Die Spiele von Koei Tecmo rund um Dynasty Warriors spalten grundsätzlich die Gemüter: Entweder man mag diese Art von Spielen oder überhaupt nicht. Beim Genre der Musou-Spiele heißt es oftmals: Kopf abschalten, Knöpfchen drücken und sich von den Effekten berieseln lassen, wenn man hunderte von Gegnern dem Erdboden gleich macht. Die Ableger mit dem Zusatz „Empires“ im Titel versprechen zusätzlich etwas mehr Taktik neben den Kampfszenen auf dem Schlachtfeld. Und für Dynasty Warriors 9 Empires wollen die Entwickler einen neuen Weg bestreiten.
Neue Evolutionsstufe?
Auf dem Papier hört sich das ziemlich gut an: Taktische Planung trifft auf freie Eroberung von Ländern samt den Vorzügen eines Musou-Spielchens. Spricht: Der Traum von Genre-Fans, die das 1-gegen-1000-Konzept lieben. Dynasty Warriors 9 Empires wirft uns in das asiatische Mittelalter, wo der Krieg der verschiedenen Völker tobt. In der Einzelspieler-Kampagne sucht ihr euch euren Recken aus, dessen Schicksal ihr in bessere Bahnen lenken wollt.
Von der Story her ist Dynasty Warriors 9 Empires zwar etwas klischeebeladen, aber dennoch interessant, wenn ihr euch dafür interessiert. Zudem erlebt jeder Charakter seine eigene Geschichte. Hin und wieder kreuzen sich die unterschiedlichen Erzählstränge, was auch spannend sein kann. Allerdings ist die Präsentation sehr japanisch geraten. In anderen Worten: Oftmals verstehe ich nicht so richtig, wer mit wem ein Problem hat. Das liegt größtenteils an den exotischen Namen, die ich mir einfach nicht merken kann. Aber das mag euch vielleicht anders ergehen.
Actionreicher Anfang
Gleich zum Start zeigt euch das Tutorial die ersten Schritte und die Steuerung. Dynasty Warriors Kenner werden sich schnell heimisch fühlen. Wie immer gibt es schnelle und starke Attacken, Kombos und mächtigere Angriffe, die aber einen Teil der Energieleiste kosten. Jeder Charakter hat zudem einen eigenen Spezialangriff, der auf einen Schlag dutzende Feinde durch die Luft wirbelt. Kurz gesagt: Die Kampfmechanik macht jedenfalls Laune. Das Gefühl, dass ihr ein fast unbesiegbarer Kämpfer seid, kommt bestens herüber.
Danach beginnt die Geschichte – und für mich der erste Dämpfer. Es wird viel geredet; unglaublich viel. Den Sinn verstehe ich noch nicht so recht, wage es aber auch nicht diese Szenen zu überspringen, aus Angst, dass ich was verpassen könnte. Daher freue ich mich auf die erste Schlacht – doch die soll noch lange nicht beginnen. Denn nach den unzähligen Gesprächen lande ich beim König im Thronsaal. Von hier aus werden die kommenden Einsätze geplant. Ich hatte ja angedeutet, dass „Empires“ einen ordentlichen Teil Strategie beinhaltet.
Taktische Überforderung
Mich persönlich erschlagen diese ganzen Menüpunkte am Anfang: Hier ist die Rede von Domestic Affairs, Human Affairs, Military Affairs oder Diplomacy – jedenfalls, wenn ihr auf Englisch spielt. Es gibt aber auch deutsche Texte, also keine Sorge. Nur leider muss ich mich mühsam durch die Menüs klicken und habe keine Ahnung, was ich eigentlich machen soll. Der König gibt zwar Richtlinien an, denen ich widersprechen darf, aber das hilft nicht wirklich weiter. Also klicke ich mal hier, mal da und hoffe, dass ich das Reich nicht in den Ruin stürze.
Endlich geht es dann aufs Schlachtfeld. Hier zeigt Dynasty Warriors 9 Empires seine gewohnten Stärken. Ich flitze von einer Soldatenschar zur nächsten und teile wuchtige Schläge aus. Hier und da taucht ein etwas resistenterer Anführer auf, der mehr Schläge verträgt. Aber anfangs reicht das wilde Drücken von Knöpfen, um siegreich zu sein. Wie gesagt: Nach einem stressigen Arbeitstag sind Musou-Spiele einfach klasse.
Kämpfen mit Stil
Eure Charaktere dürft ihr nach einer Schlacht mit ordentlich Loot aufwerten und damit leicht in die Richtung schieben, die ihr vom Spielstil her favorisiert. Unterhaltsam ist das Ganze jedenfalls. Ihr ahnt es schon: Es folgt ein Aber.
Grafisch sieht Dynasty Warriors 9 Empires etwas plastisch aus. Die Figuren sind zwar schön gestaltet, bewegen sich teilweise aber merkwürdig. Etwas schlimmer wird es bei den Umgebungen: Die Weitsicht ist nicht der Rede wert und sämtliche Strukturen am Horizont sehen ziemlich vermatscht und unschön aus. Dafür können sich die Effekte sehen lassen.
Insgesamt belegt die Grafik eine gute Position im spielerischen Mittelfeld. Der nächste Kritikpunkt ist die Kamera, die nicht immer das macht, was ihr wollt. Hinzu kommt, dass sich das spielerische Element der Kämpfe ziemlich schnell abnutzt. Ja, es kommt später ein wenig Taktik hinzu, aber wirklich abwechslungsreich ist das nicht. Das muss euch im Vorfeld klar sein.
Fazit
Dynasty Warriors 9 Empires schiebt die Reihe mit der teils offeneren Welt in eine spannende Richtung. Technisch krankt das Spielchen aber vielen Ecken, was aber zu verkraften ist. Mich persönlich hat der strategische Part sehr abgeschreckt, weil euch das Spiel einfach ins eiskalte Wasser wirft. Ich hatte anfangs keine Ahnung, was ich dort tat. Später dachte ich mir zumindest, dass ich es halbwegs durchschaut hatte – sicher war und bin ich mir bis heute nicht. Damit ist Dynasty Warriors 9 Empires ein netter, aber kein herausragender Vertreter seiner Reihe. Wenn ihr auf Musou steht, dann dürft ihr aber gerne einen Blick riskieren.
Erhältlich für: Playstation, Xbox, Switch, PC
Website: koeitecmoamerica.com/dw9e