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Fernz Gate

Authentischer geht’s kaum: Ein klassisches Rollenspiel aus Japan.

Wenn an meine Spiele aus der Jugend zurückdenke, kommen mir eigentlich gleich zwei Lieblingsgenre in den Sinn: Jump&Runs und Rollenspiele – besonders die aus Fernost. Was habe ich Zeit investiert in „The Secret of Mana“, „Magic Quest“ oder „Final Fantasy“?! Herrlich!

Der japanische Videospiel-Publisher KEMCO und Entwickler Exe-Create teleportiert mich mit „Fernz Gate“ in meine glorreichen Kindertage zurück, indem er mir ein japanisches Rollenspiel liefert, für das ich früher sicherlich meinen Schlaf geopfert hätte.

Ein Spiel aus einer anderen Zeit

„Fernz Gate“ könnte augenscheinlich aus der Hochzeit von Nintendos SNES stammen: Animationen, Kampfsystem, Story und der gesamte Ablauf wirken wie ein klassisches Rollenspiel aus den 90er-Jahren. Natürlich ist das von KEMCO beabsichtigt: Die Japaner wollen nichts völlig Neues erschaffen, sondern mit den Stärken eines klassischen JRPG punkten – was ihnen auch hervorragend gelingt.

Kurz zur Geschichte: Ein Junge namens Alex erwacht urplötzlich im Fantasy-Reich Fernland. Wie er dort hingekommen ist, kann er allerdings nicht sagen – was letztlich auch egal ist. Gleich nach seiner Ankunft begrüßt ihn eine freundliche … Elfe?! So sieht das Mädchen jedenfalls aus, das ihm gleich eine magische Halskette überreicht und ihn über die Situation im Lande aufklärt:

Ein fieser Oberlord hat die Herrschaft übernommen, plündert alles und verwandelt die Bewohner in schreckliche Monster. Hasenfuß Alex will davon erst einmal nichts wissen, bis er wohl oder übel in den ersten Kampf stolpert. Ab dann weiß er: Ohne ihn sieht es für Fernland düster aus. Wie gesagt: Alles schon mal gehört, ganz klassisch. Mir gefällt’s jedenfalls.

Den riesigen Fußstapfen hinterher

Spieltechnisch orientiert sich „Fernz Gate“ deutlich an den großen Vorbildern wie „Final Fantasy“ oder „Magic Quest“: Meist seid ihr auf einer Landkarte unterwegs, untersucht verschiedene Gegenden, sprecht mit den Einwohnern und erledigt Aufgaben für diese. Fast immer müsst ihr dafür aber irgendwo hinreisen, wo es vor Monstern nur so wimmelt.

Lauft ihr dann auf der Karte etwas hin und her, zieht es euch gleich in den nächsten Kampf hinein – auch das sollte Fans des Genres sehr bekannt vorkommen. Die Auseinandersetzungen mit den kreativ gestalteten Feinden läuft in einer Art rundenbasierten Kämpfen ab. Ihr könnt euch das in etwa so vorstellen: Am oberen Rand des Bildschirms befindet sich eine Leiste, die einer kleinen Rennstrecke gleicht.

Dort werden alle Teilnehmer des Kampfes (also jeder Charakter eurer Truppe und die feindlichen Kreaturen) abgebildet. Zu Beginn des Kampfes befinden sich die Bilder jeder Einheit ganz rechts am „Start“. Sobald der Kampf losgeht, „laufen“ die Bilder nach links zum „Ziel“. Seid ihr soweit noch bei mir? Der Charakter, der als Erstes das Ziel erreicht, darf seine Aktion ausführen – also angreifen, verteidigen oder einen Gegenstand benutzen.

Anschließend wird er wieder an den Start gesetzt und rennt erneut los. Die Reihenfolge der Aktionen wird also durch die Schnelligkeit eines Charakters bestimmt. Manche Charaktere können also durchaus zwei- oder dreimal an der Reihe sein, bevor ein Gegner zum Zuge kommt. Eine nette Idee, um Schwung in die Kämpfe zu bringen.

Benutz mich!

Was mir ebenfalls gut an den Kämpfen gefällt: „Fernz Gate“ passt sich mit den Fähigkeiten extrem an die eigene Spielweise an. Ihr levelt nämlich nur die Skills, die ihr auch tatsächlich nutzt. Als Träger von verschiedenen Zauberringen habe ich fast ausschließlich magische Fähigkeiten genutzt, während meine physischen Attacken ziemlich verkümmert sind.

Wollt ihr diese im Nachhinein hochleveln, kommt ihr ums Grinden leider nicht herum. Aber auch das gehört irgendwie für mich zu einem japanischen Rollenspiel dazu. Kleine Mechaniken sorgen übrigens dafür, dass die Monsterjagd nicht zu schnell zur Routine wird: So könnt ihr beispielsweise Freunde, die ihr gerade nicht für eure Truppe braucht (ihr dürft immer bis zu sechs Teammitglieder haben) auf Exkursionen schicken, wo sie hilfreiche Gegenstände und Erfahrung sammeln.

Außerdem dürft ihr euch noch in der Gartenarbeit versuchen, bei der ihr nützliche Früchte anbauen könnt, die euch verschiedene Boni während der Kämpfe liefern – sehr nette Sache. Last but not least: Jede eurer Waffen oder Fähigkeiten lässt sich natürlich noch beim Schmied verbessern und so individuell an eure Spielweise anpassen.

Feiner Soundtrack

Ein letztes Wort noch zur Präsentation: Musik ist bei solchen JRPG immer ein wichtiger Bestandteil und wird auch bei „Fernz Gate“ nicht vernachlässigt. Unaufdringlich, aber dennoch spürbar präsent begleitete mich ein angenehmer Soundtrack durch das Abenteuer – allerdings wird die Musik nie so ikonisch wie bei den großen Vorbildern werden. Trotzdem: Sehr angenehm.

Nur an die ellenlangen Dialoge zwischen den Charakteren muss ich mich wieder gewöhnen – auch das war früher nicht anders. Allerdings kannte man damals noch nicht die Macht von hübsch animierten Zwischensequenzen bzw. hatte man dazu nicht die technische Grundlage. Sei’s drum: Die Dialoge nehmen sich zum Glück nicht sonderlich ernst und beinhalten einige lustige Diskussionen.

Fazit

KEMCO und Exe-Create haben mit „Fernz Gate“ gezeigt, dass sie ihr Handwerk verstehen: Der Titel ist ein klassisches JRPG, das glatt aus der Hochzeit des SNES stammen könnte. Inhaltlich und spielerisch orientiert sich „Fernz Gate“ ganz klar an die Spiele aus dieser Ära und mischt selbst ein paar frische Ideen unter. Daher kann ich jedem, der auf solche Rollenspiele mit rundenbasierten Kämpfen steht, dieses kleine Juwel nur wärmstens empfehlen. Ist mal schön wieder ein Stück Kindheit in modernem Gewandt vor sich zu haben.

Erhältlich für: Xbox One, PS4, PC, Switch, Android, iOS
Website: kemco.jp/sp/games/fg/en/index.html
microsoft.com/de-de/p/fernz-gate/9pdtn43fljm4?activetab=pivot%3aoverviewtab