Mit Dragon Quest bin ich erst spät in Kontakt gekommen. Als die Marke Mitte der 1980er-Jahre in Japan ihr Debüt feierte, sollte es noch 20 Jahre dauern, bis sie mich erreichte. Und dennoch hat es gleich gefunkt zwischen uns. Seither freue ich mich immer, wenn ich in die Rollenspielwelt von Dragon Quest entlassen werde. Und ebenso überrascht es mich auch hier und da, wenn mich ein Spin-off der Reihe packt und fesselt. Nun steht mit Infinity Strash genau ein solcher Spin-off an. Ich lasse mich gerne überraschen.
Ableger, die mich packen
Eine kleine Geschichte muss ich noch loswerden. Damals als Dragon Quest Builder erschien, dachte ich mir, was das jetzt soll. Wieso verschmelzen hier Dragon Quest und Minecraft miteinander? Kann das gutgehen? Oh ja, es ging gut. Mich hat das Konzept Tage und Wochen vor dem Bildschirm gefesselt. Meine Skepsis war also völlig unbegründet. Dennoch war ich beim ersten Blick auf Infinity Strash ebenso skeptisch wie damals. Denn die ersten Bilder konnte ich gar nicht so recht einordnen.
Heute weiß ich: Auch hier war meine Skepsis nicht notwendig. Denn Dragon Quest: Infinity Strash ist ein actionreicher Spin-off, der keinerlei Kenntnis der Reihe voraussetzt und dennoch Spaß macht. An die Stelle von rundenbasierten Kämpfen rücken hier allerdings Auseinandersetzungen in Echtzeit und vielen Effekten. Das nur mal vorweg. Und genau dieses Spielkonzept hat mir richtig gut gefallen.
Doppelte Rettung?
Kurz zur Story: Die Welt in Dragon Quest: Infinity Strash teilte sich in drei Fraktionen auf. Finsterlinge, Menschen und Drachen wahrten immer eine Balance in dieser Welt. Sollte eine Partei jedoch mehr wollen, gibt es eine göttliche Intervention. Diese sieht so aus, dass ein Wesen, das die Stärke aller drei Fraktionen vereint, auf die Erde geschickt wird. Sein Name ist der Drachenritter, der Stärke, Intelligenz und Magie zu seinen Talenten zählt. Die Geschichte von Infinity Strash beginnt mit dem Drachenritter Baran, der in einer ungewöhnlichen Situation ist: Er steht dem sehr jungen Dai gegenüber, der anscheinend ebenfalls ein Drachenritter ist – was eigentlich nicht möglich wäre. Ein spannender Einstieg.
In der Haut von Dai kämpft ihr direkt zu Beginn gegen Baran und lernt dabei die Grundlagen der Steuerung. Alles fühlt sich sehr actionreich an und erinnert an einen 3D-Brawler oder Arena-Kampfspiele wie Dragonball oder One Punch Man. Jedenfalls bin ich das von Dragon Quest nicht gewohnt, fühlt sich aber gut an. Die Kombi aus schnellen und langsamen Angriffen zaubert bereits einige Effekte auf den Bildschirm. Nutzt ihr dann noch eure Fähigkeiten, wird es gleich bunter. Mit den Spezial-Attacken kommt Anime-Feeling wie in einer Trickserie auf. Das Ganze ist aber nichts für Leute mit Epilepsie.
Ein Blackout mit Folgen
Ohne zu viel zu verraten: Der Kampf nimmt eine ungeahnte Wendung und Dai verliert sämtliche Erinnerungen. In Rückblicken müsst ihr nun Stück für Stück nachspielen, wie Dai in diese Situation geraten ist. Ein netter Ansatz, der einen schönen Story-Bogen spannt. Denn plötzlich landen wir ein paar Jahre in der Vergangenheit, zu einer Zeit, in der Dai noch nichts von seinen Fähigkeiten wusste. Wir bekommen die Charaktere rund um Dai genauer vorgestellt und tauchen langsam in die Story ein, die immer mit einer Prise Wahnsinn und Humor präsentiert wird. Mir gefällt's.
