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From The Ashes – Avatar Erweiterung

Wenn Film und Spiel sich treffen.

From The Ashes ist genau der Punkt, an dem Avatar: Frontiers of Pandora und James Camerons Filmreihe nicht mehr nur „im selben Universum“ existieren, sondern sich ziemlich direkt ineinander verhaken. Der DLC versteht sich ausdrücklich als Ergänzung zum aktuellen Film „Avatar 3: Fire and Ash“ (beziehungsweise „Fire & Ash“ in vielen englischen Listings) und setzt einige Wochen nach den Ereignissen des Films und rund sechs Monate nach dem Hauptspiel an.

Wer also wissen will, wie es auf Pandora nach der nächsten Kinoeskalation weitergeht, bekommt hier die spielbare Zwischenetappe – und die funktioniert erstaunlich gut. Aber Achtung: Es wird kleine Spoiler geben.

Ein Na’vi zwischen Trauer, Wut und RDA-Schrotflinte

Anders als das Basisspiel, in dem eine „Kind der zwei Welten“-Figur die Brücke zwischen Na’vi und Menschen schlägt, rückt From The Ashes einen klar definierten Na’vi-Krieger ins Zentrum: So’lek aus dem Trr’ong-Klan. Nach einem Hinterhalt durch die RDA und deren neue Verbündete – den entsprechend brutal klingenden Ash-Clan – wacht So’lek in einem verbrannten, verwüsteten Teil Pandoras auf, getrennt von seiner Sarentu-Familie und mit einem klassischen Doppelantrieb: Verlust und Rache.

Die Geschichte versucht, aus Na’vi-Perspektive von Trauer und Trauma zu erzählen: verbrannte Gebiete, gefallene Verbündete, Dog-Tags gefallener Ash-Clan-Mitglieder, die man später im Gameplay einsammelt, um So’leks spezielle „Warrior Senses“ zu stärken.

Stärken des Mediums genutzt

Die Stiey ist „gut, aber nicht überragend“, wie mehrere Reviews formulieren – emotional solide, mit klaren Motiven, aber ohne die ganz großen Überraschungen. Interessant daran ist, wie sehr die Atmosphäre der neuen Gebiete die Erzählung trägt: Die „Ravines“, ein stark verbranntes, graues Schluchtengebiet, wirken absichtlich trostlos, sodass jeder noch intakte, lebendige Teil Pandoras wie ein Sehnsuchtsbild wirkt.

Gerade in dieser Gegenüberstellung ist die Verknüpfung mit dem Film spürbar: Der DLC zeigt die Nachwirkungen eines großen Konflikts statt der Explosion selbst – genau das, was eine gute Erweiterung in einem transmedialen Universum leisten sollte.

Bekannter Loop, bessere Pacing-Spritze

Spielerisch bleibt From The Ashes sehr nah am Hauptspiel: halb-offene Regionen, minimaler HUD, Navigation über Na’vi-Sinne statt Minimap, RDA-Außenposten, die man nach typischer Ubisoft-Schule infiltrieren oder frontal überrennen kann. Ressourcen sammeln, Munition und Mahlzeiten craften, Fähigkeiten ausbauen – der bekannte Loop bleibt intakt.

Der entscheidende Unterschied liegt im Tempo. Es ist toll, dass der DLC das Pacing anzieht: weniger Leerlauf, weniger Füllaufträge, stattdessen häufiger gut inszenierte Gefechte, knackige Missionen und merklich bessere Story-Cutscenes. Die neue Warrior-Senses-Fähigkeit von So’lek spielt dabei eine zentrale Rolle: Per Schultertasten auf dem Controller aktiviert man einen kurzzeitigen Rage-Modus, der Angriffskraft und Widerstand drastisch erhöht und es erlaubt, mehrere RDA-Gegner auf einmal zu zerlegen. Coole Sache!

Durch das Sammeln von Dog-Tags gefallener Feinde baut man diesen Modus über den DLC hinweg aus: längere Dauer, mehr Schaden, schnelleres Aufladen. Das sorgt für einen angenehm „gameigen“ Fortschritt innerhalb der ansonsten eher filmisch gedachten Welt – man spürt, wie So’lek lernt, seine Wut zu kanalisieren, ohne die Na’vi-Fantasie komplett in ein Power-Fantasy-Klischee kippen zu lassen.

