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F1 2018

Von wegen Sommerloch: Während in der realen Formel 1-Welt im August verschnauft wird, freuen sich die Fans der Rennserie auf den nächsten virtuellen Ausflug.

Alle Jahre wieder …

… gibt sich Codemasters die Ehre und erfreut uns mit einem neuen Formel 1. Und da dies auch nun schon seit 2010 der Fall ist, stellt sich natürlich die Frage nach eventuellen Neuerungen abseits der üblichen Änderungen an Fahrern und Fahrzeugen. Wir sind bei „F1 2018“ mal Probe gefahren. Das war heute nicht mein Tag. Nach einem katastrophalen Qualifying, inklusive Abflug ins Kiesbett und Berührung mit der Mauer, stehe ich mit meinem Renault auf dem letzten Platz der Startaufstellung für das morgige Rennen. Hinter vermeintlich schwächeren Autos und Fahrern. Ich kann es noch nicht mal auf das Auto oder das Wetter schieben.

Mein Teamkollege steht auf einem soliden Startplatz 8, dort wo das Auto von seiner Leistung her auch ungefähr hingehört. Und was die Wetterbedingungen angeht – die sind für jeden gleich. Nein, wer zwei Fahrfehler begeht, ist es dann auch selbst schuld. Am liebsten möchte man als Pilot dann einfach seinen Helm aufbehalten und mit niemanden sprechen.

Geht aber nicht, denn auf dem Weg in die Box werde ich von zahlreichen Reportern umringt und gefragt, wie zufrieden ich denn mit meiner heutigen Leistung sei und was für ein tolles Qualifying das allgemein war. Nicht ernsthaft, oder? Als Antwort habe ich mehrere Optionen, die – je nachdem welche Antwort gewählt wird – Einfluss auf die Stimmung des Teams und auf die weitere Karriere hat.

Fragen ohne Sinn und Verstand

Diese Interviews mit der Presse, die es erst- und letztmalig in der 2010er Edition gab, wurden als Neuheit bei der Veröffentlichung groß angepriesen. Letztendlich sind diese aber eher schmückendes Beiwerk. Politisch korrekt kann ich als Fahrer diese Fragen professionell beantworten. Am Ende nervt es jedoch aber nur, wenn die Reporter anscheinend nicht auf meine echte Leistung Bezug nehmen. Aber ok, da der Rest ja stimmt, möchte ich mich länger damit aufhalten.

Man merkt Codemasters schon die Routine und Erfahrung von fast zehn Jahren Formel 1-Spielen an. „F1 2018“ ist vertraut, sowohl die Bedienoberfläche als auch die Steuerung. Fluch und Segen ist dann hierbei auch, dass sich dieser Sport bis auf Kleinigkeiten dann doch kaum über die Jahre verändert. Der umfangreichste Modus ist hier zweifellos der Karrieremodus, in dem ihr als unbekannter Rookie um ein Cockpit in einem unterklassigen Team kämpft und euch von dort stetig die Karriereleiter hocharbeitet.

Ihr entwickelt das Auto weiter und behauptet euch im internen Duell mit eurem Teamkollegen. Irgendwann werden andere Teams auf euch aufmerksam und machen euch ein Angebot – und je weiter eure Karriere fortschreitet, desto höher werden eure Ziele. Geht es anfangs nur darum, vor eurem Teamkollegen zu landen, werden später Podiumsplätze und Siege von euch erwartet.

Challenge accepted

Außerdem gibt es verschiedene Mini-Challenges. Beispielsweise müsst ihr in einer vorgegebenen Zeit eine gewisse Anzahl von Rennrunden absolvieren oder in einer Art Verfolgung ein Rennen gewinnen, in dem ihr einige Sekunden nach euren Gegners losfahrt. Die originale Meisterschaft – oder eine selbst erstellte – lassen sich ebenso wie Multiplayer-Rennen selbstverständlich auch ausfechten.

Und wie schon im Vorjahr gibt es eine Reihe ehemaliger Rennwagen aus verschieden Epochen. Eine Fahrt in einem 1972er Lotus oder in einem 1998er McLaren – warum nicht? Zusätzlich erscheint die Erstauflage von F1 2018 als exklusive Headline-Edition mit zwei legendären F1-Boliden – dem 2003er BMW-Williams sowie dem 2009er Weltmeister Auto, Brawn GP.

Um kurz über die weiteren Feinheiten zu sprechen: Erst mal natürlich habt ihr alle Lizenzen. Das kennt man ja schon. Fahrer, Autos, Strecken und alles, was noch so dazugehört. So wie man es schon seit Jahren kennen und schätzen gelernt hat. F1 ist hier quasi das FIFA, nur ohne den Konkurrenten, von dem jeder sagt, dass er besser sei.

Bügel in (der) Sicht

Die auffälligste Neuerung ist hierbei zunächst eher optischer Natur. Aufgrund neuer Sicherheitsregeln verfügen alle Fahrzeuge ab dieser Saison Halo – eine Art Überrollkäfig über dem Cockpit. Schaut aus wie ein Heiligenschein. Eine Umgewöhnung auch für die Profis unter euch, die regelmäßig aus der Cockpit-Perspektive fahren. Ich jedenfalls fand besonders die ersten Runden damit deutlich anspruchsvoller.

Zum Glück lässt sich der Bügel auch ausschalten. Des Weiteren gibt es drei Streckenänderungen im Rennkalender für die Saison: Malaysia wurde gestrichen, dafür feiert der Hockenheimring nach zweijähriger Abstinenz sein Comeback. Deutlich länger gab es keinen Grand Prix in Frankreich – hier dürft ihr auf dem Circuit Paul Ricard in Le Castellet Gas geben.

Zusätzlich gibt es weiterhin die Kurzversionen der Strecken in Bahrain, Suzuka, Silverstone und Austin. Aber das kennt ihr ja schon aus der 2017er Edition. Grafisch ist das Spiel wie erwartet sehr schön anzusehen. Detailreich, tolle und auch wechselnde Wettereffekte und Spiegelungen an den Fahrzeugen und auf den Strecken. Viel Spielraum nach oben ist in Zukunft wohl nicht mehr zu erwarten.

Fazit

Ist „F1 2018“ nun die beste F1 aller Zeiten? Schwer zu sagen, jedoch merkt man Codemasters die Routine und Erfahrung an – alles wirkt intuitiv und vertraut. Ein rundum gelungenes Spiel ohne große Schwächen. Für die echten Fans der Serie eine Kaufempfehlung. Wer schon einen der letzten Teile besitzt, kann zugreifen, muss es aber nicht zwingend – in diesem Fall vielleicht erst nach einem kleinen Preissturz.

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: codemasters.com/game/f1-2018