Dank Corona wartet das Sportjahr 2021 mit der Fußball-EM und den Olympischen Sommerspielen unfreiwillig mit einigen Highlights auf, die den sportlichen Ableger zur aktuellen Formel 1-Saison etwas in den Hintergrund rückt. Dabei lässt sich diese Rennsimulation ganz formidabel spielen. Aber lest selbst.
Der Traum von der großen Karriere
Okay, das mit „in den Hintergrund rücken lassen“ liegt natürlich daran, dass uns jährlich ein neuer Ableger der höchsten Rennserie erwartet und eben nicht bloß alle zwei oder vier Jahre. Das macht F1 2021 aber nicht schlechter. Als kleine Randnotiz - erstmals tritt Electronic Arts hier als Publisher auf, die erst kürzlich Codemasters gekauft hatte. Was sich aber weder positiv noch negativ auf das Endprodukt auswirkt.
Und eigentlich ist es ja immer dasselbe mit den neuesten Ablegern – aktuelles Fahrer-Lineup, aktuelle Rennstrecken und hier und da mal ein paar kleinere Änderungen. Die 2021er Edition, so viel vorneweg, erfüllt auch all diese Dinge, und bietet darüber hinaus auch einen im Vorfeld groß angepriesenen Storymodus mit dem Namen Braking Point. Des Weiteren könnt ihr den Karrieremodus nun auch im Koop entweder mit- oder gegeneinander um Ruhm und Ehre fahren. Das sorgt schon für kuschelige Abende vor dem Fernseher.
Erzähl mir deine Geschichte!
Doch fangen wir zunächst mit der Neuerung an: Der Storymodus versetzt euch in die Rolle des aufstrebenden britischen Jungstars Aiden Jackson, der sein letztes Rennen in der Formel 2 bestreitet, in dem er sich durch einen Sieg zum F2-Champion krönen kann. Ihr übernehmt in den letzten Runden durch die Marina von Abu Dhabi, und nach einigen waghalsigen Überholmanövern letztendlich als Erster die Zielflagge zu sehen und stolz den Weltmeisterpokal in die Höhe stemmen zu können.
Diese Leistung wird dann mit dem Aufstieg in die Formel 1 belohnt, wo ihr euch eines der Hinterbänkler-Teams aussuchen könnt. Dann bestreitet ihr nach und nach die Rennen der F1-Saison, koordiniert euch mit eurem Manager und erlebt hier und da auch mal etwas Drama mit euren Gegnern und eurem Teamkollegen. Alles in allem solltet ihr hier keine ausgeklügelte Story à la Hollywood erwarten, aber Braking Point weiß euch einige Stunden durchaus zu unterhalten.
Auch bietet der Storymodus einen guten Einstieg für Renn-Neulinge, denn ihr habt die Möglichkeit, die unzähligen Einstellungsmöglichkeiten zu umgehen und euch einfach ein voreingestelltes Setup kredenzen zu lassen. Auf der anderen Seite finden Simulationsfreunde genügend Alternativen, um ihren Boliden in vielerlei Hinsicht auf die jeweilige Strecke so gut wie möglich einzustellen, sei es beispielsweise durch die Wahl der Reifenmischung oder der Flügelhöhe.
Und es ist auch eine besondere Herausforderung, ein Rennen ohne jegliche Fahrhilfen wie Traktionskontrolle oder Automatikgetriebe zu gewinnen. Im Modus MyTeam baut ihr wie auch schon im Vorgängerspiel auch euer eigenes F1-Team auf und heuert einen Teamkollegen auf dem Fahrermarkt an.
Das Management vom eigenen Team bietet zusätzliche Unterhaltung und sorgt für zusätzliche Tiefe. Wer noch etwas reales Geld ausgeben möchte, gönnt sich die Deluxe-Edition und fährt nicht gegen irgendeinen Teamkollegen, sondern gegen Michael Schumacher oder eine andere von insgesamt sieben Ikonen des Rennsports.
