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Earth Atlantis

Und täglich grüßt das postapokalyptische Seeungeheuer.

Es ist mal wieder soweit: Die Menschheit liegt am Boden – oder eher unter Wasser. Gegen Ende des 21. Jahrhunderts schlug der von Präsident Trump so belächelte Klimawandel dann doch gewaltig zu: Nur noch vier Prozent der Erde befindet sich im Trockenen. Der Rest liegt auf dem Meeresboden. Und dort tummeln sich nun allerhand Viecher, halb Lebewesen, halb Maschine.

Diese gilt es zu jagen und zur Strecke zu bringen – in einem kleinen U-Boot mit ordentlich Feuerkraft. „Earth Atlantis“ aus dem Hause Pixel Perfex ist ein klassischer 2D-Sidescroll-Shooter, der gerne mal zu einer „Bullet Hell“ wird – alles verpackt in einer hübschen Skizzen-Optik, die an Leonardo Da Vincis Aufzeichnungen erinnert. Sehr charmant.

Auf ins Gefecht

Zu Beginn könnt ihr euch zwischen zwei Spielmodi entscheiden: Der Jäger-Modus und der Quest-Modus. Wobei sich der erst genannte Modus erst nach einer Weile freischalten lässt. Also startet ihr mit dem Quest-Modus, in dem es auf Monsterjagd geht. Neulingen steht anfangs nur die Nautilus als Kampfschiff zur Verfügung – die restlichen drei Boote müsst ihr erst freischalten.

Die Steuerung ist übrigens sehr simpel gehalten: Navigieren, U-Boot wenden und ballern. Ja, das war’s auch schon. Aber lasst euch nicht täuschen: Einfach wird diese Tauchfahrt sicherlich nicht. Mein erster Ausflug in die tiefen der Ozeane war geprägt vom Zufall: Etwas ziellos bin ich durch die See geschippert und habe alles weggeballert, was mir vor die Torpedoöffnung kam.

An einigen Stellen wartete dann ein besonders dicker Brocken, der sich als eins der insgesamt 29 Monster herausstellte, die ich erlegen sollte. Gesagt, getan – wenn auch mit etwas Glück. Denn die riesigen Biester haben so manche fiesen Tricks auf Lager, die eure Lebenspunkte schnell in den Keller bringen. Aber ich war gut gerüstet. Auf zum nächsten Obermotz – wenn ich ihn denn finde …

Planlos durchs Meer

Es hat eine Weile gedauert, bis ich diese merkwürdigen Punkte und Einblendungen am linken, oberen Bildschirmrand als Karte ausgemacht habe, die mir den groben Weg zum nächsten Boss zeigt. Denn zum einen hat mir niemand erklärt, was genau meine Aufgabe ist (einen Boss nach dem anderen killen), zum anderen ist diese „Karte“ eher eine Skizze, die euch keinerlei Strukturen der Levelarchitektur zeigt, sondern nur Punkte, wo der nächste dicke Feind sitzt.

Den Weg dorthin müsst ihr selbst ausknobeln, was schnell nervig werden kann. Auf dem Weg von einem Boss zum nächsten trefft ihr immer wieder auf zahlreiche kleinere Feinde, die zufällig in der Spielwelt auftauchen und euch prompt mit allerlei explosivem Material bombardieren.

Der Grafikstil macht das Entdecken dieser Feinde nicht gerade einfacher, da manche von ihnen geschickt mit dem Hintergrund verschmelzen und damit schwierig auszumachen sind. Hinzu kommt, dass alles in schwarz-weiß und beige gehalten ist, sodass feindliche Projektile in keiner Weise farblich hervorgehoben werden – ganz schön knifflig.

Blubberblasen – alle mein!

Zum Glück findet ihr unterwegs aber auch immer wieder Luftblasen mit Buchstaben oder Symbolen darin: Ein „P“ gibt euch beispielsweise mehr „Power“, was euren Schuss ordentlich aufmotzt. Habt ihr genug gesammelt, ballert ihr aus allen Rohren und zudem in verschiedene Richtungen. Die anderen Buchstaben geben euch zusätzliche Feuerkraft in Form von Raketen, Bomben oder Elektrostrahlen.

Je mehr Buchstaben der gleichen Sorte ihr eingesammelt habt, desto stärker wird die entsprechende Waffe. Ein Beispiel: Wer viermal ein „H“ gefunden hat, darf vier zielsuchende Raketen auf einmal abfeuern. Ein bzw. zwei kleine Haken an der Sache: Sobald ihr einen anderen Buchstaben eingesammelt habt, wird die vorherige Waffe abgelegt. Sterbt ihr auf dem Meeresboden, dann verschwinden gleich alle Vorteile – etwas frustrierend.

Die rar gesäten Speicherpunkte machen das anfangs kurzweilige Spielchen auch nicht gerade einfacher: Bei meiner ersten Begegnung mit „Earth Atlantis“ war ich nach einer Weile richtig gut ausgerüstet mit voller Power und fünf Homing-Missles als ich einen dieser Speicherpunkte erreichte. Ein idealer Zeitpunkt, um mein Spiel zu beenden – dachte ich jedenfalls. Als ich dann einen Tag später wieder meinen Speicherstand lud, kam die Ernüchterung: Von meinen Upgrades war kein einziges mehr vorhanden.

Zu diesem nicht sonderlich motivierenden System kommt die Tatsache, dass ihr nach fünf Minuten im Spiel eigentlich alles gesehen habt, was euch in den nächsten Stunden noch erwartet: Bis auf neue Waffen kommt zur eigentlichen Spielmechanik nichts Neues mehr hinzu. Zugegeben: Die Kämpfe gegen die Bosse machen Laune, wiederholen sich aber dann am Ende doch zu sehr. Im Grunde müsst ihr immer wieder ausweichen und zurückschlagen – einen echten Fortschritt sucht ihr vergebens. Da ändern dann auch die weiteren Schiffe und der Jäger-Modus nicht mehr viel daran.

Fazit

„Earth Atlantis“ sieht ziemlich schick aus und kann sich mit dem Skizzenstil grafisch deutlich von der Konkurrenz abheben. Spielerisch wirkt das Werk von Pixel Perfex aber leider nur wie Durchschnittsware: Die Steuerung sitzt zwar perfekt und die Gefechte (besonders mit den Bossen) machen richtig Laune, aber die Abwechslung fehlt gänzlich. In der heutigen Zeit wirkt das nicht mehr ganz so frisch, wie noch vor 20 oder 30 Jahren.

Zudem macht die frustrierende Speichermechanik, bei der sämtliche Upgrades verloren gehen, nicht gerade Lust auf weitere Tauchgänge. Ein kleiner Skill-Tree oder ein Erfahrungspunkte-System würde da Abhilfe schaffen. So kann ich „Earth Atlantis“ wirklich nur Spielern empfehlen, die gerne mal die Herausforderung eines Action-Sidescroll-Shooters suchen und zusätzlich ein dickes Nervenkostüm mitbringen.

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch
Website: pixel-perfex.com/earth-atlantis