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Final Fantasy 16

Ein neuer Evolutionsschritt für die Rollenspielreihe: Dieser Titel ist in vielerlei Hinsicht episch.

Ich gebe es offen und ehrlich zu: Ich hatte Final Fantasy zwar auf dem Schirm, aber niemals gedacht, dass es mich derart vom Hocker reißen könnte. Da hat mich Square Enix mit seinem neusten Ausflug der japanischen Rollenspielreihe eiskalt erwischt. Final Fantasy 16 hat mich mit aller Macht gepackt, gefesselt und für viele Stunden nicht mehr losgelassen. Bereit für einen epischen Trip?

Vergangene Zeiten

Um meine Faszination zu verstehen, müssen wir den Blick nach hinten richten: Final Fantasy 15 war damals ein gewagtes Experiment von Square Enix, was die spielerischen Inhalte anging. Aber das war die Reihe seit seiner Entstehung immer schon gewesen – der Name kommt nicht von ungefähr. Jedenfalls wollte man in Teil 15 etwas Neues schaffen und wagte den Spagat zwischen rundenbasierten Kämpfen und Echtzeit-Elementen.

Das gelang meines Erachtens sehr gut und holte mich jedenfalls ab. Ich kann aber auch verstehen, dass das einigen nicht schmeckte. Was ich allerdings etwas befremdlicher fand, waren die Charaktere: Warum sehen die Typen wie eine moderne, japanische Boy-Band aus? All das gehört mit Teil 16 der Vergangenheit an.

Zunächst einmal: In Valisthea, dem Reich, in dem Final Fantasy 16 spielt, herrscht eine angenehme Mittelalter-Atmosphäre. Auch Clive Rosfield, unser Hauptheld, ist weit von Boy-Band und Co entfernt. Es ist ein rauer Zeitgenosse, der gerne sein Schwert zieht oder mit Zaubern auf Gegner losgeht - womit wir schon mittendrin wären im Spiel.

Des Kaisers neue Kleider

Final Fantasy 16 entledigt sich aller Rundenstrategie-Gewänder und schmeißt sich in ein effektreiches Echtzeit-Outfit. Sämtliche Kämpfe spielen sich wie in einem Action-Rollenspiel und damit nicht mehr klassisch, wie die alten Teile. Ganz klar, das muss man mögen. Ich persönlich halte es aber für eine gute Entscheidung. So kommt mehr Flow auf, was ich sehr begrüße. Außerdem zwingt mich das Spiel zu schnelleren Entscheidungen bei den Kämpfen. Aber keine Sorge: All das wird euch schnell ins Blut übergehen. Damit spielt sich Final Fantasy ähnlich wie ein Devil May Cry oder andere Vertreter des Action-Genres.

Die Auseinandersetzungen mit Feinden sind dabei bombastisch inszeniert und geizen nicht mit Effekten. Schwerthiebe reihen sich an Magie-Attacken, um am Ende mit mächtigen Esper-Fähigkeiten den gesamten Bildschirm leer zu räumen. Auch wenn die meisten Kämpfe wirklich nicht zu fordernd sind, unterhalten sie bestens durch die Inszenierung. Und hier wären wir schon beim nächsten Stichwort.

Oh My GOD!

Die Inszenierungen in Final Fantasy 16 können nur mit einem Wort beschrieben werden: episch! Allein die Anfangssequenz, in der die göttlichen Esper-Wesen Phönix und Ifrit gegeneinander antreten, stellen fast schon die Kämpfe von Godzilla und Kong in den Schatten. Eine imposante Bildkomposition trifft auf orchestrale Klänge, die perfekt zugeschnitten sind. Da macht es mir auch rein gar nichts aus, wenn ich teilweise über eine Viertelstunde nur stiller Zuschauer bin.

Clives Story erstreckt sich über einen spielerischen Zeitraum von mindestens 35 Stunden, wenn ihr flott seid. Aber rechnet mal mit mehr, wenn ihr Valisthea ein wenig erkunden möchtet. Und diese Welt ist gefüllt mit Monstern, Schätzen, Geschichten und jeder Menge Spaß. Auch wenn sich das Erkunden nicht immer so sehr lohnt, wie in anderen Spielen dieser Art, genieße ich dennoch die abwechslungsreiche Flora und Fauna, die ich hier präsentiert bekomme.

Sogar die Größe heiße ich willkommen, da es eben nicht so groß ist, wie bei Open-World-Abenteuern. In vielen Momenten, besonders bei den Hauptmissionen, nimmt mich Final Fantasy 16 an die Hand und führt mich brav durch den linearen Ablauf. Also mir gefällt's.

Immer weiter so

Auch dass sich Clive kontinuierlich weiterentwickelt, begrüße ich sehr. Stetig erweitert er seine Fähigkeiten, um mehr Schwung in die Kämpfe zu bringen. Bei seiner Ausrüstung gibt es zwar auch immer wieder Fortschritte, allerdings sehr zurückhaltend. Aber in Summe liefert Square Enix hier ein dickes Spaß-Paket ab.

Selbst die Story um Esper, Domini, unterdrückte Magie-Begabte, Intrigen und Adelsleute konnte mich überzeugen. Hier weht ein Hauch von Witcher 3 oder Game of Thrones durchs Spiel. Wer möchte, kann jederzeit tiefer in die Erzählung eintauchen – ein prima aufgearbeitetes Kompendium und ein weiser Gelehrter in eurem Hauptquartier machen es möglich.

Frisch und abwechslungsreich erzählt

Übrigens nährt sich Final Fantasy sehr geschickt der komplexen Story und führt erst nach und nach wichtige Orte und Charaktere ein. Anfangs dürft ihr euch locker an alles gewöhnen, bis ihr versteht, was ihr hier eigentlich seht. Auch mit Rückblicken wird die Geschichte vorangetrieben und Charakteren mehr Tiefe verliehen. Sehr stimmig.

Grafisch merkt man dem Abenteuer doch leicht die Fesseln der PS5 an: Ich habe immer wieder das Gefühl, dass Final Fantasy 16 auf dem PC nochmals eine Schippe besser aussehen würde. Das soll aber nicht heißen, dass es nicht immer wieder für atemberaubende Momente sorgen wird. Die Entwickler:innen haben ein zauberhaftes Spiel erschaffen, das Besitzer:innen einer PS5 nicht verpassen sollten – womit ich mein Fazit einleite.

Fazit

Haben wir hier schon einen heißen Anwärter auf das Spiel des Jahres? Allerdings! Auch wenn ich es nicht so kommen sah, hat mich Final Fantasy in mehrfacher Hinsicht überrascht. Das actionreiche Kampfsystem und die grandios inszenierten Zwischensequenzen sind Zucker für die Augen. Für mich setzt das Spiel dadurch neue Maßstäbe. Dass sich spielerisch dabei einiges im Gegensatz zu den Vorgängern geändert hat, begrüße ich mit offenen Armen. Mehr vom gleichen hätte ich nicht sonderlich gut gefunden. Final Fantasy 16 fühlt sich damit frisch und äußerst episch an. Fans von Action und einer hervorragenden Preis-Leistung kommen um dieses Spiel nicht herum.

Erhältlich für: PS5
Website: de.finalfantasyxvi.com