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Fire Emblem: Fortune's Weave

Vier Schicksale, eine Welt und ein taktisches Meisterwerk.

Hier kommt ein Spiel, das seine große Bühne verdient: Fire Emblem: Fortune’s Weave verbindet herausragende Rundengefechte, eine weitläufige Welt und gleich vier miteinander verflochtene Geschichten zu einem der stärksten Fire-Emblem-Abenteuer überhaupt. Exklusiv auf der Nintendo Switch 2.

Ein Reich am Abgrund

Die Handlung spielt auf dem Kontinent Dagda, südlich von Fódlan, das Fans aus Fire Emblem: Three Houses kennen. Ihr müsst Three Houses aber nicht gespielt haben. Fortune’s Weave erzählt seine eigene Geschichte und führt euch in eine Welt, in der mehrere Götter über ein mächtiges Imperium wachen.

Im Mittelpunkt stehen die Heroic Games, ein gewaltiger Wettkampf, der Kämpfer aus unterschiedlichen Ländern nach Dagsion lockt. Ihr begleitet vier Hauptfiguren: Cai, einen jungen Dorfbewohner auf der Suche nach seiner Herkunft, den kampfeslustigen Schwertkämpfer Dietrich, Königin Theodora und die Musikerin Leda, die von Rache angetrieben wird.

Jeder Charakter besitzt eine eigene Kampagne mit eigenen Figuren, Motiven und Wendungen. Erst im späteren Verlauf laufen die Wege zusammen. Dadurch fühlt sich die Geschichte nicht wie vier Varianten desselben Abenteuers an, sondern wie ein großes Geflecht, dessen einzelne Fäden nach und nach ein Gesamtbild ergeben.

Vier Kampagnen, eine große Reise

Die größte Besonderheit liegt darin, dass ihr jederzeit zwischen den vier Handlungssträngen wechseln könnt. Ein zentraler Raum erlaubt es euch, die gewünschte Route auszuwählen und bereits abgeschlossene Kapitel erneut aufzurufen.

Das passt hervorragend zum Thema Zeitreise. Ihr könnt Fehler korrigieren, andere Entscheidungen ausprobieren und neue Entwicklungen in den weiteren Verlauf übernehmen, ohne dafür jedes Mal einen komplett neuen Spielstand beginnen zu müssen. Aus einer zunächst etwas ungewöhnlichen Struktur wird damit ein ausgesprochen komfortables System.

Fortune’s Weave ist außerdem enorm umfangreich. Schon ein einzelner Durchlauf kann viele Dutzend Stunden dauern; wer alle Wege, Figuren und Nebenmissionen sehen möchte, wird noch sehr viel länger beschäftigt sein. Dabei gelingt es dem Spiel erstaunlich gut, die vier Geschichten voneinander zu unterscheiden.

Taktik auf höchstem Niveau

Das Herzstück bleibt der rundenbasierte Kampf auf einem Raster. Ihr bewegt eure Einheiten, nutzt Deckung und Gelände, achtet auf Reichweiten und versucht, aus den jeweiligen Stärken eurer Figuren das Maximum herauszuholen.

Das klassische Waffen-Dreieck wurde diesmal durch ein vielseitigeres System ersetzt. Lanzen richten beispielsweise gegen berittene Einheiten zusätzlichen Schaden an, während Faustwaffen die Ausweich-Fähigkeit verbessern. Dazu kommen Kampfkünste, besondere Fähigkeiten und Waffen mit begrenzter Haltbarkeit.

Die Schlachten sind nicht bloß größer geworden, sondern cleverer. Gegner greifen aus unterschiedlichen Richtungen an, neue Gefahren tauchen während des Kampfes auf und manche Karten zwingen euch dazu, eure Formation ständig neu auszurichten. Gemütlich eine Reihe zu bilden und die Gegner kommen zu lassen, funktioniert nur selten.

Besonders gelungen sind die sogenannten Blaze Arts. Bestimmte verfluchte Artefakte verleihen euren Helden mächtige Fähigkeiten, kosten dafür aber Lebenspunkte und erhöhen eine riskante Finsternis-Anzeige. Ihr müsst also ständig abwägen: Nutze ich jetzt die spektakuläre Attacke oder brauche ich die Lebenspunkte später noch dringender?

Diese Entscheidungen verleihen den Kämpfen eine angenehme Dramatik. Selbst ein kleiner Sieg kann sich riskant anfühlen – und genau dadurch bleiben viele Gefechte lange im Gedächtnis.

Zwischen den Schlachten

Außerhalb der Kämpfe erkundet ihr Dagsion und die umliegende Welt. Ihr trainiert eure Figuren, verbessert Waffen, nehmt an Gesprächen teil, rekrutiert neue Einheiten und stärkt Beziehungen bei gemeinsamen Mahlzeiten.

