Dragon Ruins entführt Spieler*innen zurück in eine Ära, als Dungeon-Crawler mit minimalistischem Look und klassischer Erkundungsmechanik die Rollenspielwelt prägten. Als Indie-Titel im Portfolio von Kemco setzt das Spiel auf pure Nostalgie: Schwarzweiße Linien, simple Textbilder für Feinde und ein von Hand gezeichnetes Labyrinth im trockenen Stil von Ultima oder den ganz frühen RPGs, ergänzt um Auto-Mapping und „selbstlaufende“ Kämpfe. Wer die Klassiker der 80er und 90er schätzt, findet sich sofort zurecht – alle anderen wundern sich zunächst über das reduzierte Design.
Das Abenteuer beginnt
Die Rahmenhandlung ist denkbar simpel: Im Königreich Isigwere ruft Königin Elisaria Abenteurer, um einen Drachen in neu entdeckten Ruinen zu besiegen. Der Auftrag gibt die Richtung vor, ohne große Ausschmückung. Für mich reicht das allerdings auch schon, um hier anzufangen.
Spieler:innen stellen eine Gruppe aus vier Helden zusammen – von Ritter, Brawler, Archer bis Mage stehen zwölf Klassen bereit. Die vordere Reihe kämpft direkt, die hintere unterstützt; richtige Kombinationen erleichtern den Durchlauf. Danach geht es direkt ins Labyrinth: Keine Tutorials, keine Story-Zwischenspiele, nur die blanke Erkundung.
Erkunden, kämpfen, looten
Im Maze bewegt sich die Gruppe per D-Pad und Schulterbuttons, mit Auto-Map als Orientierung. Jeder Schritt kann eine Monsterbegegnung auslösen. Doch Überraschung: Die Kämpfe laufen als Auto-Battler vollständig ab – zuschauen ist angesagt. Lediglich das Nachrüsten aus dem Inventar oder taktisches „Zurückziehen“ bleibt als Einflussmöglichkeit. Nach jedem Run kehren Spieler*innen zum Hub zurück, verteilen Level-Ups, kaufen neue Waffen beim Schmied und probieren erneut die gleichen Ruinen – jetzt mit stärkeren Gegnern und etwas besserer Ausrüstung.
Wiederholungen sind das Kernelement: Mit jedem Durchlauf wächst die eigene Party ein wenig, und ab Level 10 sollte der Drache schlagbar sein. Danach startet ein „harter Modus“, aber echtes New Game Plus oder Varianten gibt es kaum. Für Kurzweil sorgt die motivierende Steigerung, für Langzeitspaß fehlt jedoch überraschende Tiefe.
Ästhetische Stärken und Schwächen
Die Präsentation bleibt „pur“: Feinddarstellungen und Charakterportraits sind hübsch, ansonsten gibt es vor allem klare Linien und wenige Effekte. Der Soundtrack ist beruhigend und atmosphärisch, passt aber eher zur Retro-Sammlung als zu spannender Monsterjagd.
Wer ein minimalistisches RPG für unterwegs sucht, kann sich mit Dragon Ruins entspannen – alle anderen werden schnell von der Oberflächlichkeit und den repetitiven Mechaniken eingeholt.
Fazit: Für Nostalgiker ein netter Snack
Dragon Ruins ist ein absichtlich altmodischer Mikro-Dungeon-Crawler, der sein Genre auf das absolute Minimum reduziert. Die Auto-Kämpfe, fehlende Story und das simple Level-Design lassen Rollenspielherzen der 80er und 90er leise klopfen, liefern aber sonst wenig Substanz. Für kurze Runden im Zug oder als entspannter Idle-Clicker taugt das Spiel – wer mehr Tiefe, Entscheidungsmöglichkeiten und Abwechslung sucht, bleibt lieber bei den Klassikern oder kauft ein komplexeres RPG.
Erhältlich für: Xbox, PC, PS, Switch
Webseite: store.steampowered.com/app/2929540/Dragon_Ruins