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Gecko-Bot von Kosmos

Ein Wandkletterer mit Bodenhaftung

In meiner Vorstellung war das Szenario beim Auspacken absolut klar: Ich baue den Gecko-Bot zusammen, setze ihn an die Wand und schaue entspannt zu, wie er lässig die Senkrechte bezwingt oder vielleicht sogar kopfüber an der Zimmerdecke entlang flitzt.

Die Realität sah am Ende dann doch ein wenig erdungsorientierter aus. Der Gecko-Bot und ich mussten erst einmal eine intensive Beziehungsarbeit leisten, bevor er auch nur einen Zentimeter in der Vertikalen geschafft hat. Wer hier ein „Einschalten und Losklettern“-Erlebnis erwartet, sollte direkt eine ordentliche Portion Geduld und Experimentierfreude mit aus dem Karton ziehen. Aber das mindert nicht den Spaß am Bauen und Experimentieren.

Der Aufbau: Entspannung pur für junge Tüftler

Bevor wir zu den eigentlichen Kletterkünsten kommen, werfen wir einen Blick auf das Innere. Im direkten Vergleich zum „Endgegner Nylonfaden“, den ich beim Bionic Robotic Arm (sehr zu empfehlen!) bezwingen musste, ist der Gecko-Bot ein echter Wohlfühl-Bausatz.

In entspannten drei bis vier Stunden steht das Tierchen fix und fertig vor einem. Besonders schön ist dabei, dass der Prozess absolut kindgerecht gestaltet wurde. Hier können auch jüngere Ingenieure erste echte Erfolge feiern und zusehen, wie aus vielen kleinen Zahnrädern und Hebeln Stück für Stück ein mechanisches Lebewesen entsteht.

Die richtige Ausstattung ist Pflicht

Auch wenn das Set für Einsteiger optimiert ist, sollte man beim Werkzeug keine Kompromisse machen. Die Basics gehören einfach in jeden Bastlerhaushalt: Ein feiner Seitenschneider für die Gussrahmen, eine Feile zum Entgraten der Plastikkanten und ein Schraubendreher im passenden Format sind Pflicht, damit am Ende alles sauber ineinandergreift.

Begleitet wird der Bau wieder einmal von einem hervorragenden Heft. Kosmos schafft es hier spielend, das Thema Saugkraft und die biologischen Hintergründe der Van-der-Waals-Kräfte bei echten Geckos zu erklären. Das ist bionisches Wissen zum Anfassen, das nicht nur den Nachwuchs, sondern auch uns Erwachsene kurz staunen lässt.

Der Praxistest: Ein sauberes Vergnügen mit Tücken

Kommen wir zum kritischen Teil: dem Klettern. Damit der Gecko-Bot nicht sofort den Abflug macht, muss die Umgebung klinisch rein sein. Sowohl die Glasoberfläche als auch die Saugnäpfe dürfen kein Körnchen Staub aufweisen.

In meinem Test hat sich ein großer, frisch geputzter Spiegel als der beste Freund des Geckos erwiesen – auf normalem Fensterglas war es oft ein Kampf gegen die Schwerkraft. Vielleicht ist das aber auch ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass ich mal wieder die Scheiben putzen sollte. Egal, es war jedenfalls ein kleiner Kampf.

Merkwürdige Entscheidung

Dabei bin ich auch auf meinen größten Kritikpunkt gestoßen: das Design des An- und Ausschalters. Dieser liegt unverständlicherweise auf der Unterseite des Modells. Das mag aus optischen Gründen logisch sein, taugt in der Praxis aber nicht sonderlich gut.

Man versucht also, den Bot vorsichtig und mit dem richtigen Druck an die Scheibe zu pressen, damit die Saugnäpfe greifen, und muss dann blind auf der Unterseite herumfummeln, um den Motor zu starten. Bei diesem Manöver sind mir prompt mehrfach die Beine abgefallen, da die Plastikschrauben bei seitlicher Belastung nicht die stabilsten sind. Hier wäre ein Schalter am Rücken oder an der Seite deutlich nutzerfreundlicher gewesen.

Mein Fazit: Ein lehrreiches Experiment mit Charakter

Alles in allem ist der Gecko-Bot ein faszinierendes Stück Technik, das allerdings eine klare Erwartungshaltung erfordert. Als reiner Kletterkünstler für das Fensterbrett ist er aufgrund der anspruchsvollen Haftung und des unglücklich platzierten Schalters manchmal etwas frustrierend. Er ist kein Spielzeug, das man einfach einschaltet und vergisst, sondern ein echtes Experimentierobjekt. Man muss verstehen lernen, wie Vakuum und Oberflächenbeschaffenheit zusammenwirken, um den kleinen Kerl wirklich zum Laufen zu bringen. Wenn er dann aber über den Boden oder den Spiegel marschiert, mit dem Kopf wackelt und die Zunge herausstreckt, ist er einfach ein unglaublich niedliches und technisch beeindruckendes Gadget.

Für junge Forscher, die Spaß am Konstruieren haben und gerne tüfteln, ist der Kasten eine tolle Empfehlung. Der Lerneffekt durch das Begleitheft und das Erfolgserlebnis beim Zusammenbau wiegen die kleinen Designschwächen am Ende wieder auf. Man bekommt hier kein perfektes ferngesteuertes Auto, sondern ein mechanisches Puzzle, das zum Nachdenken anregt. Wer bereit ist, den Fensterputzlappen zu schwingen und den Bot mit ein bisschen Fingerspitzengefühl zu unterstützen, wird mit einem charmanten bionischen Freund belohnt, der definitiv Schwung in jedes Kinderzimmer bringt.

Webseite: www.kosmos.de/de/gecko-bot