Meinen ersten Kontakt zur Fire-Emblem-Reihe hatte ich 2019 mit Fire Emblem: Three Houses. Als Anfänger war ich damals von den schier unendlichen Möglichkeiten etwas erschlagen. Insgesamt ist Three Houses zwar ein sehr gutes Spiel, mir war es am Ende dann doch zu komplex. Bei Fire Emblem Engage ändert sich die Marschroute von Intelligent Systems und Nintendo: Im neusten Teil gehen die Entwickler:innen wieder zu den Ursprüngen der Reihe und konzentrieren sich auf die taktischen Schlachten anstatt die sozialen Verflechtungen – was insbesondere mir als Neuling in diesem Franchise sehr zugute kommt. Aber auch Veteranen kommen hier auf ihre Kosten. Also schauen wir uns das mal an.
Ein Held ohne Erinnerung an die Welt
Die Story setzt ihren Fokus auf Alear – wahlweise weiblich oder männlich. Jedenfalls schlummern in diesem Hauptcharakter mächtige Fähigkeiten. Als Drachengeborener hat Alear die Macht die Welt Elyos erneut zu retten. Erneut? Ja, denn vor 1000 Jahren hat Alear bzw seine Mutter den bösen Drachen Sombron bekämpft und besiegt. Doch Sombron ist zurückgekehrt. Und was hat Alear in dieser Zeit gemacht? Geschlafen. Leider erinnert sich der Charakter ein rein gar nichts mehr und weiß auch nichts von seinen Kräften. Und nun kommt ihr ins Spiel. Ihr müsst Alear wieder auf die Sprünge helfen und die Welt retten.
Fire Emblem Engage überrascht jetzt nicht mit einer besonders ausgetüftelten Geschichte, aber zumindest ist diese nett präsentiert – sofern man auf Anime steht. Denn über den Grafikstil von Engage wurde schon heiß diskutiert: Die Figuren sehen sehr niedlich aus mit ihren großen Augen und comichaften Design. Das passt nicht immer zur Story, die sich teils doch ernst und düster präsentiert. Am Ende ist es Geschmackssache.
Starke Herausforderung
Während die Grafik also die Gemüter spaltet, sorgt das spielerische Geschehen auf dem Schlachtfeld für solide Unterhaltung der klassischen Art. Fire Emblem Engage zeigt hier wieder starkes, rundenbasiertes Gameplay nach dem Schere, Stein, Papier Prinzip. Ihr habt unterschiedliche Einheiten, die stark gegen die einen aber schwach gegen die anderen sind. Bogenschützen richten bei Drachen großen Schaden an, gehen aber schnell in die Knie, wenn Nahkämpfer vor ihnen stehen. Ihr kennt das ja. Aber Engage serviert euch hier fordernde Kämpfe, die zum Experimentieren einladen.
Je nachdem, wie gut ihr euch auskennt oder zutraut, dürft ihr den Schwierigkeitsgrad anpassen. Fire Emblem Engage bietet hier auch wieder die Möglichkeit des Permadeath-Modus: Sobald dann einer eurer Gefährt:innen stirbt, ist er oder sie für immer weg aus der Truppe. Das lässt euch besonders intensiv über eure Züge während einer Schlacht überlegen. Nur Alear darf natürlich nicht einfach sterben. Passiert das, heißt es „Game Over“.
Sauron hätte seine helle Freude hieran
Um noch mehr Abwechslung und Taktik ins Spiel zu bringen, könnt ihr in Fire Emblem Engage die Macht der Ringe entfesseln – nein, ich rede hier nicht von der Amazon-Serie. Insgesamt dürft ihr zwölf Ringe finden und benutzen. In jedem Ring schlummert der Geist einer bekannten Figur aus dem Fire Emblem Universum – Kenner der Reihe werden hier in nostalgischen Gefühlen schwelgen. Ich persönlich kannte nur Marth, weil ich von ihm auch eine Amiibo-Figur habe. Dennoch eine schöne Idee, um alte und neue Fans der Reihe zu unterhalten. Aber kommen wir wieder zu den Ringen. Diese könnt ihr mit euren Recken verbinden. Je länger einer einen Ring trägt, desto höher wird dessen Fusion mit dem Ring.
Während der Kämpfe steigt dann der Level nach und nach an. Erreicht er einen bestimmten Wert, könnt ihr den Ringträger mit dem innewohnenden Geist fusionieren. Danach macht dieser für drei Runden lang extra Schaden und hat sogar neue Angriffsmöglichkeiten. Aber auch stärkende Zauber und Waffen unterstützen dann eure Truppen. Der richtige Einsatz der Ringe entscheidet also oft über den Ausgang einer Schlacht – also überlegt euch gut, wie und wann ihr diese Kraft einsetzt.
Fazit
Mir persönlich erweist Fire Emblem einen riesigen Gefallen: Der fast schon zu komplexe Vorgänger wird zugunsten der taktischen Kämpfe stark entschlackt. In Engage erlebt ihr nun eine lineare Story, die jetzt weniger innovativ ist, aber dennoch als Mittel zum Zweck in Ordnung gehen. Das Herz schlägt in den taktischen Kämpfen, die euch immer wieder herausfordern werden.
Noch mehr Tiefe gewinnt dieses System durch die zwölf Ringe der Macht (sorry, dass ich sie immer so nenne). Dennoch machen die Ringe den Unterschied über Sieg und Niederlage. Insbesondere Einsteiger:innen in dieses Universum werden hier bestens abgeholt. Für Veteranen könnte das fast zu einfach sein – in diesem Fall dürft ihr gerne den Schwierigkeitsgrad anpassen. Kurz gesagt: Wer auf Rollenspiele steht und eine Nintendo Switch besitzt, sollte hier unbedingt reinschauen.
Erhältlich für: Switch
Website: nintendo.de/Spiele/Nintendo-Switch-Spiele/Fire-Emblem-Engage-2267157.html