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Gangs of Sherwood

Von wegen Strumpfhosen: So habt ihr Robin und seine Bande noch nie gesehen.

Wenn ich Sherwood Forest oder Nottingham höre, muss ich unweigerlich an Robin Hood und seine tapfere Bande denken. Der Rächer der Armen und Benachteiligten fegten im Mittelalter zu Zeiten von Prinz Eisenherz durch das Dickicht. In Gangs of Sherwood haben wir es mit einer anderen Welt zu tun. Kommt mit auf einen actionreichen Raubzug.

Moderne Vergangenheit

Nachdem Nacon mit Steelrising bereits letztes Jahr Steampunk und die französische Renaissance in Einklang gebracht hat, ist diesmal das englische Mittelalter dran. Gangs of Sherwood lässt den Steampunk in Nottingham einkehren. Robin und seine tapferen Gefährten bekommen es hier mit Dampfbetriebenen Maschinen und futuristischen Fluggeräten zu tun. Selbst haben sie auch Waffen, die es im Mittelalter so wohl nicht gab. Von magischen Pfeilen über brennende Keulen bis hin zu magnetischen Messern oder hitzeerzeugenden Schlägen – hier haben sich die Designer austoben dürfen.

Dieses frische Setting ist ein interessanter Ansatz, den Gangs of Sherwood verfolgt. Dabei bleibt die Geschichte im Kern dem Vorbild treu: Ihr sollt Prinz John und dem gemeinen Sheriff von Nottingham den Garaus machen. Dazu tretet ihr entweder alleine oder im Team mit bis zu vier Spieler:innen gleichzeitig an. Zur Wahl stehen euch Robin Hood, Bruder Tuck, Little John und Maid Marian zur Verfügung. Die Charaktere bevorzugen jeweils einen eigenen Stil oder lassen sich grob in zwei Klassen einteilen.

Nah und fern

Während Robin und Marian lieber mit Pfeilen und Messern aus der Ferne angreifen, gehen Tuck und John gerne auf Tuchfühlung mit den Gegnern. So solltet ihr schnell euren Liebling finden, wenn ihr etwas experimentiert. Mir persönlich hat die Abwechslung gut gefallen. Nach jeder Mission habt ihr stets die Chance, euren Charakter zu wechseln. Dadurch müsst ihr euch also nie festlegen. Und wo wir gerade über Missionen sprechen, kommen wir zur Kern-Mechanik von Gangs of Sherwood.

Ihr habt es immer mit kurzen oder mal etwas längeren Missionen zu tun, die euch immer geradlinig durch einen Level führen. Links und rechts sind mal ein paar geheime Truhen versteckt, aber das war es dann auch. So kann euch das Spiel immer wieder schön geskriptet der Handlung entlangführen. Zwischendurch landet ihr immer wieder in Arenen, in denen ihr eine Anzahl Feinde ausknipsen sollt. Am Ende einer Mission trefft ihr immer auf einen besonders starken Mini-Boss oder Boss. Damit hätten wir im Grunde alles abgedeckt, was euch Gangs of Sherwood bietet.

Immer mächtiger

Das soll jetzt nicht abwertend klingen. Spiele wie Devil May Cry oder Call of Duty haben da auch nicht mehr zu bieten. Bei Gangs of Sherwood landen wir nach jeder Mission wieder in Robins Unterschlupf, einer alten Burg. Dort kaufen wir für erbeutete Münzen neue Moves oder Fähigkeiten. Das geht von Kombos bis hin zu Skills, die das Spiel etwas umkrempeln. Beispielsweise kann Robin anfangs bis zu zehn Schatten-Pfeile beschwören und sie auf den Gegner hetzen. Mit einem neuen Skill darf er einen gigantischen Pfeil beschwören, der AE-Schaden macht und immer mächtiger wird. Das ist nur ein kleines Beispiel der Mechaniken.

Jedenfalls dürft ihr Gold nur für die Charaktere ausgeben, mit denen ihr es gesammelt habt. Das bedeutet: Spielt ihr anfangs mit Robin, sammelt einen Haufen Gold und wollt dann auf Marian umsteigen, seid ihr zunächst blank mit ihr. Daher ist ein gewisser Grind immer nötig, wenn ihr später im Spiel umsteigen möchtet auf einen anderen Charakter. Die Missionen lassen sich aber beliebig oft wiederholen.

Täglich grüßt der Zinnsoldat

Apropos Wiederholen. Hier kommen wir zum Knackpunkt des Spiels. Die Feinde wiederholen sich in einer Tour. Ständig bekommt ihr es mit den gleichen fünf Typen zu tun. Und diese benötigen kaum unterschiedliche Taktiken. Draufschlagen und ausweichen hilft bei allen. Dadurch kehrt bei Gangs of Sherwood bald schon etwas Routine ein. Selbst viele der Bisskämpfe laufen nach dem gleichen Schema ab, was etwas schade ist. Seid ihr alleine, dann kann nach ein paar Stunden schon mal die Luft raus sein. Aber zum Glück habt ihr ja noch Freund:innen.

Im Multiplayer-Modus spielt sich Gangs of Sherwood recht flott – und manchmal auch chaotisch. Als Truppe seid ihr teilweise schon sehr übermächtig. Es kracht auf dem Bildschirm, dass die Feinde nur so durch die Gegend fliegen. Da ihr immer etwas in Konkurrenz steht, was Kombos und das Einsammeln von Münzen und das Erreichen von Checkpoints angeht, spielt sich Gangs of Sherwood im Multiplayer-Modus sehr flott. Fast immer endeten die Level, dass wir so schnell wie möglich durchgehetzt sind.

Sprung ins Nichts

Dieser schnelle Ansatz brachte Feuer ins Geschehen, hat aber auch die andere Schwachstelle des Spiels deutlich hervorgehoben: Die Sprungpassagen sind ein Graus. Robin und Co können einen normalen und eine Art Doppelsprung machen. Drückt ihr die Sprungtaste in der Luft erneut, gleitet die Figur ein Stück nach vorne. Wie weit dieses Stück ist, könnt ihr nicht beeinflussen. Und das macht das Hüpfen zur Geduldsprobe. Wie oft bin ich im Abgrund gelandet, weil ich einfach übers Ziel hinausgesegelt bin. Super nervig, aber leicht per Patch zu lösen.

Grafisch gefällt mir Gangs of Sherwood übrigens sehr. Der Comic-Stil gepaart mit Steampunk hat was. Insbesondere die Erzählweise ist sehr nett: Vor und nach jeder Mission stellt ein Puppenspieler dar, was gerade geschieht oder geschehen ist. Das ist schon drollig und lädt zum Schmunzeln ein. Gefällt mir.

Fazit

Gangs of Sherwood hat mich überrascht: Das ungewohnte Setting bringt frischen Wind in die Story um Robin und seine Truppe. Spielerisch macht der Third-Person-Action-Titel ebenfalls eine gute Figur. Nur bei der Abwechslung könnte Nacon hier noch schrauben – und dabei das furchtbare Sprungverhalten aufbessern. Wollt ihr aber gemeinsam für ein paar Stunden Spaß haben, lohnt sich definitiv ein Blick auf den Titel. Persönlich werde ich wohl noch öfters einen Fuss in den Sherwood Forest wagen.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: gangsofsherwood.com/ja-JP