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Grid Legends

Ein Renn-B-Movie zum Selbstspielen – damit will die Grid-Reihe neue Pfade beschreiten.

Die gute, alte Zeit: In den 90er-Jahren habe ich Spiele wie Command&Conquer verschlungen und geliebt. Im Gedächtnis geblieben ist das Spiel nicht nur wegen des guten Gameplays, sondern auch wegen der charmanten Story, die durch reale Schauspieler erzählt wurde. Die Vermischung von Real-Zwischensequenzen und der virtuellen Welt hat zwar oft den Charakter eines B-Movies gehabt, aber dennoch so viel Charme. Warum ich das alles erzähle? Weil EA und Codemasters dieses Thema in Grid Legends wieder aufleben lassen. Einen äußerst spannenden Ansatz, wie ich finde.

Den letzten Ableger von Grid gab es im Jahr 2019. Es war ein solides Autorennen, dem es etwas an Profil oder Grip fehlte, um sich von der Konkurrenz zu lösen. Mit Grid Legends soll sich das ändern. Das Spiel will nun deutlich mehr in die Richtung Arcade-Racer gehen – und setzt eher auf Unterhaltung als auf Simulation. Mir persönlich kommt das sehr gelegen, weil ich Arcade-Racer liebe – nicht zuletzt Forza Horizon 5. Aber keine Sorge: In diese Fußstapfen wird und kann Grid Legends nicht treten.

Bitte recht freundlich!

Den Fokus setzt Grid Legends auf den Story-Modus. Dort verfolgt ihr die Geschichte eines fiktiven Rennstalls namens Seneca. Als „Nummer 22“ seid ihr der Hoffnungsträger, der die Crew vor dem Bankrott retten kann. Vom Rookie arbeitet ihr euch hoch bis zum Profi und fahrt – Überraschung – später dann um die Meisterschaft mit. Dabei klebt Codemasters ein Rennen an das andere, was völlig in Ordnung geht. Das Besondere: Die Story wird euch als eine Art Pseudo-Dokumentation präsentiert mit echten Schauspielern. Allein das gezeigte Filmmaterial, bestehend aus Real-Szenen und Ingame-Szenen dauert zusammengenommen rund zwei Stunden. In 36 Episoden erlebt ihr die Geschichte von „Nummer 22“. Erwartet jetzt kein Hollywood-Niveau, aber eine durchaus unterhaltsame Herangehensweise. Ich fand das sehr erfrischend.

Nüchtern betrachtet bringt euch die Story recht wenig. Euer Charakter bleibt sehr blass und wird immer nur mal angedeutet oder mit Helm gezeigt. Das kann man natürlich aufgrund der Videosequenzen nachvollziehen, wirkt aber manchmal merkwürdig. Aber dass ein Entwickler endlich mal wieder auf reale Schauspieler setzt, muss ich lobend hervorheben. Also von mir aus können sich andere da gerne ein Scheibchen abschneiden. Abseits des Story-Modus hat Grid Legends aber noch mehr zu bieten.

Aufsteigender Stern

Im Karriere-Modus habt ihr eure typische Reise vom blutigen Anfänger zum gefeierten Star. Ihr beschreitet Rennen, um weitere Events freizuschalten. Bei der Art der Rennen bleibt Grid Legends auf gewohnten Wegen: Rundkurse, Sprints oder Drifts kennt ihr schon aus etlichen anderen Titeln. All das fühlt sich technisch gut an, gewinnt aber keine Innovationspreise. Am Schwierigkeitsgrad dürft ihr auch beliebig herumschrauben, wenn euch die normale Stufe zu einfach ist. Wer nämlich öfters mal solche Rennspiele zockt, wird auf „normal“ definitiv unterfordert sein. Aber das spricht immerhin für Neueinsteiger. Die berühmte Rückspulfunktion ist auch wieder mit an Bord. So könnt ihr Fehler direkt ausbügeln, wenn es mal gekracht hat – womit wir beim nächsten Thema wären.

Während der Rennen kracht es auffällig oft. Das unterstreicht auch den Arcade-Charakter nochmals. Ich persönlich kürze scharfen Kurven auch gerne dadurch ab, dass ich gegnerische Fahrzeuge als Blocker nutze und diese in die Leitplanke treibe. Bei Grid Legends greift die KI allerdings auch öfters auf diese Fahrweise zurück. Hier kommt auch wieder das Nemesis-System zum Tragen: Habt ihr einen Konkurrenten besonders viel geärgert, dann wird dieser zu eurem Erzfeind – zumindest für die kommenden Rennen. Dieser Fahrer wird euch dann öfters attackieren. Nette Idee für mehr Spaß.

Solide Packung

Apropos mehr Spaß: Mit über 100 verschiedenen Fahrzeugen und insgesamt 22 Strecken werdet ihr einige Stunden Spaß haben. Das reicht zwar nicht an die massive Anzahl an Strecken und Boliden aus den Konkurrenz-Spielen, aber ist dennoch ausreichend. Zudem könnt ihr die Fahrzeuge individuell designen und anpassen – ja sogar aufleveln.

Allerdings: Um ein Fahrzeug aufzuleveln, müsst ihr damit eine bestimmte Anzahl an Kilometern fahren. Das System finde ich etwas merkwürdig und hat mich oft gezwungen, dass ich mit einem Fahrzeug immer wieder ein und dasselbe Rennen gefahren bin, um auf meine Kilometer zu kommen. Bei eurem Rennfahrer sieht das anders aus: Hier könnt ihr Erfahrungspunkte aus den Rennen in verbesserte Fähigkeiten stecken.

Kommen wir noch zum Multiplayer-Part: EA und Codemasters erlauben hier Cross-Play, wer es möchte. Ihr könnt also mit oder gegen Spieler von anderen Konsolen gemeinsam zocken. Gute Sache. Aber auch andere kleine Features muss ich hervorheben. Wenn ihr beispielsweise ein Online-Rennen bestreitet, dann füllt die KI fehlende Fahrer automatisch auf. Euch ermöglicht das, dass ihr aber in laufenden Rennen einsteigen könnt, indem ihr eine KI übernehmt. So kommt mehr Dynamik in die Rennen, was ich zu schätzen weiß. Cooles Features.

Zum Abschluss werfe ich noch schnell einen Blick auf die Grafik. Grid Legends sieht ziemlich gut aus – aber nicht so gut wie Forza oder Gran Turismo. Dennoch lassen sich die Automodelle, Unfälle und Umgebungen durchaus sehen. Kleine Effekte wie Wassertropfen auf de Bildschirm oder Schneeflocken bei den verschiedenen Witterungen runden das Bild ab. Hier habe ich nichts zu meckern.

Fazit

Am Ende wirkt Grid Legends wirklich frisch im Gegensatz zum Vorgänger: Das Arcade-Feeling steht den Rennen gut zu Gesicht. Auch die Idee mit dem Story-Modus finde ich einen guten Schritt – auch wenn die Story sehr klischeebehaftet ist. Aber gerne mehr davon. Die Rennen sind unterhaltsam, technisch sauber und motivierend. Das Einzige, was sich Grid Legends vorwerfen lassen muss: Wirkliche Innovationen fehlen. Alles, was ihr hier seht, habt ihr woanders schon mal gesehen – seien es die Rennen, die Effekte oder die Spielmechaniken. Wer damit keine Probleme hat und einfach mehr Arcade-Rennen möchte, der ist hier bei Grid Legends bestens aufgehoben.

Erhältlich für: Xbox, Playstation, PC
Website: ea.com/de-de/games/grid/grid-legends