Neue Feinde, neue Perspektive

Der DLC setzt vor allem auf zwei Gegnertypen: die erneut anrückende RDA mit ihren Mechs, Gunships und Infanteristen – und den Ash-Clan, eine besonders skrupellose Gruppe von Na'vi-Kollaborateuren.

Die Designs der RDA-Einheiten und Ash-Krieger sind stark: klar als „Böse“ erkennbar, mit bedrohlicher Silhouette und passenden Kill-Animationen in den Nahkampf-Finishern. Bosskämpfe werden häufig zu echten Highlights – gefährliche Gegner mit glaubhaftem Bedrohungsgrad, die genug Mechanik mitbringen, um mehr zu sein als Bullet-Sponges.

Endlich eine andere Sichtweise aufs Geschehen

Parallel zur inhaltlichen Verdunkelung führt From The Ashes eine der meistgewünschten Komfortfunktionen ein: einen vollständigen Third-Person-Modus, der sowohl im DLC als auch im Hauptspiel genutzt werden kann. Für viele löst das ein altes Avatar-Fanproblem: Endlich sieht man die eigene, aufwendig ausgestattete Na’vi-Figur beim Klettern, Kämpfen und Reiten, statt nur Hände und Waffe zu betrachten.

Das Third-Person-Gefühl passt überraschend gut zur vertikalen Plattforming-Fantasie von Pandora, auch wenn nicht jede Animation perfekt sitzt. In Summe ist es aber eine der Änderungen, die das Gesamtspiel fast stärker aufwerten als der reine DLC-Content.

Umfang, Struktur und Schwächen

Inhaltlich bewegt sich From The Ashes im Rahmen eines „großen“ Story-DLC: Eine eigenständige Kampagne mit neuen Gebieten, Missionen, Nebentätigkeiten und Sidequests, die je nach Spielweise grob 10–15 Stunden beanspruchen kann. Dazu kommen optionale Outposts, Sammelaufgaben und kleinere Überraschungen, die Fans der Basiswelt ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wenn sie alte Orte und Figuren wiedererkennen.

Ganz frei von Kritik ist die Erweiterung trotzdem nicht. Bestimmte Altlasten des Hauptspiels treten – wiederholte Task-Strukturen, gelegentliche Bugs, KI-Aussetzer – auch hier auf und stören den ansonsten starken Flow. In manchen Gefechten können Glitches und Skriptprobleme die Immersion kurz aufbrechen, und wer schon im Basisspiel mit dem typischen Ubisoft-Outpost-Loop gehadert hat, wird hier keine formale Revolution erleben.

Interessante Nebeninfo: Metacritic- und Userwertungen fallen insgesamt aber deutlich positiver aus als beim Grundspiel und den vorherigen DLCs „The Sky Breaker“ und „Secrets of the Spires“: Besseres Storytelling, dichteres Pacing und eine klarere emotionale Linie werden als Hauptgründe genannt.

Fazit: Starke Brücke zwischen Film und Spiel

From The Ashes macht genau das, was ein guter Story-DLC in einem großen Franchise tun sollte: Es knüpft spürbar an die Ereignisse des Films „Fire and Ash“ an, ohne zum bloßen Epilog zu verkommen, erzählt eine eigene, in sich schlüssige Na’vi-Geschichte und nutzt die Gelegenheit, spielmechanisch ein paar Wünsche der Community zu erfüllen – allen voran den Third-Person-Modus und eine neue, befriedigende Kampf-Fähigkeit.

Die Erzählung ist kein Meisterwerk, aber solide, stimmungsvoll und emotional genug, um So’leks Rache- und Rettungsfeldzug zu tragen. Die neuen Gebiete sind absichtlich weniger „Postkarten-Pandora“, dafür umso eindringlicher als Mahnung, was auf dem Spiel steht.

Wer mit dem Hauptspiel grundsätzlich warm geworden ist, bekommt hier eine der besten Avatar-Spielerfahrungen außerhalb der Filme – mit klarer Empfehlung, den Film zuerst zu sehen, um die zahlreichen Verweise und die zeitliche Einordnung wirklich genießen zu können.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC 
Webseite: store.ubisoft.com/de/avatar--frontiers-of-pandora-tm--from-the-ashes-edition/68c98ac33dddae27ae2268aa.html