Als ich zum ersten Mal vom Gas Station Simulator gehört habe, dachte ich „Was soll das jetzt?“. Das Werk von Drago Entertainment hörte sich zunächst nicht sonderlich spannend an – da bin ich ehrlich. Aber das gleiche dachte ich anno dazumal auch vom Landwirtschaftssimulator und wurde nach einem ausführlichen Test eines Besseren belehrt. Und was ich vom Gas Station Simulator schon mal spoilern kann: Ich habe an meiner Tanke mehr Zeit verbracht, als mit den Gotham Knights auf Verbrecherjagd zu gehen – und das soll was heißen.
Kauf dir eine Tanke
Der Anfang ist herrlich klischeebeladen und ein wenig absurd: Wir fahren im Video aus der Ego-Sicht auf der Route 66 und sehen in der verstaubten Wüste eine ziemlich heruntergekommene Bruchbude, die mal eine Tankstelle war. Die besten Zeiten hat das Ding hinter sich, weshalb auch ein „Zu verkaufen“-Schild an der Straße steht. Kurz nachdem wir daran vorbeigerauscht sind, steigt der Fahrer auf die Bremse und setzt zurück. Anscheinend hat hier jemand spontan beschlossen ein neuer Tankstellenbesitzer zu sein. Und so beginnt das Abenteuer.
Nach einer wohl nicht sonderlich erholsamen Nacht auf dem Dachboden des Nebenschuppens sehen wir uns zum ersten Mal auf dem Gelände um. Mitten im Nirgendwo hat hier einer vor uns eine kleine Schrottdeponie aufgebaut – so sieht es jedenfalls aus. Unsere erste Aufgabe: Den groben Müll hier entsorgen. Dabei dürfen wir Müllsäcke in riesige Container werfen. Lustig: Das geht auch aus mehreren Metern Entfernung. So gelang es mir einmal aus 30 Metern den Container mit einem Müllsack zu treffen – realistische Physik wird hier nicht ernst genommen, was ich gut finde.
Schritt für Schritt
Für einen besseren Einsteig meldet sich ein ominöser Onkel per E-Mail bei uns. In den Mails erklärt er uns die ersten Schritte und zeigt sich dabei recht spendabel. Die erste Tankfüllung sowie einige Accessoires gehen auf seine Kreditkarte. Während wir auf den Tanklaster warten, räumen wir den Shopping-Bereich etwas auf. Es gilt Bretter von den Fenstern zu nehmen, Müllberge aufzusammeln und den Boden ordentlich zu wischen. Ist das Gröbste entfernt, dürfen wir uns auch um das Äußere unseres neuen Domizils kümmern. Mit ein paar Farben und einer Farbrolle, kleistern wir die Bude nach unserem Belieben zu. Das alles geschieht in Form eines Minispielchens, bei dem etwas Geschick verlangt wird. Unterhaltsam und beruhigend.
Ist der große Benzintank voll, können wir auch die Tanke eröffnen. Während wir auf Kundschaft warten, dürfen wir nebenher immer weiter für Ordnung sorgen. Nach und nach sieht es immer gemütlicher aus – jedenfalls der Teil, in dem sich auch später die Kunden tummeln werden. So-bald jemand an der Tanksäule wartet, erhalten wir eine entsprechende Meldung. Dann müssen wir dorthin eilen und erneut per Minispiel den Tank für die Kundschaft füllen. Je besser wir das machen, desto mehr Trinkgeld gibt es. Ja, der Gas Station Simulator ist noch von der alten Schule.
Willkommen bei den Rednecks
Für etwas mehr Abwechslung könnt ihr weiter euren Hinterhof erforschen: Dort gibt es alte Wracks, bei denen ihr im Kofferraum nach Schätzen suchen könnt. Auch ein alter Arcade-Automat steht dort: Hier sollt ihr ein ferngesteuertes Auto über einen Kurs auf eurem Hinterhof navigieren. Die etwas merkwürdige Physik macht das zu einer echten Herausforderung. Habt ihr darauf keine Lust mehr, dann verschönert doch einfach den Einkaufsbereich. Hier könnt ihr nach und nach immer mehr Objekte hinzufügen. Mann, war ich stolz auf meine erste Kühltheke oder das hübsche Gemälde im Eingangsbereich.
Gas Station Simulator nimmt euch sachte an die Hand und schummelt euch fast unbemerkt immer weitere Einzelteile eines echten Wirtschaftssimulators unter. Es geschieht fast auf natürliche Weise, wie es Stück für Stück komplexer wird, ohne dass ihr es mitbekommt. Es warten natürlich auch einige ärgerliche Herausforderungen auf euch: So malträtiert euch der Junge aus der Nachbarschaft, indem er eure Tankstelle mit Gemälden beschmutzt. Um den Kerl loszuwerden, dürft ihr wahllos Sachen nach ihm werfen – nicht ganz korrekt, aber dennoch unterhaltsam.
Men in Black?
Und ein besonders lustiges Feature: Wenn mal alles schiefgehen sollte vor eurer Tankstelle (z.B. dass sich Kunden stauen und Unfälle produzieren), gibt es einen besonderen Knopf an eurer Werbetafel. Drückt ihr diesen, taucht ein Ufo aus dem Nichts auf und setzt alles wieder in den Normalzustand zurück. Verrückte Idee, die aber zum restlichen Humor bestens passt. Grafisch ist der Gas Station Simulator zwar etwas angestaubt, aber auch das passt hervorragend zum Setting. Wirklich gestört hat mich das nie.
Fazit
Der Gas Station Simulator ist eine durchweg unterhaltsame Sache: Vom ersten Besuch an meiner eigenen Tankstelle habe ich mich wohlgefühlt, weil hier dem Unsinn sein eigenes Plätzchen eingeräumt wird. Es handelt sich hier nicht um eine bitterernste Simulation, sondern um einen spaßigen Zeitvertreib, dem aber ein echtes Wirtschaftssystem zugrunde liegt. Persönlich hätte ich nicht gedacht, dass ich so viel Zeit hier verbringen werden, was ein dickes Kompliment an Drago Entertainment sein soll.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS, Switch
Website: drago-entertainment.com