God of War Sons of Sparta ist ein mutiger kleiner Seitenpfad für die Reihe: kein neues Blockbuster-Monster wie Ragnarök, sondern ein 2D-Action-Adventure mit Metroidvania-Schlagseite, das den jungen Kratos und Deimos in den Mittelpunkt stellt. Das Ergebnis ist ein gutes, aber deutlich kleineres God of War – eines, das vor allem mit seiner Bruder-Geschichte punktet, spielerisch jedoch nicht jeden Fan restlos überzeugen wird.
Ein anderer Kratos
Der wohl größte Reiz von Sons of Sparta liegt darin, dass ihr einen Kratos erlebt, den die Reihe so bisher kaum gezeigt hat. Er ist hier noch kein Gott, kein gebrochener Vater und auch noch nicht die unaufhaltsame Naturgewalt der späteren Spiele, sondern ein junger Spartaner in der Agoge, pflichtbewusst, ehrgeizig und überraschend menschlich.
Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Deimos macht ihr euch auf die Suche nach einem verschwundenen Kameraden, was zunächst fast wie ein jugendliches Abenteuer auf griechischem Boden wirkt, später aber deutlich emotionaler und schwerer wird. Gerade die Dynamik zwischen den Brüdern ist der größte Pluspunkt, weil sie Kratos eine Seite gibt, die irgendwo zwischen Strenge, Unsicherheit und echter Fürsorge liegt. Wenn ihr immer mal wissen wolltet, wie aus diesem Jungen irgendwann der rasende Berserker der Hauptreihe wurde, dann liefert Sons of Sparta genau dafür spannendes Futter.
Zwischen Metroidvania und God of War
Spielerisch ist Sons of Sparta eine deutliche Kursänderung. Statt einer großen 3D-Inszenierung bekommt ihr ein 2D-Action-Adventure mit verbundenen Gebieten, Rückwegen, neuen Fähigkeiten und klassischem „Hier komme ich später mit dem richtigen Tool wieder hin“-Gefühl. Kratos kämpft hier nicht mit den Blades of Chaos, sondern mit Speer und Schild, ergänzt durch olympische Gaben, die sowohl im Kampf als auch beim Erkunden neue Möglichkeiten eröffnen.
Genau an dieser Stelle scheiden sich die Geister ein wenig. Einige Kritiken loben die klare, zugängliche Struktur, die angenehme Bewegung durch die Welt und das Gefühl, dass God of War in diesem kleineren Format erstaunlich gut funktioniert. Andere halten das Metroidvania-Design eher für „solide“ als für wirklich herausragend und bemängeln, dass das Spiel weder die Wucht der großen God-of-War-Teile noch die Raffinesse der besten Genrevertreter komplett erreicht. Persönlich gefällt mir dieser Versuch aber sehr gut.
Kämpfe mit Speer statt Kettenklingen
Im Kampf funktioniert Sons of Sparta am verlässlichsten. Kratos hat trotz des anderen Settings genügend offensive Möglichkeiten und Speer, Schild, Konter und freischaltbare Fähigkeiten ergeben ein schön direktes, präzises Kampffeeling. Bosskämpfe sind immer ein Highlight, weil sie das Mythologie-Thema gut ausspielen und euch spürbar mehr abverlangen als gewöhnliche Gegner.
Allerdings gibt es auch hier Abzüge in der B-Note. Das Spiel erklärt seine Werkzeuge nicht immer gut und die Kämpfe können sich auf Dauer etwas repetitiv anfühlen, wenn ihr auf mehr systemische Tiefe hofft. Gerade im Vergleich zu den modernen Hauptteilen fehlt naturgemäß diese brachiale, kinoreife Eskalation, die God of War sonst oft auszeichnet. Wenn ihr euch darauf einlasst, dass Sons of Sparta kleiner, kompakter und retrohafter denkt, scheint das Kampfsystem aber stark genug zu sein, um euch zuverlässig bei der Stange zu halten.
Retro-Look mit modernen Ambitionen
Optisch setzt das Spiel auf 2D-Pixelgrafik und bewusst nostalgische Präsentation, was anfangs sicher irritieren kann, wenn ihr bei God of War automatisch an cineastische 3D-Bilder denkt. Die Umgebungen bieten dennoch Abwechslung, und auch die mythologischen Gegner sowie die Bosse wurden gut in den typischen God-of-War-Pathos übertragen.
Nicht überall trifft der Stil aber ins Schwarze. Gerade menschliche Charaktermodelle und Gesichtsanimationen können nicht immer mit der Stärke der Hintergründe und Monsterdesigns mithalten. Das klingt nach einem Spiel, das stilistisch öfter charmant als spektakulär wirkt – und das ist für einen Spin-off dieser Art wahrscheinlich auch die passendere Erwartung.
Fazit
God of War Sons of Sparta ist kein neuer Seriengipfel, aber ein kluger, sympathischer und stellenweise überraschend emotionaler Ausflug in Kratos’ Jugend. Wenn ihr euch ein kompaktes God of War mit Speer, Schild, 2D-Erkundung und einer starken Bruder-Dynamik vorstellen könnt, dann bekommt ihr hier ein lohnendes Abenteuer, das nicht alles perfekt macht, aber genug richtig, um mehr zu sein als bloße Fanfiction mit offizieller Lizenz.
Wenn ihr dagegen vor allem auf das nächste cineastische Überbrett mit maximaler Wucht und AAA-Inszenierung hofft, solltet ihr eure Erwartungen bewusst kleiner einstellen. Sons of Sparta funktioniert genau dann am besten, wenn ihr es nicht als „neues Ragnarök“, sondern als gut gemachtes, mutiges Nebenwerk betrachtet – eines, das Kratos’ Vergangenheit sinnvoll erweitert und dabei angenehm eigene Wege geht.
Erhältlich für: PS
Webseite: playstation.com/de-de/games/god-of-war-sons-of-sparta