Spielerisch bietet Dragon Quest: Infinity Strash kleine in sich abgeschlossene Missionen pro Kapitel. Jede Mission dürft ihr so oft wiederholen, wie ihr wollt – Stichwort Grinding, um sich auf starke Gegner vorzubereiten. Die Missionen bringen beim ersten Mal besondere Abschluss-Geschenke, wie Vorräte oder Verstärkungen. Zudem bekommt ihr immer Erfahrungspunkte – ganz egal, wie oft ihr eine Mission meistert. Die Geschenke gibt es hingegen nur einmal.
Kleine Unterhaltungshappen
Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Arten von Missionen, wenn man das so nennen mag. Da wären die Erzähl-Missionen, in denen ihr euch zurücklehnen könnt, um die Geschichte zu genießen. Dann wären da noch die Haupt- und die Neben-Missionen. Beide verlaufen ähnlich ab: Ihr bekommt eine Aufgabe, die meist darin besteht, einen oder mehrere Gegner zu besiegen. Neben-Missionen sind rein optional, lohnen sich durch die Beute aber meist. Eine Mission dauert nie länger als zehn Minuten, was ganz angenehm ist. Aber kommen wir mal zum genauen Ablauf.
Vor einer Mission wählt ihr eure Truppe aus, was zu Beginn natürlich stark beschränkt ist. Bei jedem Truppenmitglied wählt ihr anschließend die Ausrüstung, Talente und Bunderinnerungen aus. Letztere sind eine Art passive Verstärkung bestimmter Werte oder Fähigkeiten. Erhaltet beispielsweise mehr Stärke, Magie oder Lebenspunkte. Praktische Sache. Einige dieser Erinnerungen geben in Kombination noch zusätzliche Boni. Also probiert ruhig mal verschiedene Kombinationen aus. Die Fähigkeiten werden im Lauf der Geschichte kontinuierlich erweitert und ihr entscheidet, welcher Skill euren Stil am ehesten trifft. Das bringt einen individuellen Touch ins Spiel.
Ein Spiel mit Charakter(en)
Ein Glück, dass Dragon Quest: Infinity Strash einige interessante Charaktere bietet. Ich fand bereits Popp, unseren ersten Mitstreiter, erfrischend anders als Dai. Denn als reiner Magier bleibt er im Hintergrund und unterstützt Dai mit magischen Geschossen oder Elementarzaubern. Übrigens: Eure Begleiter verhalten sich angenehm intelligent, wenn ihr spielt. Sie teilen gut aus und unterstützen euch sehr gut. Innerhalb der Levels wechselt ihr auf Wunsch jederzeit zwischen den Charakteren hin und her. Also keine Sorge, wenn ihr mal mit einer Figur nicht so zurechtkommt.
Grafisch zaubert Infinity Strash ein sehr schönes, lebendiges Anime auf den Bildschirm. Viele Zwischensequenzen sind herrlich animiert, auch wenn die meisten in leicht animierten Standbildern erzählt werden. Während der Missionen sticht natürlich der eigenwillige Comic-Stil von Dragon Quest hervor. Soll heißen: Die Monster sehen eher niedlich als gefährlich aus. Mir sagt diese Optik definitiv zu. Und damit wären wir beim …
Fazit
Dragon Quest: Infinity Strash hat mich nach den beiden Builders-Ablegern der Reihe eins gelehrt: Wenn Dragon Quest ein Spin-off anbietet, sollte ich unbedingt reinschauen. Denn auch Infinity Strash hat mich wirklich sehr überrascht in Sachen Gameplay und Story. Beides überzeugte mich von Beginn an. Kurze Missionen, knackige Steuerung und sehr viel übertriebene Anime-Action. Wer darauf Lust hat, sollte unbedingt in diesen Titel reinschauen. Meine Empfehlung hat das Spiel jedenfalls.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Website: dragonquest.square-enix-games.com/games/de/infinity-strash