Die Weltkarte funktioniert dabei fast wie ein großes Brettspiel. Ihr entdeckt Dungeons, Händler, Nebenmissionen, Rastplätze und zufällige Begegnungen. Jede Bewegung kostet Zeit, und zwischen den Heroic Games stehen euch nur begrenzte Zeiträume zur Verfügung.

Klingt jetzt vielleicht nach zusätzlichem Verwaltungsaufwand, entwickelt aber einen starken strategischen Reiz. Ihr müsst euch entscheiden, ob ihr lieber trainiert, neue Verbündete sucht, einen Dungeon erkundet oder rechtzeitig zum nächsten Ereignis zurückkehrt.

Dabei entsteht eine angenehme Spannung: Ihr könnt unmöglich alles erledigen - was mich persönlich fast immer bei Spielen in den Wahnsinn treibt. Zum Glück verlangt Fortune’s Weave das auch nicht. Ihr gestaltet eure Reise nach euren eigenen Prioritäten und erlebt dadurch eine persönlichere Kampagne.

Einsteigerfreundlich, aber nicht seicht

Fortune’s Weave ist komplex, erklärt seine Systeme aber schrittweise. Die erste Hälfte dient dazu, Figuren aufzubauen, Mechaniken kennenzulernen und die verschiedenen Geschichten miteinander vertraut zu machen.

Später zieht der Schwierigkeitsgrad deutlich an. Die Gegner verfügen über bessere Waffen, stärkere Klassen und unangenehme Spezialfähigkeiten. Gleichzeitig bietet euch das Spiel mehrere Möglichkeiten, Fehler abzufangen – darunter göttliche Segen, mit denen ihr Trefferchancen, Ausweichwerte oder Schadensresistenz beeinflussen könnt.

Diese Hilfen machen das Spiel aber nicht leicht. Ihr müsst weiterhin klug planen und eure begrenzten Ressourcen gezielt einsetzen. Wer die Herausforderung sucht, findet außerdem anspruchsvollere Modi, in denen jeder Verlust deutlich schwerer wiegt.

Kleine Schwächen im großen Epos

Bei aller Begeisterung ist Fortune’s Weave nicht makellos. Die schiere Menge an Systemen kann gelegentlich überwältigen. So ging es mir jedenfalls. Zwischen Kämpfen, Weltkarte, Training, Rekrutierung und Nebenmissionen verliert man manchmal das eigentliche Ziel aus den Augen.

Einige Texte und Dialoge geraten zudem unnötig lang und nicht immer schön geschrieben. Oder liegt es an der Übersetzung? Ich bin mir nicht ganz sicher.

Technisch läuft das Spiel auf der Switch 2 mit 30 Bildern pro Sekunde und nutzt Upscaling. Das ist jetzt nicht sonderlich spektakulär, dafür profitieren die Ladezeiten und Animationen deutlich von der neuen Hardware.

Fazit

Fire Emblem: Fortune’s Weave ist ein herausragendes Taktik-RPG und ein mutiger Schritt für die Serie. Nintendo und Intelligent Systems nehmen die bewährten Elemente – anspruchsvolle Rundengefechte, Charakterentwicklung und emotionale Beziehungen – und erweitern sie um vier Kampagnen, Zeitreisen, eine große Weltkarte und ein ausgesprochen vielseitiges Management-System.

Die Gefechte gehören zu den besten der Reihe. Sie sind anspruchsvoll, abwechslungsreich und zwingen euch immer wieder dazu, eure Pläne anzupassen. Gleichzeitig sorgen die vier Hauptfiguren dafür, dass sich eure Reise nicht wie eine endlose Abfolge von Schlachten anfühlt, sondern wie ein großes Fantasy-Epos mit mehreren Blickwinkeln.

Einige Dialoge sind zu lang, und die Vielzahl an Möglichkeiten kann anfangs erschlagen. Doch selbst diese Schwächen entstehen letztlich aus dem enormen Ehrgeiz des Spiels. Fortune’s Weave will viel erzählen, viel bieten und euch über viele Stunden hinweg beschäftigen – und erreicht dieses Ziel beeindruckend oft.

Wer rundenbasierte Strategiespiele mag, kommt an diesem Fire Emblem kaum vorbei. Und wer bisher noch keinen Zugang zur Reihe gefunden hat, bekommt hier einen hervorragenden Einstieg. Fire Emblem: Fortune’s Weave ist nicht nur ein gutes neues Nintendo-Spiel, sondern ein echtes Highlight der Switch 2.

Erhältlich für: Switch 
Webseite: nintendo.com/de-de/Spiele/Nintendo-Switch-2-Spiele/Fire-Emblem-Fortune-s-Weave-2915498.html