Unterhaltung Games

Go North

Ein Labyrinth, viel Ruhe, wenig Story

Go North schickt euch auf eine Reise, die alles andere als hektisch ist. Ihr erkundet handgemachte Labyrinthe, löst kleine Umgebungsrätsel und lasst euch dabei ordentlich Zeit. Klingt entspannt für euch? Dann kommt mit auf eine ruhige Reise.

Mit guten Absichten ins Abenteuer

Ihr spielt Dara, eine sogenannte "Littler" auf dem Weg zum mythischen Maze God. Der erfüllt einen einzigen Wunsch, und Dara will damit ihre kranke Mutter retten. Auf dem Weg trefft ihr drei sogenannte Maker, gottgleiche Wesen, die jeweils ihr eigenes Labyrinth beherrschen. Dazu kommt die Gruppe Broken Compass, die eure Reise nach Norden am liebsten stoppen würde. Wenn ich das so lese, klingt das echt schräg. Aber im Spiel macht das alles durchaus Sinn.

Entwickelt hat das Spiel übrigens Tade Ajiboye unter dem Studionamen Gazuntype, ein Entwicklerteam aus Nigeria, das mit Go North sein bislang ambitioniertestes Projekt vorlegt. Das erklärt auch den frischen, eigenständigen Ton der Welt, die sich bewusst von typischen westlichen Cozy-Games abhebt und trotzdem sofort vertraut wirkt.

So spielt es sich

Die Steuerung bleibt bewusst simpel, ihr müsst euch also nicht durch komplizierte Menüs kämpfen. Stattdessen erkundet ihr, sammelt besondere Werkzeuge und helft nebenbei anderen Entdeckern bei kleinen Nebenquests. Genau dieses gemütliche Tempo ist der eigentliche Kern des Spiels, und ihr merkt schnell, dass Go North von euch verlangt, einfach mal langsamer zu machen.

Für einen kompletten Durchlauf braucht ihr etwa sieben Stunden. Technisch läuft dabei fast alles rund, ohne dass mir während der Spielzeit ein Bug aufgefallen wäre. Für so ein kleines Studio ist das schon eine super Leistung. Respekt!

Go North verwandelt ein simples Labyrinth in ein entspanntes Abenteuer, bei dem euch die Umgebung eher zum Verweilen als zum Hetzen einlädt. Wer schon Titel wie A Short Hike oder ähnliche Walking-Sim-Hybride gemocht hat, dürfte sich hier ziemlich schnell zu Hause fühlen.

Was richtig gut funktioniert

Die Umgebungen sind das große Highlight. Jedes Labyrinth wirkt liebevoll von Hand gestaltet statt zufällig zusammengewürfelt. Das trägt zum Großteil der Atmosphäre bei. Zusätzlich bietet euch das Spiel Multiplayer-Optionen und prozedural erzeugte Labyrinthe, was euch über die Hauptgeschichte hinaus noch etwas beschäftigt.

Auch die vielen kleinen Nebenfiguren tragen zur Atmosphäre bei. Ihr trefft immer wieder schrullige Entdecker mit eigenen kleinen Anliegen, und diese Begegnungen lockern die reine Labyrinth-Erkundung angenehm auf. Das Gefühl, wirklich durch eine lebendige, wenn auch ruhige Welt zu wandern, entsteht genau durch diese Details am Rand des Weges.

Wo es hakt

Die Geschichte bleibt leider die größte Schwachstelle. Dara bekommt zu wenig Tiefe, wodurch ihre Reise emotional selten wirklich zündet. Mehrere interessante Ansätze werden angeteasert, aber kaum zu Ende erzählt, was schade ist, weil das Grundkonzept eigentlich clever ist. Auch die Steuerung reagiert nicht immer zuverlässig, was den entspannten Fluss gelegentlich unterbricht. Aber das ist wirklich nur eine Kleinigkeit.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft das Tempo selbst. Manchmal ist das Spiel etwas langsamer, als es eigentlich sein müsste. Zudem könnte es mehr Herausforderung oder spielerische Würze vertragen. Wer auf knackige Rätsel oder echten Widerstand hofft, wird hier eher enttäuscht, denn Go North setzt fast durchgehend auf Entschleunigung statt auf Action.

Fazit

Go North zieht euch vor allem über seine Optik und die Lust am Erkunden in seinen Bann. Erwartet dabei keine große, mitreißende Geschichte, denn die Welt trägt das Spiel deutlich stärker als ihre Erzählung. Wer Lust auf ein gemütliches Adventure mit Herz für Umgebungen hat, findet hier trotzdem einiges zum Mögen.

Unterm Strich bleibt ein Spiel, das genau weiß, was es sein will: eine ruhige Wanderung durch hübsche, handgemachte Welten mit ein paar netten Begegnungen am Wegesrand. Wer sich darauf einlässt und keine großen erzählerischen Wendungen erwartet, bekommt für den fairen Preis ein charmantes kleines Cozy-Erlebnis, das noch lange nach dem letzten Labyrinth in Erinnerung bleibt.

Erhältlich für: Xbox, PC

Hier geht es zur Webseite