In der Werbung kann man viel versprechen. So ein Satz wie „Fühle es als wärst Du ein Teil davon“ klingt zunächst ganz gut, aber auch ziemlich nach Marketing-Sprech. Dennoch lockt der Feelbelt mit einem interessanten Versprechen: Das Gerät kann das komplette Frequenzspektrum des menschlichen Gehörs von 10 bis 20.000 Hz vollständig fühlbar machen. Wir wagen den Selbsttest, um Stärken, aber auch vermeintliche Schwachstellen aufzudecken.
Technik im Wandel
Kleine Zeitreise: Ein Blick auf die technische Entwicklung zeigt, dass es schon viele Ideen gab, um Geräusche spürbar zu machen. Dabei muss man nicht direkt neben einem Subwoofer stehen und den Druck des Basses in seiner Brust fühlen. Es geht viel subtiler. Einen ersten Schritt hat Spieleentwickler Nintendo im Jahr 1997 gemacht: Damals erschien für die Heimkonsole Nintendo 64 das sogenannte Rumble Pak. Kleine Motoren im Controller reagierten auf bestimmte Frequenzen und ließen den Controller vibrieren. Das Ergebnis: Ein intensiveres Spielgefühl.
Heutzutage ist diese Technik allgegenwärtig – und das nicht nur in Controllern für Spielkonsolen. Smartphones nutzen die gleichen Vibrationen, wenn ein Tonsignal empfangen wird. Der Feelbelt will einen Schritt weitergehen und den menschlichen Körper erzittern lassen. Wie? Mit einer patentierten Technik, die jedes Audiosignal in haptisches Feedback umwandelt. Am Gürtel befinden sich nämlich zehn Impulsgeber, die Musik direkt auf den Körper übertragen.
Testpaket erhalten: Das rund 300 Euro kostende Gerät kommt in einer edlen Verpackung daher. Herzstück des aufklappbaren Kartons ist natürlich der Gürtel selbst, den es in zwei Größen gibt. Hinzu kommt ein 3,5 mm Klinkenkabel, ein USB-C-Ladekabel und eine umfangreiche Gebrauchsanweisung im Taschenbuchformat auf Deutsch und Englisch. Nach zwei Stunden ist der Gürtel vollständig aufgeladen und damit für die nächsten sechs Stunden einsatzbereit. Es kann also losgehen.
Ein Einstieg nach Maß
Was direkt auffällt: Die Gebrauchsanweisung wurde clever konzipiert und gibt Nutzern einen sehr guten Überblick auf die Funktionen und Möglichkeiten. Persönlich will ich den Feelbelt zunächst in Kombination mit einer Spielkonsole, einer Xbox Series X, austesten. Das Handling ist denkbar einfach, aber auch gewöhnungsbedürftig: Hat man den Gürtel einmal angelegt, muss man den Controller der Konsole per mitgeliefertem Klinkenkabel verbinden. Der Controller dient dem Gürtel dann als Audioquelle. Allerdings verfügt der Gürtel auch über eine Bluetooth-Funktion, aber dazu später mehr.
Am Gürtel selbst lässt sich anschließend die Lautstärke und Intensität steuern. Die ersten Schritte in einem actionlastigen Spielchen lassen meine Hüfte leicht vibrieren – ein interessantes Gefühl. Als es dann im Spiel zu einer Explosion kommt, verteilen die zehn Impulsgeber den Druck über die Hüfte auf den ganzen Körper. Für ein noch besseres Erlebnis entscheide ich mich, den zweiten Klinkenausgang am Gürtel zu nutzen und diesen mit einem Kopfhörer zu verbinden. Das macht die Erfahrung gleich ein ganzes Stück intensiver.
Beim Feinjustieren der Vibrationen braucht es allerdings etwas Fingerspitzengefühl: Hat man seine persönlichen Einstellungen gefunden, ist es schon ein besonderes Erlebnis, das sich schwer in Worte fassen lässt. Ich habe jedenfalls Blut geleckt und will mehr ausprobieren – als nächstes steht simples Musikhören auf dem Plan.
Ein Fingerzeig für mehr Vibrationen
Dazu lade ich mir die kostenlose Feelbelt-App aufs Smartphone und verbinde es per Bluetooth mit dem Gürtel – was ohne Probleme funktioniert. Die App ist sehr schlicht aufgebaut, aber anfangs leicht missverständlich: Darin kann die Prozentzahl für das haptische Feedback und die Lautstärke eingestellt werden. Wie diese Zahlen genau zusammenhängen, wird nicht erklärt – herumexperimentieren hilft aber.
Und schon während meiner Testzeit war das Entwicklerteam fleißig: Die App wird kontinuierlich um neue Inhalte erweitert. So gibt sie beispielsweise inzwischen Tipps für intensive Musikerfahrungen und passende Gaming-Titel. Trotzdem ist der Feelbelt wohl eher für Gamer kreiert worden: Denn nur Musik damit zu hören ist zwar unterhaltsam, hat aber nicht den erwarteten Wow-Effekt – jedenfalls nicht für mich. Mein bestes Erlebnis sollte aber noch folgen.
Im Bereich Gaming liegen also die Stärken dieses Gürtels. Daher will ich unbedingt wissen, wie sich der Gürtel in Kombination mit einer VR-Brille schlägt. Gedacht, getan: Im Test mit einer Oculus Rift VR-Brille entfaltet der Feelbelt sein ganzes Potenzial. Egal ob familienfreundliches Hüpfspiel, actionreiche Schießereien oder gruselige Horror-Szenen – der Gürtel hebt die Spielerfahrung auf ein neues Level.
Einzig schade ist, dass das haptische Feedback bislang nur auf den Hüftbereich beschränkt ist. Die Technik funktioniert zwar so schon recht eindrucksvoll, aber ich kann mir vorstellen, dass eine Art Weste das Ganze noch verfeinern würde. Wer weiß: Vielleicht werkeln die Entwickler bereits daran – die Konkurrenz von Woojer hat so eine Weste bereits auf den Markt gebracht, die allerdings auf eine etwas andere Technik setzt.
Fazit
Gamern kann ich den Feelbelt wärmstens empfehlen, wenn sie auf der Suche nach einer neuen, außergewöhnlichen Erfahrung sind. Wenn ihr den Gürtel nur zum Musikhören nutzen wollt, dann rate ich euch vorher zu einem ausgiebigen Test. Denn sein wirkliches Potenzial entfaltet der Gürtel eindeutig beim Zocken – am besten in VR.
Website: feelbelt.de