Forgotten Fields von Frostwood Interactive ist ein Spiel, das sich bewusst gegen den Strom der lauten, actionreichen Blockbuster stellt. Stattdessen lädt es zu einer ruhigen, nachdenklichen Reise ein, die sich um das Erinnern, das Loslassen und die Suche nach Inspiration dreht. Im Mittelpunkt steht der Schriftsteller Sid, der mit einer Schreibblockade kämpft und sich aufmacht, sein Elternhaus zu besuchen – eine Reise zurück an den Ort seiner Kindheit und in die eigene Vergangenheit.
Zwischen Sommer, Sehnsucht und Sound
Das Spiel besticht vor allem durch seine Stimmung. Die Schauplätze – von sonnendurchfluteten Straßen bis zu verträumten Stränden – sind in einem pastelligen, bewusst einfachen Grafikstil gehalten, der eine fast schon nostalgische Wärme ausstrahlt.
Trotz der schlichten Charaktermodelle gelingt es Forgotten Fields, mit kleinen Details wie wehenden Blättern oder dem Rauschen der Wellen eine glaubwürdige, entspannte Sommeratmosphäre zu schaffen. Die Musik, untermalt von Songs des Singer-Songwriters Altadore, trägt viel zur Melancholie und zum Wohlfühlcharakter bei und unterstreicht die bittersüßen Themen des Spiels.
Alltag, Erinnerungen und Tagträume
Im Kern ist Forgotten Fields ein narratives Slice-of-Life-Spiel. Ihr begleitet Sid durch Gespräche mit alten Freunden, Familienmitgliedern und Nachbarn, während er versucht, Inspiration für sein neues Buch zu finden. Die Dialoge sind glaubwürdig und lebensnah geschrieben und spiegeln die Unsicherheiten und Sehnsüchte eines Menschen wider, der an einem Wendepunkt steht.
Besonders gelungen ist, wie das Spiel zwischen Sids Realität und seinen Tagträumen wechselt: Immer wieder steuert ihr auch die Heldin seiner Romanidee in kurzen, spielbaren Fantasiesequenzen, was die kreative Reise des Protagonisten greifbar macht.
Das Gameplay bleibt dabei bewusst reduziert: Gespräche führen, kleine Rätsel lösen, Gegenstände suchen, Mini-Spiele wie das Werfen eines Steins oder das Anschieben eines Bootes. Diese Aktivitäten lockern die Erzählung auf, sind aber meist recht einfach gehalten und selten fordernd. Die Entscheidungen, die ihr im Verlauf trefft, haben kleinere Auswirkungen und führen zu unterschiedlichen Enden, die sich angenehm organisch anfühlen.
Holprige Steuerung, kleine Bugs
So stimmungsvoll und erzählerisch stark Forgotten Fields ist, so deutlich zeigen sich auch Schwächen in der Technik. Die Steuerung ist oft schwammig, die Kamera lässt sich nicht immer frei bewegen und sorgt gelegentlich für Frust, wenn Objekte oder Wände die Sicht versperren. Charaktere und NPCs bleiben manchmal an Gegenständen hängen, und die Animationen wirken hölzern oder unfreiwillig komisch.
Auch kleinere Bugs können den Spielfluss stören, wobei die Entwickler bereits einige Updates nachgereicht haben, um die gröbsten Probleme zu beheben. Keiner dieser Fehler ist spielentscheidend, aber sie reißen einen gelegentlich aus der ansonsten dichten Atmosphäre.
Fazit: Ein Spiel für Herz und Kopf
Forgotten Fields ist ein Spiel für alle, die sich auf eine ruhige, persönliche Geschichte einlassen wollen. Es ist kein Actionfeuerwerk, sondern eine Einladung zum Innehalten, Nachdenken und Erinnern. Die melancholische Atmosphäre, die stimmungsvolle Musik und die glaubwürdigen Dialoge machen die zwei bis drei Stunden Spielzeit zu einer kleinen Auszeit vom Alltag. Wer sich an der hakeligen Steuerung und den technischen Macken nicht stört, bekommt ein warmherziges, authentisches Wohlfühlspiel, das lange nachhallt – perfekt für verregnete Tage und alle, die das Gefühl kennen, an einer Schwelle im Leben zu stehen.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
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