Es gibt Spiele, die sind gut. Es gibt Spiele, die sind sehr gut. Und es gibt Spiele, die prägen. Solche, die uns aufzeigen, dass es noch andere Genres außer denen gibt, in denen wir uns normalerweise bewegen. 1997 begegnete ich einem solchen Spiel. Ich erwarb von meinem mühsam zusammen gesparten Geld eine gebrauchte Version von Final Fantasy VII – ein Gänsehautmoment auch noch nach Jahren.
Enorme Erwartungen
Der Rest ist Geschichte. Ich habe unzählige Stunden mit dem Original verbracht. Ich habe ganz klassisch alles erkundet, jeden Charakter aufgelevelt und hätte am Ende dafür sicher eine Platinumtrophäe abgestaubt, wenn es die denn damals schon gegeben hätte. Dementsprechend waren meine Erwartungen an ein Remake enorm.
Ich kann es kaum erwarten, die Geheimnisse Gaias ein weiteres Mal zu erkunden. Ich will wieder Chocobos züchten und mich den Weapons abermals stellen. Denn Final Fantasy VII Remake ist ja schließlich ein Remake und kein Remastered, sprich es soll die besten Seiten des Originals aufgreifen und das Spiel an sich gezielt verbessern. Und eines vorweg: Square Enix hat geliefert.
Ein erster kleiner Misston
Ganz untypisch für einen Test beginne ich allerdings mit einem meiner (wenigen) Kritikpunkte. Denn leider kann ich all das oben Genannte im Moment noch nicht wirklich bewerten. Warum? Ganz einfach: Final Fantasy VII Remake erscheint in mehreren Teilen. In wie vielen, ist noch nicht bekannt. Ebenso wenig wurde bisher ein konkreter Zeitpunkt zur Veröffentlichung des nächsten Teils genannt.
Sicherlich ist das nachvollziehbar bei all der Mühe, die in dieses Spiel geflossen ist. Vielleicht ist das auch irgendwann eine Frage von Datenmengen. Aber es bleibt für mich der leicht bittere Beigeschmack einer Marketingentscheidung. Eines aber vorweg: Wenn die weiteren Teile so gut werden wie der Auftakt, dann hat Square Enix alles richtig gemacht.
Die Rettung des Planeten
Final Fantasy VII Remake behält das Setting und die Geschichte des Originals bei. Ihr steuert den Söldner Cloud Strife, der sich in der Stadt Midgar der Widerstandsgruppe Avalanche rund um ihren sympathisch-ungehobelten Anführer Barret Wallace angeschlossen hat. Deren Ziel ist nicht weniger als die Rettung des Planeten Gaia, auf dem Final Fantasy VII Remake spielt.
Als Feind ausgemacht hat sich Avalanche den Großkonzern Shinra, der die Energie des Planeten, das sog. Mako, zur Energiegewinnung in Reaktoren abbaut. Soweit das moderne Thema, welches Square bereits 1997 im Original aufgelegt hatte. Aus heutiger Sicht allerdings vielleicht etwas befremdlich ist das Pathos, mit dem gerade Barret seine Überzeugungen an den Mann bringt.
Es stellt sich mir tatsächlich die Frage, wie die Geschichte, die Charaktere und die Dialoge bei denen funktionieren, die das Original nicht gespielt haben. Gut möglich, dass diese sich gerade in den ersten Szenen des Remakes wundern, in was für ein komisches Setting rund um Mako, Avalanche und Shinra sie da hineingeraten sind.
Der Spagat zwischen damals und heute
So viel zu den Gemeinsamkeiten mit dem Original. Die Antwort auf die Frage danach, was neu ist, erschöpft sich glücklicherweise nicht nur in der neuen, zeitgemäßen und filmreifen Inszenierung. Diese ist ausgesprochen gut gelungen. Bis auf einige wenige Schönheitsfehler in den Hintergründen hat sich Square Enix hier mächtig ins Zeug gelegt.
Das Spiel sieht nicht nur toll aus, die mehrsprachige Sprachausgabe lässt auch nur wenig zu wünschen übrig. Und vor allem wurde der legendäre Soundtrack von Nobuo Uematsu so gut neu interpretiert, dass die Stimmung des Originals nahtlos aufgegriffen wird. Spielerisch gibt es in dieser ersten Episode des Remakes einige neue Bereiche zu entdecken.
So warten komplett neue Abschnitte Midgars auf ihre Erkundung und es steht ein weiterer Besuch in Shinras Hauptquartier an. Der größte spielerische Unterschied zum Original ist jedoch im völlig neu gestalteten Kampfsystem zu finden.
Ein zweiter kleiner Misston
Während das Original noch auf separate Kampfbildschirme setzte, in denen die Kommandos in aller Ruhe ausgewählt werden konnten, geht das Remake einen ganz anderen Weg. Die Kämpfe sind komplett in die Inszenierung des laufenden Spiels eingebettet. Abgesehen von der Kommandoauswahl laufen sie in Echtzeit ab und ihr wechselt auch in Echtzeit zwischen den Charakteren eurer Gruppe.
Und das müsst ihr auch, denn die Umgebung spielt eine bedeutend größere Rolle als im Original. Um fliegende Gegner anzugreifen, müsst ihr nun tatsächlich Fernangriffe oder Magie einsetzen. Alles in allem laufen die Kämpfe in Final Fantasy VII Remake sehr schnell und sehr actiongeladen ab.
Leider gestaltet sich das anfangs vor allem wegen der freien Kameraeinstellung etwas schwierig und unübersichtlich. Ihr werdet einige Zeit damit verbringen, euch an die neuen Kämpfe zu gewöhnen. Habt ihr diese Phase allerdings hinter euch, dann erwarten euch spannende und unterhaltsame Auseinandersetzungen.
Langfristig ist das sicher eine sinnvolle Weiterentwicklung, gerade wenn es darum geht, eure Charaktere für die großen Herausforderungen des Spiels aufzuleveln.
Der Auftakt einer Sinfonie
Nun habe ich etwas über die Geschichte des Spiels, die Technik und das Kampfsystem geschrieben. Sicherlich mit kritischer Feder. Was ich aber nicht verschweigen will, ist, dass Final Fantasy VII Remake nichts, aber auch gar nichts vom Charme des Originals verloren hat. Es hat mich von Anfang an in einer Art und Weise gepackt, die ich nicht für möglich hielt. Das wird sicher auch den anderen alten Zockerhasen da draußen genauso gehen.
Und allen jungen Hüpfern sei gesagt: Probiert es aus, es lohnt sich! Abschließend kann ich nur sagen, dass Square Enix mit dieser ersten Episode die Messlatte für die Folgeteile sehr hochgelegt hat. Hoffentlich werden die Folgeteile mit genauso viel Liebe und Aufwand aufgelegt. Ich will endlich wieder Cosmo Canyon und Nibelheim von Innen sehen!
Fazit
Ich habe es nicht glauben wollen, aber Final Fantasy VII Remake schafft den Spagat zwischen damals und heute. Die zeitgenössische Inszenierung funktioniert und das neue Kampfsystem macht nach etwas Eingewöhnung richtig Laune. Square Enix hat jedoch etwas geschafft, das ich nicht gedacht hätte.
Sie haben das Flair, die Atmosphäre, quasi die Seele des Spiels mit in die Zukunft genommen. Und sie haben das so gut hinbekommen, dass sowohl Playstation-1-Veteranen als auch junge Zocker ihre helle Freude daran haben. Ich kann die weiteren Episoden kaum erwarten. Klare Kaufempfehlung.
Erhältlich für: PS4
Website: ffvii-remake.square-enix-games.com/de