Wenn es darum geht, es richtig knallen zu lassen, dann verstehen die Entwickler von The Coalition ihr Handwerk. Nun schicken sie die „Gears“-Reihe in die fünfte – eigentlich sechste – Runde. Das Ergebnis ist ein packender Mix aus storylastiger Kampagne gepaart mit explosiven Multiplayerpartien.
To Be continued …
Natürlich ist die Kampagne das Erste, was ich anspiele – ich bin nach der dreijährigen Pause doch gespannt darauf, wie es um Kait Diaz und die Locust steht, beziehungsweise, wie die Verbindung zwischen ihnen aussieht. Jedenfalls treiben die Monster auf Sera immer noch ihr Unwesen und verwüsten brav jeden Landstrich – hier ist kein Mensch mehr sicher.
Das nimmt The Coalition zum Anlass, um euch von einem Ort zum nächsten auf Sera zu jagen und nebenbei eine spannende Geschichte zu erzählen. Allerdings versuche ich mich stark mit Spoilern zurückzuhalten und gehe lieber auf die Neuerungen von „Gears 5“ ein. Denn die rücken die Reihe in ein neues Licht. Im ersten der insgesamt vier Akte fühle ich mich gleich wie zu Hause: Das „Gears“-Gefühl ist immer noch deutlich zu spüren.
Das liegt wohl auch daran, dass ich mir das Tutorial knallhart gegeben habe – weil es beim ersten Start einfach so anfängt, ohne euch zu fragen. Ich dachte, dass ich dadurch in das komplett umgekrempelte Gameplay eingeführt werde. Aber ihr habt es immer noch mit „Gears“ zu tun – als alter Hase steckt euch das im Blut und ihr werdet nicht sonderlich überrascht – höchstens von der Tatsache, dass es keine Überraschungen gibt.
Im Nachhinein finde ich diese Entscheidung von The Coalition irgendwie merkwürdig, dass ihr euch durch das Tutorial boxen müsst. Jedenfalls ist die Steuerung grundsolide und man merkt ihr an, dass sie über die letzten Jahre perfektioniert wurde. „Gears 5“ spielt sich als Deckungs-Shooter hervorragend, wenn ihr von einer sicheren Hürde zur nächsten hechtet, um dann aus der Deckung heraus auf die Gegnermassen zu feuern.
In diesen Moment entfaltet die Reihe ihr volles Potenzial und wird euch auf einem schwindelerregenden Niveau unterhalten. Aber natürlich gibt es auch echte Neuerungen in Sachen Gameplay, wie ihr in den folgenden Zeilen lesen könnt.
Da kann R2D2 neidisch werden
An erster Front steht Begleiter Jack, euer schwebender, mechanischer Sidekick, der den Locust auf unterschiedliche Arten einheizen kann. Denn der kleine Roboter hat seit dem letzten Teil eine Menge dazugelernt. An dieser Stelle lassen die Entwickler einen Hauch von Rollenspiel in die „Gears“-Reihe einfließen – sehr innovativ.
Aber keine Sorge: Das artet nie aus, sondern lässt euch lediglich euren Spielstil etwas anpassen. Denn im Verlauf der Kampagne findet ihr immer wieder Komponenten, mit denen ihr Jacks Fähigkeiten anpassen könnt. Jack kann dadurch länger getarnt bleiben, die Gegner mit Stromschlägen frittieren oder verfügt nach einem Upgrade über mehr Feuerkraft – ganz nach euren Wünschen.
Zudem kann der kleine Helfer an Orte schweben, die für euch unerreichbar wären. Sehr praktisch, wenn dort Waffen, Munition oder Schalter versteckt sind. Im Koop-Modus lassen die Entwickler euch sogar die Kontrolle über den schwebenden Helfer übernehmen. Also an dieser Schraube hat The Coalition genau in die richtige Richtung gedreht.
Schöne, offene (?) Welt
Über die nächste Neuerung stolpere ich dann im zweiten Akt: Plötzlich stehe ich hier in einer Art offenen Spielwelt und nicht mehr in meinen gewohnten Schlauchlevels. Das fühlt sich anfangs wirklich komisch an. „Gears 5“ ist also ein Open-World-Spiel? Nein, eindeutig nicht. The Coalition lässt euch lediglich mehr Freiraum in den Akten 2 und 3.
