Ich musste auch erst mal etwas recherchieren, um Eiyuden Chronicle – Rising richtig einordnen zu können. Vielleicht ist es daher gut, wenn ich euch zu dem Werk von Entwickler Natsume Atari zunächst einen Rahmen verpasse, bevor wir ins eigentliche Spiel abtauchen.
Kickstarter-Erfolg
Vielleicht habt ihr schon von Eiyuden Chronicle – Hundred Heroes gehört. Das Spiel soll 2023 erscheinen und wird von Veteranen erschaffen, die bereits an Castlevania-Spielen mitgewirkt haben – also eine spannende Sache also. Es soll ein klassisches japanisches Rollenspiel in hübscher 2D-Optik werden.
Nun war man bei Kickstarter im Jahr 2020 aber so erfolgreich, dass man noch Geld für eine Art Prequel hatte – und genau hier landen wir bei Eiyuden Chronicle – Rising. Denn Rising ist dieses Vorspiel zu Hundred Heroes. Allerdings zeichnet sich für Rising ein anderes Team verantwortlich als für Hundred Heroes. Daher ist ein direkter Vergleich vielleicht nicht gerade fair. Damit solltet ihr aber genug wissen, um Eiyuden Chronicle – Rising einordnen zu können.
Die Geschichte von Eiyuden Chronicle – Rising entführt uns in ein fernes Fantasy-Reich: In der Haut der jungen Abenteuerin CJ sollen wir einen legendären Schatz bergen, damit die junge Dame Ansehen bei ihrem Clan erlangt. Voller Tatendrang macht sie sich auf den Weg zu einem Schatzberg, nur um festzustellen, dass es hier nicht ohne Weiteres weitergeht. Denn am Fuße des Berges befindet sich ein kleines Örtchen, das die Kontrolle über die Eingänge zum Schatzberg hat. Um also in den Berg zu kommen, braucht CJ eine Lizenz – und damit beginnt das eigentliche Abenteuer.
Hausmeisterin gesucht
Denn um an die Lizenz zu kommen, muss CJ den Bewohnern des Dorfes helfen. Das Örtchen wurde nämlich kräftig von Erdbeben durchgeschüttelt und braucht nun helfende Hände. Für CJ bedeutet dies: Ein Botengang nach dem anderen absolvieren. Für ein JRPG ist das eine gerechtfertigte Story, aber mir persönlich ging es anfangs etwas zu schleppend voran. Immer wieder bereiste ich verschiedene Orte, wo ich in Sidescroll-Manier gegen Monster kämpfen durfte. Trotz der etwas hakeligen Steuerung machen diese Abschnitte Spaß. Nur leider dauern sie nicht allzu lange. Schnell lande ich wieder im Dorf und muss mich durch ellenlange Dialoge kämpfen. Nach und nach verschiebt sich die Balance zugunsten der Action.
Durch die vielen Quests baut ihr das Dorf Stück für Stück wieder auf. Dabei entscheidet ihr allerdings nicht, was wo aufgebaut wird. Ihr erledigt einfach euere Aufgaben und die Bewohner bauen dann fröhlich drauf los. Nebenher bekommt ihr dann auch noch eure Stempel. Eure Stempel? Ja, genau. Anfangs dienen diese, um die Schatz-Lizenz zu ergattern. Später könnt ihr euch durch ausgefüllte Stempelkarten neue Fähigkeiten aneignen – ein ganz unterhaltsames System. Nebenher dürft ihr eure Waffen aber auch beim Schmied verbessern oder euch mit allerlei Kram in der Stadt ausrüsten. Richtig spannend wird es aber erst, wenn eure Truppe Zuwachs bekommt …
Starkes Trio
Denn neben CJ bekommt ihr im Laufe der Geschichte Verstärkung durch ein mürrisches Känguru namens Garoo und – Achtung Mini-Spoiler – durch die magisch begabte Bürgermeisterin Isha. Das Interessante an dieser Kombi aus Kämpfer:innen ist die Art, wie ihr nun agieren könnt. Jeder Charakter hat seine eigenen Stärken und Schwächen. So ist CJ schnell und flink, Garoo recht brachial mit seinem Großschwert und Isha eine hervorragende Fernkämpferin. Anstatt einen Charakter auszuwählen, dürft ihr per Knopfdruck ihre Fähigkeiten einsetzen und fließend wechseln. Dadurch entsteht ein hübscher Kampf-Flow, der Laune macht.
Jeder Ausflug in die Wildnis beschert euch übrigens Erfahrungspunkte, die euch immer stärker werden lassen. Sorgen um einen zu hohen Schwierigkeitsgrad müsst ihr euch aber nicht machen: Selbst ohne viel Grinding solltet ihr gut vorankommen. Manche Bosskämpfe könnten beim ersten Mal vielleicht fordernd sein, wenn ihr noch nicht alle Bewegungsabläufe kennt. Aber das solltet ihr schnell verinnerlicht haben. Und wie gesagt: Zur Not könnt ihr in Gebiete einfach reinlaufen, um etwas zu leveln.
Grüßt hier das Murmeltier?
Apropos Bosse: An sich sind diese Auseinandersetzungen gut gelungen. Etwas schade finde ich das Recycling bei Eiyuden Chronicle – Rising: Manche Bosse tauchen später einfach wieder auf und sind nur etwas stärker. Das ist aber nicht nur bei den Bosskämpfen der Fall: Die meisten Quests, die ihr absolviert laufen oft nach Schema F ab. Geht irgendwo hin, sammelt x-mal diesen Gegenstand und bringt ihn zurück. Alles völlig legitim bei so einem Spiel, aber nicht sonderlich innovativ.
Die anfangs längeren Laufwege werden zumindest dadurch entschärft, dass ihr eine praktische Schnellreise-Funktion jederzeit nutzen könnt. Gespeichert wird übrigens immer an Wegweisern und nicht frei, was bei manchen virtuellen Ableben etwas ärgerlich sein kann.
Grafisch zeigt sich Eiyuden Chronicle – Rising von seiner hübschen Seite. In Bewegung sieht das Spiel sehr schick aus, was an den detaillierten Hintergrund-Animationen liegt. Mich erinnert das Spiel dabei an ein hochaufgelöstes Abenteuer aus der guten alten Zeit des Super NES. Das sehen ich als Kompliment an.
Fazit
Eiyuden Chronicle – Rising ist ein unterhaltsames, aber nicht herausragendes Spielchen. Der Nachfolger Hundred Heroes muss also noch eine Schippe drauflegen. Dennoch hat Rising seinen Charme und unterhält euch für rund zehn bis zwölf Stunden mit seinem netten Gameplay. Wer auf actionreiche Jump&Runs mit leichtem Rollenspiel-Aspekt steht, der sollte hier schon mal einen Blick wagen. Ich jedenfalls kann Eiyuden Chronicle – Rising trotz einiger Schwächen dennoch empfehlen. Jetzt bin ich aber sehr auf Hundred Heroes gespannt.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Website: eiyudenchronicle.com