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Fantasy Ink (KOSMOS)

Zwischen Würfelglück, Taktik und einer Prise Abenteuerbuch.

Manche Spiele wollen groß, laut und spektakulär sein. Fantasy Ink geht für mein Empfinden einen deutlich charmanteren Weg: Hier treten zwei Spielende gegeneinander an, legen Würfel auf Karten, werben fantasievolle Wesen an und bauen sich dabei Zug um Zug ihre eigene kleine Abenteuergeschichte zusammen.

Gerade diese Grundidee gefällt mir sehr, weil sie nicht trocken nach Zahlenoptimierung klingt, sondern nach einem Taktikspiel mit spürbarer Fantasie-Note. Und das sollte sich auch schnell als Volltreffer erweisen.

Dazu passt auch die Präsentation. KOSMOS beschreibt das Spiel selbst als interaktives Zweipersonenspiel mit liebevoll illustrierten Fantasy-Karten, und genau dieses mythische Flair macht einen wichtigen Teil seines Reizes aus. Für mich ist das kein aufgesetztes Thema, sondern etwas, das dem Spiel tatsächlich Wärme und Charakter gibt.

Gleich mitten im Geschehen

Beim Auspacken fielen mir direkt die verspielten Karten auf: Hier schaut mit ein Phönix an, ein Zyklop grinst finster und eine Hexe lacht laut vor sich hin. Die Figuren laden zum Träumen über epische Abenteuer ein.

Besonders viele Kleinteile habt ihr nicht, was den Aufbau angenehm schnell macht. Die Kapitelleiste in der Mitte dient als Ankerpunkt für eure Runden. Ansonsten hat jeder der beiden Mitspielenden seine Kartenleiste vor sich und reiht die Kreaturen Reihe um Reihe auf.

Schnell gelernt, lange interessant

Was ich an Fantasy Ink besonders stark finde, ist dieser schöne Spagat aus Zugänglichkeit und Abwechslung. Die Grundidee ist bewusst klar gehalten, während zugleich verschiedene Wege zum Sieg offenstehen. Ihr könnt entweder die 20 Kapitel eures Buches vollenden oder über bestimmte Symbol-Kombinationen den Sieg herbeiführen. Einfach zu lernen, aber eben nicht so simpel, dass jede Partie gleich abläuft.

Das ist für mich die Art von Design, die gerade bei kleineren Taktikspielen oft den Unterschied macht. Man kommt schnell hinein, versteht rasch, was man tun will, und entdeckt dann erst nach und nach, wie unterschiedlich sich einzelne Runden anfühlen können. Wenn ein Spiel das schafft, entsteht nicht nur ein guter Einstieg, sondern auch dieser Wunsch nach einer zweiten und dritten Partie. Und das war bei Fantasy Ink definitiv der Fall.

Würfel, Timing und Variation

Im Kern lebt Fantasy Ink davon, dass Würfel aus einem gemeinsamen Vorrat gewählt und gezielt auf Karten platziert werden, um Märchen- und Mythen-Figuren zu locken und Kapitel zu vollenden. Das klingt zunächst angenehm überschaubar, eröffnet aber gerade durch die gemeinsame Auslage und die konkurrierenden Entscheidungen genau die Art von Timing-Fragen, aus denen gute Zwei-Personen-Spiele ihre Spannung ziehen.

Besonders schön finde ich in diesem Zusammenhang, dass sich nach den ersten Einstiegsspielen die Ziele variieren lassen. Fantasy Ink lebt nicht nur von einer netten Erstpartie, sondern mit gewinnt mit wachsender Spielerfahrung noch etwas an Kontur. So ein Spiel wächst ein Stück weit mit, statt seinen besten Trick schon in den ersten zwanzig Minuten vollständig zu zeigen.

Fazit

Unterm Strich ist Fantasy Ink für mich ein sehr gelungenes Taktik- und Würfelspiel mit echtem Fantasy-Charme. Die Mischung aus leicht zugänglichen Regeln, mehreren Siegesbedingungen und einem stimmungsvollen, hübsch illustrierten Setting macht es zu einem Titel, der nicht durch Umfang einschüchtert, aber trotzdem genug Spielraum für unterhaltsame Partien lässt.

Am meisten überzeugt mich daran, dass das Spiel nicht zwischen Familienfreundlichkeit und Anspruch wählen will, sondern beides ordentlich miteinander verbindet. Dadurch wirkt Fantasy Ink auf mich wie ein Duellspiel, das man schnell auf den Tisch bekommt, das aber gerade nach den ersten Kennenlernpartien noch einmal sichtbar an Reiz gewinnt. Und genau solche Spiele bleiben am Ende oft länger im Regal als die lauteren Neuheiten.

Webseite: kosmos.de/de/fantasy-ink_1685799_4002051685799