt schwergetan, um hier wirklich reinzukommen. Die Einstiegshürde für Neulinge ist wirklich nicht gerade niedrig – ich kann gut verstehen, dass da manche schon vorher das Handtuch werfen. Aber habt ihr verstanden, was auf dem Bildschirm eigentlich abgeht, macht dieses eigenwillige Stück Software richtig Spaß – vorausgesetzt ihr habt gute Freunde, mit denen ihr spielen könnt. Aber dazu kommen wir gleich.

Ja nicht nervös werden

Eins gleich vorweg – und das meine ich diesmal ziemlich ernst: Wenn ihr nur im geringsten an epileptischen Anfällen leidet beziehungsweise dafür empfänglich seid, dann macht einen Bogen um diesen Titel. Ernsthaft! Hier gibt es so viele Eindrücke auf einmal, dass einem schwindelig werden könnte – und mir teilweise auch wurde. Auf einfache Art und Weise versuche ich mal zu vermitteln, wie so eine Partie abläuft: Anstatt einfach auf euer Gegenüber einzuprügeln, bis die Lebenspunkte auf null sinken, müsst ihr hier taktisch vorgehen. Zudem gibt es neben den Lebenspunkten auch noch einen Mutwert, den ihr unbedingt im Auge behalten solltet. Jeder Spieler startet mit 1000 Mutpunkten. Trefft ihr einen Gegner mit einer Mutattacke (es gibt auch Lebenspunkte-Attacken), so steigert ihr euren eigenen Mut und der Gegner verliert seinen. Ist die Differenz dieses Wertes hoch genug, ist die Zeit gekommen, um die Lebenspunkte des Feindes anzugehen: Je höher euer Mutwert ist, umso mehr Schaden richtet ihr an. Eine Mechanik, an die ich mich länger gewöhnen musste. Aber das ist noch längst nicht alles. Es gibt noch sogenannte Ex-Fähigkeiten, von denen jede der rund 30 verschiedenen Figuren ihre eigenen mitbringt. Dadurch können eure Mitstreiter gestärkt, geheilt oder beschützt werden, wenn ihr die Ex-Fähigkeiten einsetzt. Die Kombination der unterschiedlichen Charaktere führt dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen. Grundsätzlich gibt es aber vier verschiedene Klassen, in die sich die Figuren einteilen: Frontkämpfer, Fernkämpfer, Assassine und Spezialist. Jede Klasse hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Damit ist aber immer noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht.

Riesige Freunde mit Knalleffekt

Wer das „Final Fantasy“-Universum kennt, der weiß auch, dass dort mächtige Wesen namens Espen eine gewaltige Rolle spielen. Natürlich treten diese übergroßen Viecher auch hier auf. Vor jedem Kampf könnt ihr entscheiden, welche dieser Espen auf eurer Seite kämpfen soll. Während des Kampfes tauchen dann zufällig hier und da Beschwörungskerne auf, die ihr zerstören könnt. Mit etwas Glück taucht dann euer bevorzugtes Monster auf und dünnt die gegnerischen Reihen leicht aus – spektakulär in Szene gesetzt natürlich. All das, was ich nun über den Spielablauf in Kurzform beschrieben habe, findet sich letztlich in irgendeiner Form als Balken oder Zahlenwert auf dem Bildschirm wieder. Nun kann sich jeder vorstellen, dass Europäer hier schnell einen Koller kriegen. Japaner scheinen gegen diese Art der Reizüberflutung immun zu sein. Aber so langsam habe ich tatsächlich den Dreh raus, was recht motivierend wirkt. In der Einzelspielerkampagne, wenn man das so nennen kann, da sie ein Witz ist, sammelt ihr zumindest die ersten Kampferfahrungen. Den richtigen Spaß gibt es dann online. Wie erwähnt solltet ihr ein paar Kumpels mit ins Team nehmen, damit ihr eure Taktiken besser absprechen könnt. Denn wenn jeder das macht, was er will, sind die Siegeschance nicht sonderlich hoch.

Fazit

Am Ende des Tages schwirrt mir der Kopf vor lauter Werteeinblendungen. „Dissidia“ ist definitiv nicht irgendein Kampfspiel, das man mal schnell mit Freuden zocken könnte. Hierfür braucht ihr viel Zeit zum Erlernen und dann nochmals viel Zeit, um das Ganze zu meistern. Habt ihr die sehr Hohe Einstiegshürde aber überwunden, erwartet euch ein recht unterhaltsamer Taktik-Prügler im „Final Fantasy“-Kostüm, der nicht nur Fans der Reihe erfreuen könnte. Doch bis ihr an diesen Punkt überhaupt kommt, sitzen einige eurer Kumpels sicherlich schon vor „Dragon Ball Xenoverse“ und Co.

Erhältlich für: PS 4
Website: dissidiafinalfantasynt.com