Für viele Harry Potter-Fans war es ein lang gehegter Traum: ein eigenständiges Quidditch-Spiel, das die beliebte magische Sportart in all ihren Facetten einfängt. Mit Harry Potter: Quidditch Champions versucht Entwickler Unbroken Studios genau das umzusetzen. Doch gelingt der Spagat zwischen Fan-Service und kompetitivem Multiplayer-Erlebnis?
Vier Positionen, ein Ziel
Das Herzstück von Quidditch Champions ist natürlich das Gameplay auf dem Besen. Spieler können in vier verschiedenen Positionen antreten:
1. Jäger: Verantwortlich für das Werfen des Quaffels durch die gegnerischen Torringe.
2. Treiber: Schlagen Klatscher auf Gegenspieler, um sie zu behindern.
3. Hüter: Verteidigen die eigenen Torringe.
4. Sucher: Jagen dem Goldenen Schnatz hinterher.
Jede Position fühlt sich einzigartig an und erfordert unterschiedliche Fähigkeiten. Als Jäger muss man geschickt passen und werfen, während Treiber ein gutes Auge und präzises Timing brauchen. Hüter müssen blitzschnell reagieren und Sucher benötigen vor allem Geschwindigkeit und Geschick im Flug.
Wirbeln durch die Lüfte
Die Steuerung ist dabei intuitiv gestaltet und relativ leicht zu erlernen. Besonders das Fliegen macht Spaß und vermittelt ein gutes Gefühl von Geschwindigkeit und Agilität. Allerdings zeigen sich hier auch erste Schwächen: Das Passen als Jäger fühlt sich manchmal ungenau an, und die Kollisionsabfrage lässt gelegentlich zu wünschen übrig.
Eine interessante Neuerung ist die Anpassung der Quidditch-Regeln. Anders als in den Büchern und Filmen beendet der Fang des Goldenen Schnatzes das Spiel nicht automatisch. Stattdessen bringt er nur 30 Punkte (statt 150) und erscheint zweimal pro Spiel. Diese Änderung sorgt für mehr Balance und strategische Tiefe, auch wenn Puristen sie möglicherweise kritisch sehen werden.
Solo oder als Team
Quidditch Champions bietet sowohl einen Einzelspieler-Modus als auch Online-Multiplayer. Die Kampagne führt Spieler durch vier Turniere: Den Weasley Burrow Garden Cup, den Hogwarts Cup, den Trimagischen Schulpokal und schließlich die Quidditch-Weltmeisterschaft. Dabei dient der erste Cup als Tutorial, während die späteren Turniere den Schwierigkeitsgrad stetig erhöhen.
Die Kampagne ist solide, aber leider recht kurz. In etwa drei Stunden hat man alle Cups durchgespielt, wobei die Wiederspielbarkeit durch verschiedene Schwierigkeitsgrade erhöht wird. Fans werden sich über die liebevoll gestalteten Spielorte freuen, besonders die Umsetzungen von Durmstrang und Beauxbatons sind beeindruckend.
Alleine zum Sieg
Was aber sehr auffällig ist: Wählt ihr einen hohen Schwierigkeitsgrad, braucht ihr im Grunde nichts mehr zu machen – und das meine ich wortwörtlich. Bleibt einfach mal in der Luft stehen und genießt es, wie euer Team das andere auseinandernimmt. Manche Matches konnte ich ohne auch noch eine Bewegung gewinnen. Hier muss sich dringend was ändern.
Der Multiplayer-Modus ist damit klar der Fokus des Spiels. Hier treten Spieler in 6-gegen-6-Matches gegeneinander an. Die Matchmaking-Funktion arbeitet zuverlässig, auch wenn längere Wartezeiten vorkommen können. Ein Kritikpunkt ist das Fehlen einer Ranglistenfunktion zum Launch, was die langfristige Motivation beeinträchtigen könnte.
Hübsch anzuschauen
Grafisch präsentiert sich Quidditch Champions in einem comichaften Stil, der gut zur Harry Potter-Welt passt. Die Charaktermodelle sind charmant gestaltet, auch wenn die Animationen manchmal etwas steif wirken. Die verschiedenen Quidditch-Arenen sind detailliert und atmosphärisch, besonders die Lichtstimmungen verdienen Lob.
Der Soundtrack passt gut zur magischen Welt, ist aber leider nicht besonders einprägsam. Die Sprachausgabe ist durchwachsen – während einige Charaktere gut vertont sind, fallen andere durch übertriebene Akzente oder hölzerne Darbietungen auf.
Kosmetische Updates als ABMs
Wie viele moderne Multiplayer-Spiele setzt auch Quidditch Champions auf ein Battle Pass-System. Spieler können durch das Erfüllen von Herausforderungen und das Sammeln von Erfahrungspunkten neue kosmetische Gegenstände freischalten. Das System ist fair gestaltet, allerdings fühlt sich der Fortschritt manchmal etwas zäh an.
Mikrotransaktionen beschränken sich auf kosmetische Gegenstände wie Besen-Skins oder Outfits. Es gibt keine Pay-to-Win-Elemente, was positiv zu bewerten ist.
Fazit
Harry Potter: Quidditch Champions ist ein solider Versuch, die beliebte magische Sportart in ein kompetitives Multiplayer-Spiel zu verwandeln. Das Grundgerüst stimmt: Das Gameplay macht Spaß, die verschiedenen Positionen fühlen sich einzigartig an und die Präsentation fängt den Charme der Wizarding World gut ein.
Allerdings zeigen sich auch deutliche Schwächen. Der Einzelspieler-Modus ist zu kurz und oberflächlich, einige Gameplay-Elemente benötigen Feinschliff und die langfristige Motivation könnte unter dem Fehlen einer Ranglistenfunktion leiden. Und die KI bräuchte ebenfalls ein Update. Für Harry Potter-Fans und Quidditch-Enthusiasten ist das Spiel dennoch einen Blick wert. Es bietet die bisher beste spielerische Umsetzung der magischen Sportart und macht besonders im Multiplayer-Modus Spaß.
Erhältlich für: Xbox, PC, PS, Switch
Webseite: quidditchchampions.com