DRAGON QUEST VII Reimagined ist genau die Art Neuinterpretation, die einem alten JRPG-Brocken das Gewicht von den Schultern nimmt, ohne seine Seele zu verlieren. Statt euch mit PS1-Kantenoptik und zähem Einstieg zu quälen, verpackt das Remake die Zeitreisegeschichte in einen liebevoll gestalteten Chibi-Look, der aussieht, als würde man in einem kleinen, lebendigen Diorama spazieren gehen. Kommt mit auf eine spannende Reise!
Ein Diorama, in dem man wohnen möchte
Optisch ist das Spiel ein ziemlicher Traum, wenn man etwas mit stilisierter Fantasy anfangen kann. Figuren, Monster und Gebäude wirken wie handgefertigte Miniaturen, die jemand mit viel Geduld in einer Glasvitrine arrangiert hat – nur dass ihr mittendurch lauft.
Die Kamera schwenkt über kleine Inseln, Dörfer und Dungeons, die wirken, als hätte Square Enix seine HD 2D-Ästhetik genommen und sie in ein plastischeres, fast schon Spielzeug-artiges Chibi-Format gegossen. Also mich hat das direkt angesprochen.
Die Designs bleiben dabei klar Dragon Quest: vertraute Monster, ikonische Rüstungen, knuffige NPCs – alles wirkt warm, bunt und einladend. Gerade weil die Story immer wieder in tragische, melancholische Vignetten abdriftet, tut dieser freundliche Look gut und sorgt für eine angenehme Balance zwischen Märchen und Drama. Eine echt gute Idee.
Viele kleine Geschichten, ein langer Atem
Inhaltlich bleibt Reimagined sehr nah am Original: Ihr startet als Fischer-Sohn auf Estard, stolpert in den Schrein der Geheimnisse, reist in die Vergangenheit, rettet versiegelte Länder und seht, wie sich die Gegenwart dadurch verändert.
Die große Rahmenhandlung gliedert sich in viele kurze, eigenständige Episoden – jede Insel bringt ihre eigene Mini-Story mit eigenem Drama, eigenen Figuren und einem klaren Abschluss. Es ist also nicht nur eine umfassende Story, sondern mehrere Story-Häppchen.
Anfangs zählt Durchhaltevermögen
Die ersten Momente im Spiel können etwas träge sein, weil sehr viel geredet wird. DQVII war schon immer dialog- und textlastig, und auch die Reimagined-Version lässt euch anfangs viel mit den Bewohnern quatschen, bevor der Plot wirklich anzieht. Doch irgendwie ist das auch ganz charmant, wenn sich dadurch die Geschichte entwickelt.
Der Unterschied zu früher ist aber: Jetzt fühlt sich diese Struktur eher wie eine Sammlung kleiner, gut erzählter Kurzgeschichten an, statt wie ein zäher Vorlauf – auch weil das Remake die Story gestrafft und unnötige Umwege gekürzt hat.
Kampfsystem: Von Gemütlich bis „blitzschnell“
Wo das Original berüchtigt war, weil es gefühlt ewig bis zum ersten Kampf brauchte und danach viel Grind einforderte, wirkt Reimagined wie ein modernes Komfort-Paket. Kämpfe starten deutlich früher, und ihr bekommt einen ganzen Baukasten an Quality-of-Life-Optionen in die Hand: einstellbare Schwierigkeit, frei justierbare Kampfgeschwindigkeit (bis hin zu „blitzschnell“), Auto-Battle, Vorab-Schläge auf der Map und ein ausgesprochen großzügiges Fast-Travel-System. Ja, ihr könnt euch jederzeit teleportieren.
Besonders cool ist, wie konsequent das Spiel euren Spielfluss respektiert. Ihr könnt die Battle-Speed dauerhaft hochdrehen und so Standardkämpfe in Sekunden abhandeln, während ihr Bossen immer noch alle Zeit der Welt widmet.
Schneller ans Ziel
Schwächere Mobs lasst ihr per Feldschlag direkt platzen, was den klassischen JRPG-Grind auf angenehme Weise entstaubt. Obendrauf gibt es die neue Moonlighting-Mechanik, mit der ihr zwei Berufungen gleichzeitig ausrüsten und damit Skills, Zauber und Perks kombinieren könnt – ein modernes, flexibles Job-System, das Spät-Game-Builds richtig spannend macht.
Der Nebeneffekt all dieser Komfortfunktionen: Das Spiel ist spürbar leichter, wenn ihr die Regler nicht bewusst nach oben dreht. Heil-Statuen, automatische HP/MP-Regeneration an vielen Stellen und flexible Schwierigkeitsschalter machen klar, dass Reimagined eher „My First Dragon Quest VII“ sein soll als ein beinharter Retro-Prüfstand.
Wer das alte Gefühl von knappen Ressourcen und harten Dungeons sucht, muss an den Einstellungen schrauben – für alle anderen entsteht ein angenehm flüssiger Spielfluss, der perfekt für eine erste Begegnung mit einem JRPG passt.
Fazit: Ein freundliches Monster von einem JRPG
DRAGON QUEST VII Reimagined bleibt ein umfangreiches, episches Rollenspiel mit vielen Stunden an Inselgeschichten, Zeitreise-Spielereien und klassischem DQ-Charme – aber es packt all das in einen hübschen Chibi-Diorama-Rahmen und polstert die harten Kanten mit modernen Komfortfunktionen ab.
Die vielen Dialoge und das gemächliche Storytempo zu Beginn bleiben Geschmackssache, auch in der Neuauflage, doch die Kombination aus anpassbarem Kampftempo, komfortabler Struktur und zahlreichen QoL-Optionen macht diese Version zur zugänglichsten und spielbarsten Interpretation von Dragon Quest VII bisher.
Wenn ihr die Anthologie-artige Erzählweise und die vielen kleinen Geschichten mögt, bekommst ihr hier eine wirklich tolle Neuinterpretation: stilvoll, respektvoll gegenüber dem Original und gleichzeitig mutig genug, es zu entschlacken und an moderne Spielgewohnheiten anzupassen – genau so, wie man sich ein „Reimagined“ im Titel wünscht.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: de.store.square-enix-games.com/dragon-quest-vii-reimagined