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FIFA 20

Ein neues Jahr, (k)ein neues Spiel – oder doch besser gleich zwei auf einen Streich? FIFA 20 macht einiges anders.

Jedes Jahr erscheint pünktlich Ende September oder Anfang Oktober EAs Evergreen „FIFA“. Während Kritiker dem jährlichen Release der Fußball-Simulation lediglich einen minimalen Feinschliff und kaum Neuerungen vorwerfen, freuen sich (E-)Fußballfans auf die aktualisierten Kader und frische Spitzfindigkeiten im Gameplay.

Dieses Jahr macht Publisher EA aber ernst: Neben den bereits etablierten Spielmodi verlagert EA das Sportereignis vom Stadion auf die Straße beziehungsweise hoch hinaus auf Dächer. Im Grunde stecken in FIFA 20 diesmal zwei Spiele in einem.

Abseits vom Profigeschäft

Der sogenannte „Volta-Modus“ in FIFA 20 funktioniert quasi wie das von Fans geliebte Spiel FIFA Street. Einziger Unterschied: In FIFA 20 steckt FIFA Street als Menüpunkt bereits drin – und das ohne zusätzliche Kosten. Dieser Modus konzentriert sich auf die tausenden Hobby-Fußballer, die zum Spaß auf kleinen Plätzen kicken.

Ob Straßenfußball auf dem Betonbelag in der Vorstadt oder edlere Locations auf dem Kunstrasen in New Yorks Gassen sowie auf Tokios Hochhäusern – für jeden findet sich hier etwas. Das Geschehen auf dem Platz stellt hier mehr die Technik und pure Freude am schnellen Spiel in den Vordergrund. In Punkto Spielmodi zeigt sich Volta variabel: 3-gegen-3 ohne Torhüter, 4-gegen-4, 4-gegen-4 ohne Torhüter, 5-gegen-5 und Profi-Futsal.

Doch egal wie und wo, hier sind vor allem Schnelligkeit, Genauigkeit und technische Skills gefragt, die im Stadion weniger von Bedeutung sind. Eine wirklich nette Abwechslung vom harten Profigeschäft auf dem Rasen. Einziger Kritikpunkt an dem Modus ist die vielleicht zu cool wirkende Story – auch wenn sich das meiste Geschehen auf dem Platz abspielt, will man als Spieler nicht so recht in die Geschichte eintauchen.

Alles hier macht einen sehr aufgesetzten Eindruck und will nicht so recht ins übrige Gesamtbild passen. Aber schwamm drüber: In Sachen Gameplay passt jedenfalls alles. Neben dem Volta-Modus präsentiert sich FIFA 20 natürlich wieder in gewohnter Manier: „Freies Spiel“, „Karriere“ oder „Online-Modus“ (als Saison oder im Ultimate Team) werden Spieler über Monate beschäftigen.

Optisch hat der Entwickler leicht an der Grafikschraube gedreht, was sich in hübschen und geschmeidigen Animationen auf dem Platz bemerkbar macht. Kurzum: FIFA 20 sieht bezaubernd aus. Doch es gibt auch offensichtlichere Änderungen.

Darf es etwas langsamer sein?

Kennern der Reihe wird sicherlich direkt auffallen, dass sich FIFA 20 deutlich langsamer spielt als seine Vorgänger. Das hat immense Auswirkungen auf die gewohnte Spielweise. Die Spieler auf dem Rasen verhalten sich nun realistischer und damit auch behäbiger als ihre letztjährigen Kollegen.

Wenn nun ein Pass ankommen soll, braucht es etwas länger bis sich ein Spieler gedreht hat und den richtigen Winkel anvisiert. Dadurch bleibt aber auch mehr Platz für taktische Spielerein und verleiht dem Geschehen auf dem Rasen mehr Übersicht. Hat man sich dran gewöhnt, kommt ein anderes Feeling rüber wie noch in FIFA 19. Eine interessante Neuerung, die im Endeffekt eher Geschmackssache ist.

Anders sieht es bei der künstlichen Intelligenz aus: Die eigenen Stürmer laufen sich nun viel besser frei und nutzen die Lücken in der Abwehr. Tödliche Steilpässe kommen so häufiger zustande, was dem FIFA 20 einen aggressiveren Ton verleiht.

Durch dieses neue Spielverhalten verlagert sich das Hauptgeschehen aber viel mehr in die Abwehr beziehungsweise in den Angriff. Das Mittelfeld wird dadurch weitestgehend ausgelassen. Ein weiteres Feintuning haben die Standard-Situationen verpasst bekommen. Ein Flatterball aus der Entfernung, ein schicker angeschnittener Ball vom Sechzehner aus oder einfach Vollspann auf gut Glück in Richtung Tor? FIFA 20 macht das nun möglich – und überlässt es nicht mehr so sehr dem Zufall, wie ein Freistoß endet.

Im Karriere-Modus warten ebenfalls kleine Neuerungen: Es gibt nun eine „Moral“-Funktion, durch die man als Manager in Interviews die Mannschaft- und Spielermoral erhöhen oder eben auch mindern kann. All das wirkt sich nicht allzu sehr auf das restliche Geschehen aus, ist aber ein netter Touch.

Mogelpackung mit herbem Beigeschmack

Ein schlimmes Foul begeht EA jedoch mit der Switch-Version von FIFA 20: Auch wenn die Packung zuggeriert, dass es sich hier um den gleichen Ableger wie auf der Xbox One, PS4 oder dem PC handelt, merkt man bei genauer Betrachtung, dass hier lediglich FIFA 19 drinsteckt. Das ist schon sehr frustrierend für alle Switch-Hobby-Fußballer – besser also auf eine andere Version zurückgreifen.

Ein kleiner Fun Fact, für den EA nichts kann: Wer Superstar Cristiano Ronaldo spielen will, sollte neben dem portugiesischen Nationalteam in der Serie A nach „Piemonte Calcio“ Ausschau halten – Juventus Turin sucht man nämlich vergeblich, da die Mannschaft ihre Namensrechte und ihr Logo nur an den Konkurrenten Konami mit eFootball Pro Evolution Soccer 20 verkauft hat.

Fazit

In diesem Jahr haben die Fans von FIFA 20 den Spiel-Kritikern ordentlich was entgegenzusetzen. EA hat sich bemüht, Neues zu integrieren und Altes zu entfernen. Es entfällt zwar der Story-Modus „The Journey“, macht aber Platz für Volta. Das wirkt ganz erfrischend, nervt nur etwas durch die allzu coole Aufmachung.

Kurz gesagt: FIFA 20 macht viel richtig, aber nicht alles perfekt. Dennoch weht ein neuer Wind durch das Spiel. Ein paar Patches könnten einige Baustellen beheben und „FIFA 20“ zu einem der besten Ableger der Reihe machen.

Erhältlich für: Xbox One, PS4, Switch, PC
Website: ea.com/de-de/games/fifa/fifa-20/features