Eine neue Stimme im Soulslike-Genre: Mit Enotria: The Last Song wagt sich das italienische Studio Jyamma Games in das hart umkämpfte Genre der Soulslikes. Nach der Veröffentlichung für PC und PlayStation 5 im September 2024 ist das Spiel nun endlich auch für die Xbox Series X|S verfügbar. Inspiriert von der italienischen Folklore und Kultur, bietet Enotria eine frische Perspektive innerhalb eines Genres, das oft von düsteren, trostlosen Welten geprägt ist. Doch kann das Spiel mit Genre-Größen wie Dark Souls oder Sekiro mithalten? Wir haben uns in die sonnenbeschienene, aber gefährliche Welt von Enotria gestürzt.
Theater der Masken
Die Handlung von Enotria: The Last Song spielt in einer Welt, die von einem mysteriösen Fluch namens „Canovaccio“ heimgesucht wird. Dieser zwingt die Bewohner, in festgelegten Rollen zu leben, die durch Masken symbolisiert werden. Ihr schlüpft in die Rolle des „Maskenlosen“, der als Einziger frei von vorgegebenen Rollen ist. Eure Aufgabe ist es, die Welt von diesem Fluch zu befreien, indem ihr die „Autoren“ – mächtige Wesen, die das groteske Theaterstück am Laufen halten – besiegt.
Die Geschichte ist tief in der italienischen Kultur verwurzelt und greift Elemente der Commedia dell’arte auf, einer Form des improvisierten Theaters aus der Renaissance. Diese Verbindung verleiht dem Spiel eine einzigartige Identität und hebt es von anderen Soulslikes ab. Die Erzählung erfolgt größtenteils durch Umgebungsdetails, kryptische Dialoge und Zwischensequenzen – ein typisches Merkmal des Genres.
Klassisches Soulslike mit neuen Akzenten
Das Gameplay orientiert sich stark an den bekannten Mechaniken des Genres: Ihr kämpft gegen herausfordernde Gegner, erkundet labyrinthartige Gebiete und sammelt Ressourcen, um eure Fähigkeiten zu verbessern. Doch Enotria bringt auch einige eigene Ideen mit.
Das Kampfsystem bietet die gewohnten Elemente wie leichte und schwere Angriffe, Ausweichen und Parieren. Besonders das Parieren spielt eine zentrale Rolle: Erfolgreiche Paraden füllen eine Leiste auf, die es euch ermöglicht, Gegner kurzzeitig zu betäuben und kritische Treffer zu landen. Allerdings ist das Timing oft sehr anspruchsvoll, was für Frustmomente sorgen kann – insbesondere bei Bosskämpfen mit verzögerten Angriffsmustern. Ja, hier musste ich oft fluchen, dass ich schon wieder gestorben bin.
Gesichtsbedeckung mit Wirkung
Eine interessante Neuerung ist die Mechanik der „Masken“. Diese dienen nicht nur als thematisches Element, sondern beeinflussen auch eure Fähigkeiten und Spielweise. So könnt ihr beispielsweise Masken finden, die eure Angriffskraft erhöhen oder eure Verteidigung stärken.
Ein weiteres Highlight sind die sogenannten Ardore-Fähigkeiten, die euch erlauben, bestimmte Umgebungen zu verändern. So könnt ihr etwa versteckte Pfade sichtbar machen oder Hindernisse aus dem Weg räumen. Diese Mechanik fügt dem Erkunden eine zusätzliche taktische Ebene hinzu und sorgt für Abwechslung.
Italienische Schönheit trifft auf düstere Gefahr
Die Welt von Enotria ist ein visueller Augenschmaus. Inspiriert von realen Orten in Italien wie der Toskana oder Venedig, bietet das Spiel malerische Landschaften, beeindruckende Architektur und eine Atmosphäre, die sowohl lebendig als auch bedrohlich wirkt. Besonders beeindruckend sind Details wie Sonnenblumenfelder oder venezianische Kanäle, die trotz des düsteren Fluchs einen Hauch von Schönheit bewahren.
Die Liebe zum Detail zeigt sich auch in den Designs der Gegner und Bosse. Jeder Feind wirkt wie ein groteskes Kunstwerk – passend zum Thema des verdrehten Theaters.
Technik: Licht und Schatten
Grafisch beeindruckt Enotria mit seiner Nutzung der Unreal Engine 5. Die Beleuchtungseffekte sind hervorragend umgesetzt und verleihen der Welt Tiefe und Realismus. Allerdings gibt es auf der Xbox Series X|S gelegentlich kleinere Performance-Probleme wie Framerate-Einbrüche in besonders belebten Gebieten.
Mit einer Mischung aus orchestralen Stücken und traditionellen italienischen Klängen untermalt der Soundtrack perfekt die Atmosphäre des Spiels. Auch die Vertonung – wahlweise auf Englisch oder Italienisch – trägt zur Immersion bei.
Wo Enotria stolpert
Trotz seiner Stärken hat Enotria: The Last Song einige Schwächen, die ich euch kurz auflisten möchte:
- Schwammige Steuerung: Besonders das Parieren fühlt sich oft unpräzise an, was den Spielfluss stören kann. Zudem sind die Zeitfenster für eine Parade extrem eng gesetzt.
- Komplexität ohne Tiefe: Das Loadout-System bietet viele Optionen, doch oft wirken diese wenig durchdacht oder unnötig kompliziert.
- Fehlende Innovation: Trotz einiger neuer Ideen bleibt das Spiel stark an Genre-Konventionen gebunden. Persönlich hätte ich mir ein paar frische Ideen gewünscht.
Diese Punkte verhindern zwar nicht den Spaß am Spiel, könnten aber vor allem erfahrene Soulslike-Spieler enttäuschen.
Fazit: Ein ambitioniertes Abenteuer mit eigenem Charme
Enotria: The Last Song ist ein mutiger Versuch, frischen Wind ins Soulslike-Genre zu bringen. Mit seiner einzigartigen Verbindung zur italienischen Kultur, beeindruckenden Optik und soliden Mechaniken hebt es sich – zumindest optisch – von vielen Konkurrenten ab. Allerdings verhindern technische Schwächen und ein manchmal frustrierendes Kampfsystem den Sprung in die absolute Spitzenklasse. Für Fans des Genres lohnt sich ein Blick auf jeden Fall – allein schon wegen der außergewöhnlichen Atmosphäre und des unverbrauchten Settings.
Erhältlich für: PC, PS, Xbox
Webseite: https://enotriathelastsong.com