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Ebola Village

Resident Evil auf Droge – mit ein bisschen Herz darunter.

Ebola Village ist eins dieser Spiele, bei denen ihr nach fünf Minuten wisst, was die Inspirationsquelle war – und nach zehn Minuten merkt, wie weit Anspruch und Realität auseinanderliegen. Der Solo-Entwickler verspricht „klassischen 90er-Survival-Horror“ in einem russischen Dorf voller Zombies, Rätsel und knapper Munition.

Heraus kommt eine Mischung aus Resident-Evil-Village-Kopie, unabsichtlich komischer B-Movie-Ästhetik und ein paar tatsächlich gelungenen Momenten, die sich aber unter jeder Menge Trash vergraben.

Russisches RE-Deja-vu

Ihr spielt Marina, die in ein abgelegenes russisches Dorf reist, um nach ihrer Mutter und ihrem Ex-Mann Ruslan zu sehen, während eine Seuche umgeht. Schon die Intro-Sequenz macht klar, wohin die Reise geht: halb voyeuristischer Blick auf die halbnackte Protagonistin im Bett, halb endloser TV-News-Expositionstext, der die Ausgangslage erklärt.

Das Dorf selbst ist eine grobe, aber atmosphärische Mischung aus Holzhäusern, Nebel, Feldern, Kirche und später einem großen Herrenhaus – alles sehr „Wir haben Resident Evil gesehen und fanden’s gut“. Die Geschichte versucht, neben der Zombie-Seuche auch familiäre Konflikte und die Beziehung zwischen Marina und Ruslan zu beleuchten, kratzt diese Themen aber eher an, statt sie wirklich auszuspielen.

Oldschool-Kost mit wackligen Beinen

Spielerisch gibt sich Ebola Village bewusst altmodisch: First-Person-Survival-Horror mit Fokus auf Erkunden, Schlüssel finden, simple Rätsel lösen und in engen Ressourcenrahmen überleben. Ihr durchsucht Häuser, findet Spielkarten-Schlüssel, Kräuter, Munition und Tagebücher, öffnet Shortcuts und arbeitet euch von Gebiet zu Gebiet vor. Ein markantes Beispiel: Ein „Rätsel“ lässt euch eine Statue nacheinander auf Felder mit „1“, „2“, „3“ und „4“ schieben – genauso stumpf, wie es klingt.

Die Kämpfe laufen klassisch mit Pistole, Schrotflinte und Co., inklusive Kopfschuss-Fokus und Zombie-Gruppen. Die Untoten sind dabei weniger gruselig als slapstickhaft: Animiert wie wackelnde Gummipuppen, schwanken sie mit überzogenen Bewegungen auf euch zu, brauchen aber trotzdem drei bis vier Headshots, bis sie fallen. Einige Kritikpunkte, die auch andere so haben: Aiming fühlt sich „floaty“ an, Trefferregistrierung ist ungenau, und sobald ein bisschen Hektik ins Spiel kommt, bricht das gesamte „FPS-Gefühl“ zusammen. Manche Szenen, die offensichtlich an Resident Evil 4s Dorfangriff erinnern sollen, enden eher in frustiger Planlosigkeit als in spannendem Panik-Management.

Trotzdem: Das Schießen macht auch Spaß und das Soundeffekte sowie Gore – platzende Köpfe mit ordentlich Splatter – sorgen kurzfristig für ein gutes Trefferfeedback. Es sind diese kleinen Lichtblicke, die erahnen lassen, dass der Entwickler durchaus ein Händchen für audiovisuelle Wirkung hat, auch wenn das mechanische Fundament wackelt.

Stark inspiriert, schwach poliert

Optisch ist der Resident-Evil-Einfluss kaum zu übersehen – vom Logo über Item-Kombinationen mit Kräutern bis zu Ladebildschirmen, die an Raccoon City erinnern. Die Umgebungen selbst sehen überraschend ordentlich aus: scharfe Texturen, dreckige Details, ziemlich eklige, im positiven Sinne düstere Schauplätze. In den besten Abschnitten – etwa dem großen Herrenhaus oder der Kirche – trifft das Spiel den 90er-Survival-Horror-Vibe tatsächlich gut. Dazu kommt stimmiges Audio: ambientes Brummen, Zombie-Gestöhne, schmatzende Fleischgeräusche und Waffensounds.

Alles dazwischen ist allerdings von fragwürdigen Entscheidungen geprägt. Cutscenes wirken oft unbeholfen inszeniert, Kamera und Modellarbeit sind stellenweise schlicht schlecht, und die UI – insbesondere das Inventar – ist größtenteils unübersichtlich und umständlich. Der Gesamtumfang liegt eigentlich nur bei etwa drei Stunden, fühlt sich durch Längen, Backtracking und mechanische Hakeligkeit aber teilweise deutlich länger an.

Fazit: Für Trash-Fans okay, für alle anderen eher nicht

Fair betrachtet ist Ebola Village kein komplett seelenloser Cashgrab, sondern ein Indie-Projekt, bei dem ein Solo-Entwickler seine Liebe zu Resident Evil etwas zu unkritisch in eine eigene Produktion gegossen hat. Man merkt immer wieder, dass da jemand Atmosphäre, Gore und Oldschool-Horror wirklich mag, und einzelne Passagen – das Herrenhaus, die Kirche, einige Sound- und Gore-Momente – funktionieren auch als kurze Highlights.

Unterm Strich stehen dem aber zu viele Probleme gegenüber: schwammiges Gunplay, schlechte Animationen, generische oder schlicht schlecht erzählte Storybeats, Copycat-Design ohne eigene Handschrift und eine insgesamt jankige Umsetzung, die den Frustpegel hoch treibt. Wer eine ernstzunehmende, gut designte Survival-Horror-Erfahrung sucht, sollte einen weiten Bogen machen. Wenn ihr allerdings hartgesottene Trash-Horror-Fans seid, Spaß daran habt, „Resident Evil at home“-Experimente zu sezieren und mit niedrigen Erwartungen an eine dreistündige Zombie-Fahrt rangeht, kann Ebola Village für einen Abend unfreiwillig unterhaltsam sein.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch 
Webseite: store.steampowered.com/app/2306030/EBOLA_VILLAGE