Auch Helden haben einen Alltag
Wer den ersten Teil noch nicht gespielt hat, sollte dies unbedingt tun, bevor er sich an Teil zwei wagt – weniger wegen der Story, sondern eher wegen des Spielgefühls. Die Geschichte von Wrestler Juan, der seine Geliebte aus den fiesen Fingern von Calcaca befreit hat, geht hier übergangslos weiter. Den Endkampf aus Teil eins dürft ihr gleich zu Beginn nochmals erleben – coole Sache. Danach ist Friede, Freude, Eierkuchen für Juan und seine Liebe angesagt. Die Jahre vergehen, Nachwuchs tritt auf die Bühne und der Bauch schwillt gemütlich an. Ende? Nicht ganz. Denn die Drinkbox Studios haben noch ein Ass im Ärmel...
In einer Parallel-Welt hat ein anderer Luchador Calcaca den Garaus gemacht und möchte nun alle Welten miteinander verbinden. Sein Ziel: Er will von der göttlichen Guacamole kosten – Skandal!!! Der Humor ist auch diesmal wieder Geschmackssache, aber durchaus köstlich. Also wirft sich Juan wieder in sein altes Dress und muss zu alter Stärke wachsen – so viel zur Story.
Für fingerfertige Zocker
Spielerisch wandelt „Guacamelee! 2“ auf gewohnten Pfaden. Es fühlt sich eigentlich so an, als hätte man Teil eins ein kleines Feintuning verpasst. Juan verfügt zwar über mehr Moves, aber im Großen und Ganzen bleibt man dem Prinzip aus dem Vorgänger treu. Soll heißen: Euch erwartet ein herausforderndes Jump&Run mit Beat’mUp-Elementen in einer Metroidvania-Umgebung. Kurz: Springen, Kämpfen, Entdecken.
Um neue Attacken zu erlernen muss Juan den Comic-Fieslingen ordentlich einheizen: Je höher seine Kombo dabei ausfällt, desto mehr Münzen rieseln auf sein Konto. Bei insgesamt fünf Meistertrainern darf er dann sein verdientes Geld in neue Moves investieren, die ihm das Leben insgesamt leichter machen.
Totlachen erlaubt
Wie bereits im Vorgänger hält das Spiel nicht zurück mit irrwitzigen Momenten, in denen ihr in die Form eines Huhns schlüpft, euch mal rundenbasiert gegen einen Schergen durchsetzt oder im Berserker-Modus durch Horden von Monstern prügelt. Ebenso sind auch wieder die äußerst kniffligen Hüpfpassagen mit an Bord, bei denen euch schon mal die Hände schwitzig werden können. Manche dieser Abschnitte erwarten volle Konzentration von euch – wenn ihr diese dann gemeistert habt, ist das Erfolgsgefühl umso höher. Das hat mir bei Teil eins bereits gut gefallen.
Wer nicht gleich so schnell wie möglich durchs Spiel flitzen will, was ungefähr sieben bis neun Stunden dauert, wird auf viele Geheimnisse stoßen. Überall in der fast offenen Spielwelt haben die Entwickler Schatztruhen versteckt, die euer Leben oder eure Ausdauer erhöhen. Um diese zu erreichen, braucht es allerdings Geschick und Grips – für mich persönlich unheimlich anspornend.
Grafisch hat sich nicht sonderlich viel getan: Der bunte Comic-Stil, der sich an mexikanische Erzählungen anlehnt, steht dem Spiel jedenfalls sehr gut zu Gesicht. Nur manchmal ging im Eifer des Gefechts etwas die Übersicht flöten, wenn das Spiel zu weit herausgezoomt hat – oder ich mit Freunden unterwegs war. Mit Freunden? Richtig! „Guacamelee! 2“ lässt euch mit insgesamt vier Recken um die Häuser ziehen, um es mit den Monsterscharen aufzunehmen. Ein schickes Feature, das sich auf dem ein oder anderen Zockerabend bereits ausgezahlt hat.
Fazit
„Guacamelee! 2“ ist die konsequente Fortsetzung eines bereits starken Vorgängers. Allerdings haben sich die Drinkbox Studios sehr an ihr Erfolgsrezept gehalten und dem zweiten Teil nur ein leichtes Tuning verpasst. Mir als Fan der Reihe genügt dies durchaus, doch beim (hoffentlich) dritten Teil dürfen sich die Entwickler ruhig mehr aus dem Fenster lehnen. Ich bin bereits gespannt. Derweil mache ich mich an den „Hard-Modus“, nachdem ich Juan zum ersten Mal zum Sieg geführt habe.
Erhältlich für: Xbox One, PS4, PC, Switch
Website: guacamelee2.com