Direkt eins zu Beginn: Ich bin ein großer Fan von Indie-Spielen. Daher war ich auch gleich Feuer und Flamme als ich von Eastward hörte. Das Pixel-Abenteuer von Pixpil Games und Publisher Chucklefish ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch spielerisch ganz großes Kino. Taucht mit ein in eine bunte Welt voller skurriler Figuren.
Wie im Zeichentrickfilm
Die Geschichte von Eastward spielt in einer postapokalyptischen Welt. Viel Hintergründe bekommen wir zu Beginn der Story nicht geliefert. Es wirkt fast, als würden wir in eine Fortsetzung einer Geschichte einsteigen. Aber nach und nach kommt die Story in Gang. Um was es genau geht, will ich euch nicht verraten – denn das ist Teil eurer Reise. Daher gehe ich mal nur grob auf die Rahmenbedingungen ein.
Im Zentrum der Geschehnisse stehen John und Sam. John ist ein ziemlich verzauselter, aber dennoch irgendwie cooler Typ, der die Kontrolle über seine Gesichts- und Kopfbehaarung verloren hat. Er wirkt etwa so wie ein zerstreuter Mathe-Professor – jedenfalls vom Aussehen her. Sam ist da ein anderes Kaliber: Sie ist Johns Adoptivtochter mit überraschenden Fähigkeiten. Mehr dazu später. Die meiste Zeit steuert ihr aber John.
Hat hier jemand Link gesagt?
Aber wie ordnet sich Eastward spielerisch ein? Auf den ersten Blick dachte ich an ein japani-sches Rollenspiel. Zu meiner Überraschung spielte sich Eastward aber die meiste Zeit eher wie ein Zelda-like – was ich grandios finde. Aus der isometrischen Draufsicht erlebt ihr das Abenteuer der beiden Hauptakteure. Zu Beginn geht es noch recht gemütlich zur Sache. Ihr schleicht durch die unterirdische Siedlung, in die die Menschen sich zurückgezogen haben. Unterwegs könnt ihr mit sämtlichen Figuren plaudern und erfahrt so mehr über die Umstände in Eastward.
Übrigens: Eastward ist kein Open-World-Abenteuer, sondern führt euch Kapitel für Kapitel durch die Geschichte. Dabei wechseln sich drei wesentliche Spielmechaniken miteinander ab. Reden, Rätseln, Kämpfen. Das beschreibt das Gezeigte im Grunde recht gut. Denn in Eastward wird viel geredet, sehr viel sogar. Aber da die meisten Dialoge und Figuren wirklich interessant geschrieben sind, fiel das nicht negativ in die Waagschale. Ja, oft war es recht unterhaltsam den munteren Dialogen zu folgen. Das Rätseln beschränkt sich zwar auch relativ leichte Kopfnüsse, aber dennoch habt ihr so Zeit, um die Umgebung zu bewundern – dazu kommen wir aber gleich genauer. Ein großer Bestandteil ist das Kämpfen gegen irgendwelche Viecher, die euch an den Kragen wollen.
Multifunktionstool
John greift dabei auf seine Bratpfanne zurück. Mit dieser kocht er nicht nur, sondern haut kräftig zu. Im Laufe des Abenteuers dürft ihr die Pfanne immer weiter aufmotzen. Natürlich kommen noch andere Waffen hinzu, wie ein Gewehr oder Bomben. Aber die Bratpfanne leistet euch sehr gute Dienste. Und wenn ihr mal nicht in Johns, sondern Sams Haut steckt, dann wird es übersinnlich. Denn Sam verfügt über besondere Fähigkeiten, die geschickt in den Spielablauf eingebunden wurden. So darf das junge Mädchen Feinde aus der Entfernung betäuben oder John mit einem Schild schützen oder unsichtbar machen. Schade nur, dass wir Sam relativ wenig spielen dürfen.
Kommen wir aber mal zur eben angesprochenen Grafik: Obwohl Eastward im Grunde nur aus groben Pixeln besteht, zaubern die Macher:innen hier atemberaubende Szenen auf den Monitor. Die Detailtiefe ist faszinierend. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt alles auf dem Bildschirm gründlich anzuschauen, bevor ich weitergezogen bin. Von mir aus können ruhig weitere Spiele in diesem Look folgen. Mir gefällt es jedenfalls sehr.
Spiel im Spiel im Spiel
Eine weitere Sache, die schon fast absurd ist: Pixpil Games hat in Eastward jede Menge Mini-Spielchen eingebaut. Und diese haben es in sich: Sam beispielsweise darf an einem Arcade-Automaten ein japanisches Rollenspiel zocken. Dabei geht es fast zu wie damals in Mystic Quest auf dem Game Boy. Schon verrückt, dass hier immer wieder ein Spiel im Spiel steckt. Als ich dieses Mini-Rollenspiel kurz antesten wollte, verlor ich mich dort für gut 30 Minuten und war regelrecht überrascht, dass ich eigentlich Eastward spiele. Das soll was heißen.
Kommen wir vielleicht zu ein paar negativen Aspekten – die man allerdings mit der Lupe suchen muss. Zum einen finde ich es echt schade, dass Sam so wenig zum Einsatz kommt. Zum anderen ist die Spielmechanik sehr simpel gehalten – was aber nicht am Spielspaß rüttelt. Einen kleinen Tick mehr Rollenspiel hätte Eastward aus meiner Sicht aber schon vertragen können. Doch das ist Meckern auf sehr hohem Niveau. Denn abseits dieser kleinen Makel ist Eastward ein grandioses Werk, das euch locker 30 Stunden unterhält.
Fazit
Ich könnte noch länger hier schwärmen, aber am besten schaut ihr einfach selbst in Eastward rein. Schickes Art-Design trifft auf lockerleichte Spielmechanik, die über Stunden unterhält. John und Sam sind mir nach der Reise, den Kämpfen, Dialogen und etlichen Mini-Spielchen regelrecht ans Herz gewachsen. Für alle, die Zelda mögen und Lust auf ein Action haben, kann ich Eastward nur wärmsten empfehlen. Gebt dieser Pixelperle definitiv eine Chance!
Erhältlich für: PC, Xbox, Switch
Website: eastwardgame.com