Spiele wie Grime: Colors of Rot machen mir das Leben als Tester immer wieder schwer. Warum? Ganz einfach: Während mein Stapel der anderen Titeln wächst, die getestet werden müssen, fesselt mich Grime: Colors of Rot so schamlos, dass ich nichts anderes testen möchte. Was sich die Entwickler:innen von Clover Bite samt Publisher Akupara Games ausgedacht haben, erfahrt ihr jetzt.
Zwei meiner liebsten Welten kollidieren
Wenn ich in einem Satz beschreiben sollte, was genau Grime: Colors of Rot ist, dann würde ich folgendes sagen: Dark Souls trifft auf ein surreales 2D-Metroidvania. Ja, das trifft es eigentlich ziemlich gut. Und da ich eine Schwäche für beide dieser Genres habe, trifft Grime: Colors of Rot bei mir voll ins Schwarze.
Die Welt von Grime: Colors of Rot ist wie bei einem Dark Souls Spiel sehr kryptisch gehalten. Euer Charakter wurde erschaffen und besteht aus Energie und etwas Materie, die größtenteils Stein sein könnte. Vielleicht seid ihr ein entfernter Verwandter des Hauptcharakters von Dead Cells. Eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich jedenfalls nicht abstreiten. Nun werdet ihr in eine triste Welt geworfen und müsst erst einmal herausfinden, was ihr hier so macht.
Stein auf Stein, Stein auf Stein ...
Um nichts zu spoilern, halte ich mich ebenfalls etwas kryptisch beziehungsweise vage mit meinen Beschreibungen. Im Grunde lauft ihr zuerst einmal durch die Welt und müsst euch gegen anderen Kreaturen wehren. Ein Glück, dass euer Schöpfer euch eine Art Schwert mitgegeben hat. Damit könnt ihr die ersten Gegner gut in Schach halten.
Die Steuerung ist dabei recht einprägsam und auf den ersten Blick simpel: Ein normaler Schlag und ein Spezialschlag erfolgen nach dem Druck auf die entsprechende Taste. Ganz wie bei einem Souls-like-Spielchen. Einfach zu lernen, schwer zu meistern, wenn euch Gegner gegenüberstehen. Mit einem anderen Knopf könnt ihr ausweichen: Dazu rollt ihr euch nicht etwa durch die Gegend, sondern teleportiert euch für eine kurze Strecke. Das hat den Vorteil, dass ihr so durch Gegner oder manchmal auch durch enge Höhlenschächte kommt. Und dann wäre da noch eine besondere Technik, die ihr meistern solltet …
Totale Vereinnahmung
Drückt ihr nämlich auf die rechte Schultertaste, dann blockt euer Avatar kurz. Diese Blocks solltet ihr so früh wie möglich in euren Spielfluss einfügen. Denn es handelt sich nicht nur um einen Block dabei: Haben Gegner eine bestimmte Lebenspunktzahl unterschritten, könnt ihr sie absorbieren. Über dem Kopf des Feindes erkennt ihr per Markierung sehr gut, wann es soweit ist. Dieses Absorbieren bringt zwei Vorteile mit sich: Zum einen ladet ihr damit eure Elixier-Leiste auf. Ist diese voll, könnt ihr sie einsetzen, um Lebenspunkte aufzufrischen. Zum anderen könnt ihr durch das Absorbieren Gegnern wertvolle Eigenschaften stehlen. Dazu müsst ihr von manchen Gegnern mehrere absorbieren, um die Eigenschaft zu bekommen.
Diese Eigenschaften sind passive Boni: So blockt ihr beispielsweise mehr Schaden, erhaltet dauerhaft mehr Ausdauer oder Lebenspunkte oder schadet Feinden nach einem erfolgreichen Ausweichen. Es lohnt sich also diese Technik zu erlernen. Denn spätestens bei den dicken Boss-Gegnern solltet ihr diese Fähigkeit können, um zu bestehen. War der erste Boss noch recht gut zu erledigen, hat mich bereits der zweite schon ordentlich Nerven und Geschick gekostet. Aber dieses Gefühl nach einem Sieg – einzigartig.
Hinzu kommen altbekannte Mechaniken, wie das Aufleveln eures Charakters an Seelensteinen: Hier leitet ihr Masse (Erfahrungspunkte) in unterschiedliche Attribute wie Kraft, Energie, Geschick usw. Je nach Spielstil könnt ihr euch hier individuell gestalten. Auch die unterschiedlichen Waffen und Ausrüstungen, die ihr auf eurer Reise finden werdet, verlangen nach unterschiedlichen Mindest-Attribut-Punktzahlen.
Wie war das? Masse gleich Energie im Quadrat?
Eine Kleinigkeit möchte ich noch erwähnen, ohne zu tief in das einfache, aber dennoch fordernde Gameplay einzutauchen: Solltet ihr sterben, dann taucht ihr wieder am letzten Seelenstein auf. Dabei verschwindet eure Masse (Erfahrungspunkte) allerdings nicht, was mir durchaus entgegenkommt. Nur eure aufgeladene Energie ist weg. Findet ihr eure alte Hülle allerdings wieder, bekommt ihr die Hälfte der Energie wieder zurück. Energie ist insofern interessant, als dass sie ausschlaggebend dafür ist, wie viel Schaden ihr verursacht. Je mehr Energie, desto härter schlagt ihr zu – cooles System.
Kommen wir noch zur Grafik: Grime: Colors of Rot scheint aus einem surrealen Fiebertraum entstanden zu sein. Dunkle Höhlen, merkwürdige Kreaturen, die halb organisch halb materiell sind und dann noch gigantische Steinköpfe, die im Hintergrund immer wieder auftauchen und epische Szenen auf den Bildschirm zaubern. Ich persönlich hatte den ein oder anderen Wow-Moment. Einziger Wermutstropfen: Immer wieder kam es zu Frame-Einbrüchen und minimalen Rucklern in der Darstellung. Aber da drücke ich gerne ein Auge zu.
Fazit
Grime: Colors of Rot hat mich von der ersten Minute an gepackt. Sei es das altbekantne Gameplay, das geschickt neue Elemente darin vermischt, oder auch der Grafikstil, der einzigartig ist. Die Vermischung von Souls-like und 2D-Metroidvania kam mir ebenfalls entgegen und ließ mich diese düstere Welt sehr gerne erkunden. Hinzu kommt das fordernde Kampfsystem, das mit besonders bei den riesigen Bossen immer wieder fesseln konnte. Clover Bite und Akupara Games liefern hier ein bemerkenswertes Spiel ab. Ich mache es kurz und empfehle Grime: Colors of Rot all jenen, die mal wieder eine frische Herausforderung suchen, die sie so schnell nicht vergessen werden.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: akuparagames.com/game/grime-colors-of-rot