Entdecken als Motivation
Das Werk von Fictive Studio setzt auf intuitive Steuerung und die Neugier des Spielers. Als eine Art „guter Waldgeist“ ist es meine Aufgabe, das großräumige Gebiet, in dem ich agiere, von bösen Mächten zu säubern. Diese haben nämlich Besitz über die Tiere des Waldes ergriffen. Nun wandeln die armen Geschöpfe mit einer Maske verziert durch die Gegend. Als letzte Hoffnung muss ich ihnen den Garaus machen – ja, „Forever Forest“ ist nicht nur Friede-Freude-Eierkuchen. Als Belohnung erhalte ich deren Maske. Die gesammelten Masken kann ich an Schreinen dazu nutzen, neue Fähigkeiten zu erlernen.
Die Kämpfe selbst verlaufen alle nach demselben Muster: Mit dem rechten Stick des Controllers sprinte ich – je nach ausgerüsteter Fähigkeit mal länger oder kürzer – in die gewünschte Richtung. Treffe ich dabei einen Gegner, erleidet dieser Schaden. Im weiteren Verlauf des Spiels kann ich diesen Angriff verfeinern und mich selbst stärken. Auf diese Weise teile ich automatisch Schaden aus, wenn mich jemand berührt oder ich katapultiere den Gegner weit weg, so dass ich Zeit gewinne, um meinen nächsten Angriff aufzuladen – alles ganz nett, aber nicht wirklich neu.
Frei und dunkel
Zu Beginn betont „Forever Forest“, dass ihr die freie Wahl habt, was ihr tun wollt – gut so. Ein paar kleine Aufgaben, eingeteilt in vier Kategorien, leiten euch dabei etwas. Doch als kundiger Abenteurer mache ich mich auf den Weg in den Norden. Die Karte ich nämlich so eingeteilt, dass sich unten im Süden die „Sicherheitszone“ befindet. Je höher ich in den Norden vordringe, desto stärker werden die Gegner und andere Gefahren.
Ohne darauf zu hören, dass mir das Spiel ständig unter die Nase hält, ich solle den „nächsten Schrein erobern“, geht es unaufhörlich gen Norden. Dabei aktiviere ich immer wieder verschiedene Schreine – wie ich meine – und rüste mich Stück für Stück mit besseren Fähigkeiten aus. Das Problem an der Sache: Es wird immer finsterer im Norden.
Ja, es wird sogar so dunkel, dass ich nicht einmal fünf Schritt weit sehe. Was genau soll das denn? Ich stolpere ständig in Dornenbüsche hinein, gehe baden oder krepiere an dicken Gegnern, die ich gerne umlaufen hätte. So macht das Ganze wenig Spaß. Und dennoch bleibe ich am Ball – bis mir im wahrsten Sinne des Wortes ein Licht aufgeht. „Erobere den nächsten Schrein“ – inzwischen ganz, ganz weit im Süden gelegen wird mir auf der Karte ein Punkt angezeigt. Nachdem ich diesen besucht habe, erstrahlt das zweite Gebiet in hellem Sonnenschein. Das versteht „Forever Forest“ also unter dem Wort „Schrein“ – nicht etwa die Opferstellen, an denen ich Masken eintauschen kann. Okay, danach ergibt alles wieder einen Sinn...
Tagesroutine zwischen den Bäumen
Allerdings halten sich die verschiedenen Aufgaben in Grenzen. Wirklich viel Abwechslung werdet ihr nicht bekommen. Doch irgendwie stört mich das auch nicht. „Forever Forest“ ist wie ein netter Spaziergang durch den Wald – wäre da nicht ein Schönheitsfehler: Meine Switch-Version hat mit massiven technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sobald ich schnell in eine Richtung eile, stockt der Bildschirm kurz – bei Feindkontakt kann dies sogar tödlich enden. Natürlich ist der Tod nicht das Ende einer Partie, ärgerlich ist es dennoch. Denn nach jedem Ableben gehen sämtliche Boni, die ihr in Form von Früchten gesammelt habt, flöten. Es sei denn, ihr investiert wertvolles Erz, das ihr ebenfalls in der Gegend finden könnt. Hier lauert auch schon gleich das nächste Problem: Die Steuerung zeigt mir nach meinem Tod nicht an, für welche Option ich mich entschieden habe. Es kommt also vor, dass ich Erz verliere, obwohl ich das nicht wollte. Zu allem Überfluss laufe ich die ersten Sekunden nach meiner Auferstehung gespiegelt auf dem Boden der Karte – also eigentlich darunter, kopfüber. Dies behebt sich zwar immer nach einer Weile automatisch, hinterlässt aber einen kleinen Beigeschmack. Denn optisch müsste sich „Forever Forest“ nicht verstecken.
Fazit
Ein Waldspaziergang mit Schattenseiten: „Forever Forest“ ist leichte Unterhaltung mit einigen Schönheitsfehlern. Im Kern lebt das niedliche Spielchen von der Lust am Entdecken und herumirren in einem riesigen Wald voller Gefahren. Spielerisch ist das zwar alles etwas mau, motiviert durch ein paar nette Mechaniken dennoch für eine Weile. Wenn die Entwickler von Fictive Studio nun aber auch die technischen Problemchen in den Griff bekommen, habt ihr hier einen unterhaltsamen Zeitvertreib für Zwischendurch.
Erhältlich für: Nintendo Switch
Website: foreverforest-game.com