Ihr entdeckt auf der Karte dadurch kleine Nebenmissionen und könnt mit Fahrzeugen, wie beispielsweise einer wilden Mischung aus Buggy und Surfbrett, durch die Gegend heizen. Ist mal was anderes. Jedenfalls nimmt es Tempo aus dem Geschehen, da ihr nun selbst entscheidet, ob ihr gleich zur nächsten Hauptmission eilt oder doch lieber die Gegend erkundet.
Jedenfalls könnt ihr auf den Beutezügen noch die ein oder andere Komponente für Jack entdecken. Die Idee hinter den offenen Abschnitten kann ich nachvollziehen, bin mit mir selbst aber noch am Hadern, ob ich davon so überzeugt bin. Es fühlt sich manchmal eben nicht mehr wie „Gears“ an, sondern irgendwie beliebig.
Was aber mal eine nette Abwechslung ist, sind die Abschnitte, in denen ich auch mal ganz leichte Schleichpassagen absolvieren darf – alles kein Muss, aber mal was anderes. In den offenen Arealen lauern immer wieder Gegner, die ich so hinterrücks ausschalten darf. Aber erwartet hier kein „Assassin’s Creed“ oder so – zu 95 Prozent ist hier ballern die Lösung hinter Konflikten. Und darauf versteht sich „Gears 5“, wie gesagt, außerordentlich gut.
Genuss für die Augen
Grafisch bekommt ihr ebenfalls eine Menge geboten: Die abwechslungsreichen Gegenden auf Sera, zu denen euch die Story führt, überzeugen mit fantasievollen und detailreichen Umgebungen – wobei ich die Wüstenabschnitte vielleicht zu dröge fand. Aber das liegt wohl an der Natur einer solchen Umgebung.
Dennoch zaubert „Gears 5“ immer wieder bombastische Momente auf den Bildschirm, überrascht euch mit Effektfeuerwerken und präsentiert seine Story in Hollywood-reifem Format. Perfekte Popcorn-Unterhaltung! Aber „Gears“ wäre nicht „Gears“ ohne einen ordentlichen Multiplayer-Modus. Und auch hier punktet der fünfte Teil mit massig Inhalten und Spielspaß.
Im Grunde hat The Coalition hier nicht viel geändert: Ihr dürft euch immer noch in Deathmatches, King of the Hill oder Dogeball die Rübe wegballern. Wollt ihr gemeinsam mit eueren Kumpels gegen die KI in den Krieg ziehen, geht das natürlich auch wieder: Im Horde-Modus müsst ihr euch insgesamt 50 Wellen an Gegnern stellen, die es in sich haben.
Ganz neu ist diesmal der Escape-Modus: Darin werdet ihr mit Freunden in einen Schwarmstock entführt und nehmt diesen von innen heraus auseinander – allerdings unter Zeitdruck und mit sehr begrenzter Munition. Dieser Modus eignet sich daher am besten für fortgeschrittene Spieler und gut koordinierte Teams. Wie gesagt: Über Inhalte oder fehlenden Spaß braucht ihr euch keine Sorgen zu machen.
Fazit
„Gears 5“ ist ein solider Spaß-Garant, für den man gerne seine Xbox One einschaltet. Die Story überzeugt mit einer packenden Geschichte, samt überraschender Wendungen und kinoreifen Zwischensequenzen. Das Gameplay wurde an einigen Stellen optimiert und geht perfekt ins Blut über.
Die Neuerungen sind hingegen ein zweischneidiges Schwert: Während die Rollenspiel-artige Verbesserung eures Roboter-Kollegen Jack hier frischen Wind in die Reihe bringt, sind die offenen Areale Geschmackssache. Schlechter machen sie das Spiel aber nicht – nur langsamer.
Dafür lässt es The Coalition an allen Ecken und Ende krachen – die Action kommt hier nie zu kurz. Für mich als Fan der Reihe steht „Gears 5“ an der vordersten Unterhaltungsfront. Solltet ihr auch nur einen Hauch Interesse für das Genre haben, dann ist das hier euer Spiel!
Erhältlich für: Xbox One, PC
Web: gears5.com