Rad-an-Rad Duelle weltweit
Rennstrecken gibt es auch zuhauf – immerhin plant die Formel 1 in diesem Jahr die Austragung von ganzen 23 Rennen. Mit Release fahrt ihr auf 20 der offiziellen Kurse. Die fehlenden Strecken werden euch im späteren Verlauf per Update zugänglich gemacht. Da ich persönlich die F1-Spiele schon seit einigen Jahren teste, kann ich behaupten, dass die Strecken soweit weiterhin realistisch rüberkommen und ihren Originalen, so wie man es aus dem Fernsehen kennt, originalgetreu nachempfunden wurden.
Und natürlich müsst ihr nicht die vollen 78 Runden in Monte Carlo absolvieren, wenn ihr das nicht wollt, sondern könnt vor Beginn eines Rennens oder einer Saison die Länge des Rennens festlegen. Auch müsst ihr eine Weltmeisterschaft nicht über alle Rennen spielen, sondern könnt euch auch eine „Mini-WM“ mit weniger Rennen konfigurieren.
Wer gerne auch in der Klasse darunter reinschnuppern möchte, kann das auch tun, denn wie im Vorgänger könnt ihr an Rennen der Formel 2 teilnehmen und hier euer Können testen und beweisen. Schließlich ist auch im Rennsport noch kein Meister vom Himmel gefallen. In der F2 geht es zwar de facto nicht langsam zu aber deutlich gemächlicher zu als in der Königsklasse, und auch dieser Modus bietet sich für Neueinsteiger in dieses Spiele-Genre an.
Nicht auf den KI-Kopf gefallen
Und da ich, wie erwähnt, die F1-Spiele schon seit einiger Zeit teste, fällt mir eine verbesserte KI auf. So agieren die KI-Fahrer in Rad-an-Rad Duellen wesentlich fairer als sonst, und geben auch mal mehr Platz, als mich unüberlegt in die Mauer zu drücken. Auch sinnlose Überholmanöver sind mir bisher nicht untergekommen. Bei bis zu 19 KI-gesteuerten Fahrern im Grid kommt diese Tatsache bei häufigerem Spielen zum gesamten Spielspaß zugute.
Überarbeitet wurde auch das Schadensmodell, denn auch bei kleinsten Berührungen seht ihr schon mal, wie sich Teile eures Fahrzeugs verabschieden. Dabei könnt ihr selbst in den Einstellungen bestimmen, wann und in welchem Ausmaß euch die Teile um die Ohren fliegen. Wer also will, kann den Realismusgrad sehr präzise einstellen. Die Steuerung selbst ist ebenfalls sehr genau und hierbei merkt man schon die jahrelange Erfahrung der Entwickler bei dieser Art von Spiel.
Ich habe es mit dem Xbox One Gamepad getestet – wer natürlich das ultimative Erlebnis haben möchte, kommt an einem Force Feedback Lenkrad nicht vorbei. Dies taugt dann auch gerade bei längeren Rennen als ideales Muskeltraining gerade für eure Arme. Gerade die Stadtkurse à la Monte Carlo oder Baku, dazu noch mit ausgeschalteten Fahrhilfen, werden euch mit dem Lenkrad körperlich einiges abverlangen.
Fazit
Codemasters weiß auch in dieser Saison zu überzeugen – die jahrelange Erfahrung im Entwickeln der F1-Spiele kommt auch hier wieder zum Tragen. Das Rennen lassen sich einfach super spielen, und Simulations-Fans werden an den unzähligen Einstellungsmöglichkeiten ihre wahre Freude haben. Mit Braking Point gibt es eine unterhaltsame Story, der zwar nicht perfekt ist, jedoch ideal für sowohl Neueinsteiger als auch für die alten Hasen, die einfach mal einen neuen Modus ausprobieren möchten. F1 2021 ist auch in diesem Jahr ein Highlight, das jedem wärmstens empfehlen kann. EA hat also einen guten Deal mit Codemasters gemacht.
Erhältlich für: Playstation, Xbox, PC
Website: formula1-game.com