Kaum ein Simulator verspricht so sehr den Kind-im-Bagger-Fahrertraum zu erfüllen wie Giant Machines 2017, das nun auch auf Xbox Series X|S aktuell eine neue Plattform erobert hat.
Bevor wir tiefer eintauchen: Warum trägt ein gerade erst neu erschienenes Spiel die Jahreszahl 2017 im Titel? Die Antwort ist simpel: Das Original erschien tatsächlich schon 2016/2017 für PC; die Zahlen im Namen verweisen ganz klassisch auf das Veröffentlichungsjahr der Urversion. Die brandneue Konsolenveröffentlichung bringt den „Schwerlast-Simulator“ jetzt aber erstmals auf Xbox und bald auch PlayStation 5 – mit den gleichen wuchtigen Maschinen und Missionen wie einst.
Sieben Giganten, viele Missionen
Das Herzstück des Spiels ist klar: Du steuerst sieben der größten Industriemaschinen der Welt, darunter Bagger, Raupenfahrzeuge, gigantische Kräne und sogar jene legendäre Plattform aus der NASA, die das Space Shuttle ins All bugsierte. Wer schon als Kind von dumpfem Hydraulikzischen und Riesenreifen träumte, wird sich in den 14 Story-Missionen sofort zu Hause fühlen. Diese führen dich zu realistisch nachempfundenen Schauplätzen weltweit – von Grönland über Wyoming bis nach Florida.
Missionsziele wie Siliziumabbau, Uranverladung oder Transportaufgaben strukturieren das Spiel, das dich mit Funkanweisungen vom Erzabbau bis zum Shuttle-Transport alles selbst erledigen lässt. Kein Wunder, dass du „Mädchen für alles“ bist: NPCs gibt es kaum, abgesehen von einem Erzähler, der dich durch die einzelnen Steps lotst und als Anleitung und Begleitung fungiert.
Physik und Steuerung: Schwergängig, aber stimmig
Einmal drin, kommt die Faszination für Technikfans schnell auf: Die Maschinen wirken glaubhaft, wenn auch ohne reale Markenlizenz (wer genau hinschaut, erkennt z.B. „Lehbeer“ statt Liebherr auf dem Schild). Die Bedienung ist dabei überraschend tief: Jedes Cockpit bietet eine Vielzahl an Hebeln und Knöpfen, die allesamt animiert sind und sich so beinahe wie im echten Maschinenführeralltag anfühlen. Du steuerst entweder aus der detaillierten First-Person-Kabinenansicht oder unterschiedlichen Außenperspektiven, je nachdem, ob du lieber Überblick oder Immersion hast.
Die eigens entwickelte Physik sorgt dafür, dass jedes der Fahrzeuge seine Masse spüren lässt. Wer einen Schaufelradbagger samt Förderband bewegen will, erkennt bald: Schnell geht hier gar nichts. Das Spiel ist streckenweise meditativ langsam – erst recht, wenn der riesige Crawler mit angehängtem Space Shuttle gerade mal 5 km/h packt. Dadurch kann sich das Game schleppend anfühlen, ist aber von der Grundidee her realistisch – Schwerlast heißt hier wirklich schwer.
Nicht nur Stahl, sondern auch Herausforderung
Um die Sache aufzulockern, gibt es überraschend abwechslungsreiche Level. Missionen zum Wetterchaos sind genauso dabei wie Schneeräum-Abschnitte oder sogar Fluchtsequenzen vor Tornados. Solche Szenen bringen Abwechslung, auch wenn sie etwas ins Absurde kippen und die ohnehin tendenziell schwammige Fahrphysik kleinerer Fahrzeuge (vor allem beim schnellen Kurvenfahren) herausfordern.
Die Bedienung wechselt je nach Mission zwischen Standardsteuerung (samt Gas/Bremse) und detaillierter „Operator“-Ansicht, in der du z.B. am Bagger gezielt die Schaufel steuerst. Gerade für Simulationsfans ist das ein echtes Plus, da du wirklich viel Kontrolle über jeden Handgriff erhältst. Für Einsteiger wirkt das jedoch schnell komplex und wenig zugänglich – eine Herausforderung, der man sich aber stellen kann.
Realismus mit Ecken und Kanten
Optisch bleibt Giant Machines 2017 dem Genre-Selbstverständnis treu: Die Maschinen selbst sind detailverliebt, der Rest der Welt eher funktional und manchmal etwas trist. Grafische Höhepunkte durch schicke Texturen oder grandiose Weitsichten darf man ebenso wenig erwarten wie real lizenzierte Markennamen an den Baukolossen. Negativ sticht einzig die Lokalisierung heraus: In der deutschen Version finden sich Übersetzungs-Kuriositäten („Brauch“ statt „High“, „Klingen“ statt „Sound“ und einige mehr). Wer Englisch versteht, sollte die Sprache auf jeden Fall umstellen, um maximalen Spaß zu haben.
Soundtechnisch erfreut ein simples, aber überraschend zufriedenstellendes In-Game-Radio, das verschiedene Genres bietet und lizensierte Tracks für Abwechslung sorgt. Immerhin: So klingt der Baustellenalltag gar nicht mal so schlecht.
Technik und Spielgefühl
Technisch läuft das Spiel auch auf der neuen Hardware ordentlich: Heavy Bugs blieben im Test aus – die Physik hält, was sie verspricht, und auch anspruchsvollere Missionen (etwa komplexe Kranarbeiten oder Förderband-Logistik) funktionieren stabil. Das macht „Giant Machines 2017“ zu einem der solideren Simulator-Erlebnisse, bei denen nicht der nächste Glitch das größte Abenteuer ist, sondern ganz klar das Meistern der wuchtigen Technik.
Viele Aufgaben sind trotzdem eher lang und manchmal eintönig – das gehört jedoch zum ehrlichen Ansatz des Simulators und unterscheidet ihn angenehm von den völlig absurden „Simulator“-Klonen.
Fazit: Für echte Maschinenfans – oder neugierige Einsteiger
Giant Machines 2017 ist und bleibt ein Spiel für eine besondere Nische: Wer riesige Technik liebt und sich gerne in komplexe Steuerungen einarbeitet, wird hier mit realistischen Aufgaben, authentischer Geräuschkulisse und tatsächlich imposantem Maschinenfeeling belohnt. Die Steuerung ist herausfordernd, die Bestellung „Schwerlast-Sim“ hält das Spiel auf ganzer Linie ein. Leider merkt man dem Titel sein Alter an: Grafisch eher durchschnittlich, wenig Inszenierung und eine stellenweise dröge Missionsstruktur, doch dafür gibt’s authentischen Maschinenalltag auf höchstem Niveau.
Der Name mag aus dem Jahr 2017 stammen, aber an der Faszination und am Umfang hat das Game auch 2025 beim Sprung auf die Konsolen nichts eingebüßt. Wer wissen will, wie sich echte Giganten anfühlen – oder einfach Lust hat, das Space Shuttle mal auf sechs Rädern über die Rampe zu bugsieren – kann hiermit viele spannende Stunden verbringen.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Webseite: store.steampowered.com/app/402750/Giant_Machines_2017