Kommt ein Engel und ein Dämon in eine Bar. Was sich anhört wie ein schlechter Schenkelklopfer ist der Auftakt einer brandheißen Mission von „God’s Trigger“. Die Situation endet nicht mit einem Lacher, sondern mit dutzenden Leichen und einer mächtigen Explosion, nachdem die Bar wohl niemand mehr betreten wird. Willkommen in der unterhaltsamen Welt der Top-Down-Shooter.
Zwangsgemeinschaft
Obwohl Judy und Harry grundverschieden sind – und wir reden hier nicht nur von unterschiedlichen Hobbies! – müssen die beiden zusammen kämpfen, um die Apokalypse zu verhindern. Judy ist nämlich eine Dämonin und Harry ein Engel – also direkte Wiedersprüche. Entwickler One More Level nutzt diese Kombi allerdings, um ein Spaß-Feuerwerk der Spielszene abzufackeln.
Grundsätzlich erinnert mich das Spiel in erster Linie an „Hotline Miami“ – nur in viel besserer Optik. Ihr schaut von oben herab auf euren Helden und navigiert ihn oder sie durch die einzelnen Levels. Dabei ist nicht nur ein guter Überblick nötig, sondern ein noch besseres Händchen am Abzug. „God’s Trigger“ wird euch richtig fordern in den späteren Levels.
Ein Fehler – und peng! – seid ihr nur noch ein Blutfleck. Aber so ein Engel und ein Dämon wissen sich zu wehren. Zunächst einmal dürft ihr fließend die Charaktere während der Einsätze wechseln – und das ist auch bitter nötig. Denn in manchen Situationen kann nur Harry helfen, in anderen muss Judy ran. Beispielsweise ist Harry ein Spezialist im Wände zertrümmern, Judy hingegen darf sich agil durch enge Gitterstäbe quetschen.
Der Flow, der dadurch zwangsweise entsteht, macht sich aber relativ gut, weil man so die beiden Charaktere besser kennenlernt. Grundlegend spielen sich die beiden zwar ähnlich, wobei Harry auf sein Schwert und Judy auf eine Art Peitsche setzt, aber die Fähigkeiten heben sie deutlich voneinander ab.
Versteckspielen mit Gedankenkontrolle
Harrys Spezialfähigkeit lässt ihn unsichtbar werden, sodass ihr euch durch überfüllte Räume oder an Alarmanlagen vorbeischleichen könnt. Um diese Fähigkeit einzusetzen, müsst ihr vorher jedoch ein paar böse Burschen weggepustet haben.
Je schneller ihr das übrigens macht, desto schneller füllt sich auch die Leiste für Spezialfähigkeiten auf. Judy hingegen hat ein Faible für Gedankenkontrolle: Wollt ihr, dass der dicke Kerl im Nebenraum mit seiner Schrotflinte auf seine Kumpels losgeht? Kein Problem! Judy macht’s möglich. Mir persönlich hat das Austesten dieser Fähigkeit teuflischen Spaß bereitet.
Die Punkte der Spezialleiste lassen sich allerdings auch für andere Dinge verbrauchen. So könnt ihr beispielsweise für den Einsatz von jeweils einem Punkt einen Gegner markieren. Klingt jetzt noch nicht sonderlich spektakulär, aber wartet ab! In Verbund mit einer Schusswaffe, von denen es immer mal wieder im Level welche gibt, wird dies zu einer mächtigen Erleichterung. Markierte Feinde werden nämlich bei Sichtkontakt automatisch anvisiert.
Sehr praktisch, wenn in einem Raum mehrere Schergen stehen, ihr reinlauft und einfach nur den Knopf zum Ballern betätigen müsst. Ein sehr nettes Feature. Im weiteren Verlauf des Spiels könnt ihr noch weitere Fähigkeiten freischalten und die beiden Charaktere ganz zart an euren Spielstil anlehnen. Denn nach einem erfolgreichen Abschnitt regnet es Erfahrungspunkte, die je nach zeitlichem Einsatz auf die beiden Figuren verteilt werden.
Spielt ihr also größtenteils mit Judy, wird sie wesentlich schneller leveln als Harry. Pro Levelaufstieg gibt es dann meist die Auswahl zwischen ein paar kleineren Upgrades. So könnt ihr den Bereich für die Gedankenkontrolle ausdehnen oder die Zeit verlängern, in der ihr die Kontrolle übernehmt.
Außerdem stehen noch im späteren Verlauf ein paar weitere krasse Fähigkeiten bereit: Viel will ich hier nicht verraten, aber eine kleine Zeitmanipulation ist auch mit an Bord.
Ruhig Blut!
Einsteigern kann ich wärmstens empfehlen, dass sie den Schwierigkeitsgrad unten halten. Selbst auf der niedrigsten Stufe wird es spätestens in der zweiten Welt schon knifflig. Vielleicht bin ich aber auch nur zu alt für solche Ballerduelle geworden – wer weiß. Habt ihr jedoch die Steuerung gemeistert und die Fähigkeiten fest im Griff, entsteht ein richtig guter Flow, der äußerst motivierend ist.
Solltet ihr keine Lust darauf haben alleine zu spielen, unterstützt „God’s Trigger“ natürlich auch eine Koop-Funktion. Gemeinsam mit einem Kumpel an eurer Seite macht die Jagd auf böse Kerle gleich doppelt Spaß. Mir jedenfalls haben sowohl der Single-Player als auch der Koop-Part richtig Laune gemacht.
Fazit
Zum Abschluss bleibt zu sagen: Solltet ihr keine Scheu vor Herausforderungen haben, dann ist „God’s Trigger“ genau euer Ding. Es ist schnell, motiviert ungemein und sorgt durch stetig neue Fähigkeiten für ein sehr kurzweiliges Spielerlebnis. Wer also keine Angst vor virtuellen Sterben hat, kommt an „God’s Trigger“ nicht vorbei.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: godstriggergame.com